US-Geheimdienstbericht
Anti-Terror-Kampf schürt Terrorismus

Ein US-Geheimdienstbericht kommt zu einem ernüchternden Fazit im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Demnach bewirkt das Eingreifen vor allem im Irak das genaue Gegenteil des Gewollten: Immer mehr Terroristen treten auf den Plan; die Wahrscheinlichkeit für Anschläge steigt. US-Präsident George W. Bush kann dennoch keine eigenen Fehler entdecken.

HB WASHINGTON. Der am Dienstag in Teilen freigegebene Geheimdienstbericht kommt zu dem Schluss, dass der Krieg im Irak für islamische Extremisten zu einer „berühmten Sache“ geworden sei und die Ressentiments gegen die USA vertiefe. Dies werde eher schlimmer als besser. Der internationale Terrorismus passe sich den anti-terroristischen Bemühungen an. Wenn dieser Trend fortdauere, werde dies zu mehr Terroranschlägen weltweit führen, so das Fazit.

Einige Zeitungen hatten bereits am Wochenende Passagen des Berichts veröffentlicht. Das hat zu einem öffentlichen Druck auf Bush geführt, dem er sich schließlich mit der teilweisen Veröffentlichung gebeugt hat.

„Einige haben gemutmaßt, was in dem Bericht steht, und daraus die Schlussfolgerung gezogen, dass der Irak-Krieg ein Fehler war. Dem widerspreche ich entschieden“, sagte Bush während einer Pressekonferenz mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai im Weißen Haus. Er warf seinen Kritikern vor, die Auszüge aus dem geheimen Bericht mit Blick auf die bevorstehende Kongresswahl in den USA am 7. November an die Öffentlichkeit gebracht zu haben. Er habe deshalb den Nationalen Geheimdienstchef John Negroponte angewiesen, jene Teile des Berichts freizugeben, deren Veröffentlichung keine Gefährdung der nationalen Sicherheit darstellten.

Irak-Krieg bringt neue Terroristengeneration hervor

Die oppositionellen Demokraten hatten die am Wochenende veröffentlichten Passagen des Bericht benutzt, um ihre Kritik an der Irak-Politik des Präsidenten zu verschärfen. Dem Bericht zufolge nimmt der Krieg im Irak in der Entwicklung des internationalen Terrorismus eine besondere Stellung ein. Der Konflikt sei für Terroristen, die in der muslimischen Welt Hass gegen die USA verbreiten wollen, ein Zugpferd geworden. Dadurch wachse eine neue Generation von Terroristen heran. Und jeder im Irak wahrgenommene Erfolg führe dazu, dass Terroristen anderenorts ihren Kampf fortsetzten.

Zwar habe man der Führung der El Kaida schweren Schaden zugefügt, heißt es in dem Bericht weiter. „Dennoch kommen wir zu dem Schluss, dass El Kaida als einzelne Terrororganisation nach wie vor die größte Bedrohung für die USA im Inland und ihre Interessen im Ausland darstellt.“

Immer mehr Terrorgruppen

Die „globale Bewegung der Gotteskrieger“ sei aber dezentral strukturiert und habe keine einheitliche Strategie. Und die Zahl sich selbst radikalisierender Gruppen nehme entsprechend den Bemühungen der USA im Kampf gegen den Terrorismus zu. Dies mache es für die Geheimdienste zunehmend schwierig, einzelne Zellen aufzudecken oder zu unterwandern.

Für die Ausbreitung des islamistischen Terrorismus nennt der Geheimdienstbericht vier Gründe: „(1.) Tief verwurzelte Missstände wie Korruption, Ungerechtigkeit und die Angst vor einer Dominanz des Westens, die zu Wut, Demütigung und einem Gefühl der Machtlosigkeit führen. (2.) Den Dschihad (Heiliger Krieg) im Irak. (3.) Das langsame Tempo bei wirklichen und nachhaltigen ökonomischen, sozialen und politischen Reformen in vielen muslimischen Ländern; und (4.) die unter den Muslimen überall vorhandene anti-amerikanische Stimmung.“

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