US-Geheimdienst
Neuer CIA-Chef in Aussicht

Nach dem Rücktritt von CIA-Chef Porter Goss scheint bereits ein Nachfolger gefunden zu sein. Das berichten US-Medien.

HB WASHINGTON/NEW YORK. Nach Angaben des US-Fernsehsenders CNN soll der Air-Force-General Michael Hayden den Posten übernehmen. Der Sender berief sich auf Aussagen von Vertretern der US-Regierung vom Freitag. Auch die „New York Times“ und das Magazin „Time“ berichteten auf ihren Internetseiten, dass Hayden gute Aussichten auf den Job habe. Nach dem Rücktritt von Goss wird in den USA über die Gründe für den Schritt gerätselt. Wie US-Medien unter Berufung auf Geheimdienstkreise berichteten, warf Goss das Handtuch, weil es Streitigkeiten um Zuständigkeiten mit dem nationalen Geheimdienstdirektor John Negroponte gab, der die Arbeit aller 16 US- Geheimdienste koordiniert. Dieser Posten war erst vor einem Jahr als Konsequenz aus den Fehlern und Versäumnissen im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September und im Vorfeld des Irak-Krieges geschaffen worden. Nach den Spekulationen fühlte sich Goss von Negroponte zunehmend in seinen Kompetenzen eingeschränkt. Die Spannungen seien so groß geworden, dass Goss dann im Einvernehmen mit Bush die Konsequenzen gezogen habe.

Die „Washington Post“ berichtete indes in ihrer Online-Ausgabe, US-Präsident George W. Bush habe die Entscheidung, Goss auszuwechseln, bereits vor Monaten gefällt. Negroponte habe Goss vergangenen Monat darüber unterrichtet und ihm gesagt, er solle sich auf einen Rückzug bis Mai einstellen. Die Zeitung berief sich dabei auf Vertreter, die über das Gespräch Bescheid wüssten. Bush hatte die Personalie am Freitag im Beisein von Goss und Negroponte bekannt gegeben. Eine Begründung lieferte er nicht. Goss war weniger als zwei Jahre im Amt.

Die Nachricht vom Goss-Rücktritt war am Freitag wie eine Bombe in Washington eingeschlagen, zumal der ehemalige langjährige Abgeordnete das Amt erst gut eineinhalb Jahre lang bekleidet hatte. Während bei Rücktrittserklärungen sonst stets Gründe angegeben werden, hatten weder Goss selbst noch Präsident George W. Bush eine Erklärung gegeben. Die CIA und andere Geheimdienste waren scharf kritisiert worden, weil Hinweise auf die Anschlagspläne vom 11. September entweder ignoriert oder nicht miteinander verknüpft worden waren. Außerdem wurden der CIA Fehleinschätzungen in der Frage der Existenz von irakischen Massenvernichtungswaffen im Vorfeld des Irakkrieges angelastet. Die Kritik hatte schließlich zum Rücktritt von CIA-Chef George Tenet geführt, dessen Nachfolger Goss wurde. Zugleich leitete Bush eine umfassende Reform der Geheimdienste ein. Der bedeutendste Schritt war die Schaffung des Postens eines nationalen Geheimdirektors und in deren Zuge eine Beschneidung der Zuständigkeiten der einzelnen Geheimdienste.

Das konservative „Wall Street Journal“ sieht am Samstag nach dem Rücktritt des CIA-Chefs Goss schwere Zeiten auf die Regierung von US-Präsident George W. Bush zukommen: „Wie die meisten Spionageangelegenheiten ist der überraschende Rücktritt von CIA-Direktor Porter Goss (...) nur schwer nachzuvollziehen. Das Weiße Haus beharrt darauf, er sei nicht zur Amtsaufgabe gezwungen worden, und der 67 Jahre alte frühere Leiter des Geheimdienstausschusses hatte immer gesagt, er habe nicht vor, lange auf dem Posten zu verbleiben. Andererseits hat er den Job nur 20 Monate gemacht, und er gibt ihn inmitten einer umfangreichen Reorganisation der Geheimdienste auf. Auf seinen Nachfolger könnte im Wahljahr ein blutiger Kampf um die Bestätigung im Senat zukommen. Dies ist kein günstiger Moment für das Ausscheiden aus dem Amt.“

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