US-Geheimdienst in der Kritik
Die Foltermethoden der CIA

Brutal, illegal, nutzlos: Der CIA hat unter dem Stichwort „erweiterte Verhörtechniken“ Gefangene gefoltert – mehr als sie der Öffentlichkeit mitteilten. Senat und CIA schieben sich gegenseitig die Schuld zu.
  • 8

New YorkEs sind diese zwei fast neutral klingenden Wörter – „erweiterte Verhörtechniken“, hinter denen so viel Grausamkeit steckt als sie vermuten lassen. Der damalige US-Präsident George W. Bush hatte sie nach den Anschlägen des 11. September abgenickt, sein Geheimdienst, der CIA, an Gefangenen ausgeführt. Nun wird klar, dass die Agenten des CIA dabei „sehr viel brutaler“ vorgingen als der Geheimdienst bisher in der Öffentlichkeit und gegenüber dem Kongress zugegeben hat. Das zeigt der Folterbericht, den der Senat am Dienstag veröffentlichte.

„Wenn wir Fehler machen, dann geben wir die auch zu“, sagte US-Präsident Barack Obama am Dienstag dem Sender Telemundo. Er versprach, alles in seiner Macht stehende zu tun, damit solche Verhörmethoden nie mehr angewendet werden.

Mehr als 6000 Seiten ist der Bericht des US-Senats über den Umgang des Auslandsgeheimdienstes CIA mit Terrorverdächtigen lang. Veröffentlicht wurde am Dienstag nur eine 525-seitige Zusammenfassung, in der zahlreiche Stellen geschwärzt sind.

Die Ergebnisse der Untersuchung fasste der Geheimdienstausschuss in 20 Punkten zusammen. Und die Vorwürfe sind massiv: Der Einsatz der erweiterter Verhörmethoden sei kein wirksames Mittel gewesen. Die CIA habe eine Aufsicht des Programms durch den Kongress aktiv vermieden und verhindert. Auch eine wirksame Aufsicht und Entscheidungsfindung des Weißen Hauses sei verhindert worden.

In dem Bericht des Senats hieß es, Ex-Präsident Bush habe erst im April 2006 von den Verhörmethoden erfahren. Der Präsident habe sich damals unwohl gefühlt, als er das Bild eines „an die Decke geketteten Gefangenen in Windeln“ zu sehen bekommen habe, hieß es.

Doch Ex-Agenten sehen das anders und reagieren prompt: Sie kritisieren auf der Internetseite CIASavedLives.com den Senatsbericht über die Foltermethoden und rechtfertigten ihr Vorgehen: Der Bericht enthalten „Fehler“ und die CIA habe Leben gerettet. Mit dem CIA-Programm hätten nicht nur ranghohe Anführer des Terrornetzwerks Al-Kaida gefangen genommen werden können, hieß es auf der Internetseite. Es habe auch dabei geholfen, Terrorchef „Osama bin Laden zu finden“.

Die CIA-Vertreter hinter der Website betonten außerdem, dass das Weiße Haus und das US-Justizministerium von Beginn an eingebunden gewesen seien. So erklärte der frühere CIA-Chef George Tenet dort, dass der Präsident das Programm geleitet habe. Auch die Führung im Kongress sei „regelmäßig und genau“ über das Vorgehen der CIA unterrichtet worden. CIA-Chef John Brennan beharrt darauf, die „harschen Verhörmethoden“ hätten zu Erfolgen im Anti-Terror-Kampf geführt – räumte aber ein, dass man auch Fehler gemacht habe.

Kommentare zu " US-Geheimdienst in der Kritik: Die Foltermethoden der CIA"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die US-Praesentation von Folter als eine Bereinigungsaktion stimmt nicht weil der NobelFriedensPreisTraeger noch ganz fleissig weitermacht mit GeheimKriegen,Dronenkriegen,weltweiten Liquidationen ohne Gericht,Kriegsdrohungen,Sanktionen,Korruption,NSA-Einsatz fuer Spionage und Kriegsvorbereitungen wie Ukraine,Syrien,usw.Wann erfolgt die längst überfällige Unterzeichnung des Statutes des Internationalen Strafgerichtshofes??
    Die Einstellung von Amerikanern ist :“American Dream“,es muss Amerika gutgehen,egal wie,ob mit Krieg,ob mit (Betriebs)Spionage,ob mit Betrug,ob mit der Stelle des Dollars in der Finanzwelt,ob mit Kriegsdrohung,ob mit Sanktionen,ob mit Korruption,ob mit Spekulation auf Kosten der Anderen,ob mit Finanzbetrug (Wirtschaftskrise 2008),ob mit Machtmissbrauch (Kuba+Israel),ob mit Kriegsverbrechen in Konflikten,wenn der Kampf nicht gewonnen werden kann werden garantiert chemische Waffen+WMD eingesetzt.Alles ist erlaubt um den Lebensstil der Amerikaner aufrechtzuerhalten,man geht buchstaeblich ueber Leichen.Das ist in der ganzen USA-Gesellschaft eingekoerpert,in das korrupte politische System mit seinem Lobbying durchgesichert,wird doziert in den Universitaeten.Das ist auch der Grund fuer eine starke Armee,weil geht es nicht gutwillig,dann kommt die Gewalt.In dieser Situation auf eine Entschuldigung zu hoffen heisst blind sein,EU muss Massnahmen treffen+die Situation neu bewerten,erwachsen+selbststaendig werden

  • dieser folterskandal und wie man damit hier bei uns umgeht zeigt doch mehr als deutlich wer in deutschland das sagen hat. artikel 146 gg sollte unbedingt mit leben erfüllt werden. offensichtlich traut die herrschende nomenklatura denjenigen nicht über den weg, denen sie ihre machtfülle verdankt. dem deutschen volk.

  • Welche Wertegemeinschaft? Sind KZ und geheime Foltergefängnisse, flächendeckende Spionage und Staatlich verordnetes Denunziantentum (Patriot Act), eine hochgerüstete Zivilgesellschaft in der die Waffenlobby das Sagen hat, das Überfallen von Staaten (Irak, Vietnam etc.), der Sturz legitimer Demokratien durch den Geheimdienst und Unterstützung blutiger Diktaturen (Chile etc.) Lügen und Betrug der eigenen Bevölkerung und der Weltöffentlichkeit, Respektlosigkeit sogar gegenüber "befreundeten Staaten" tatsächlich Werte die wir teilen möchten? Wenn Frau Merkel dies tun möchte, bitte sehr. Spricht nicht gerade für diese Frau. Ich für meinen Teil tue es nicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%