US-Geheimdienste
Trumps Glaubenskampf

Die Sympathien Donald Trumps für Wikileaks und sein Feldzug gegen die CIA belasten seine Präsidentschaft, bevor sie überhaupt begonnen hat. Heute unternehmen die Geheimdienste einen neuen Anlauf, ihn zu überzeugen.
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WashingtonWie schnell sich Feindbilder verändern können: Es ist nicht lange her, da wurde Wikileaks-Gründer Julian Assange in konservativen US-Kreisen als Hochverräter verdammt. Donald Trump nannte das Enthüllungsportal „verabscheuenswert“ und forderte „die Todesstrafe oder so was“. Heute – als künftiger US-Präsident – führt Trump Wikileaks als verlässliche Informationsquelle an. Mit der Veröffentlichung von belastenden E-Mails aus dem Umfeld von Hillary Clinton scheint sich Assange rehabilitiert zu haben.

Trump hat sich inzwischen andere Gegner gesucht. Auf Twitter führt er einen Kleinkrieg gegen die Geheimdienste, die ihm schon sehr bald unterstellt sein werden, allen voran die CIA. Die US-Spione haben keinen Zweifel daran, dass es die Russen waren, die Assange das Datenmaterial für seine Anti-Clinton-Kampagne geliefert haben. Trump sieht in dieser Einschätzung den Versuch, seinen Wahlsieg zu delegitimieren. Er streitet die russische Einflussnahme ab, Assange dient ihm als Kronzeuge.

Die bizarre Allianz zwischen dem Staatsfeind und Oberkommandierenden in spe belastet die Trump-Präsidentschaft, bevor sie begonnen hat. Auch vielen Republikanern ist die Sache nicht geheuer. Am Donnerstag schlossen sie sich den Mahnungen der Demokraten an, die russischen Cyberangriffe ernst zu nehmen. Und forderten Vergeltung.

Die von der scheidenden Regierung verhängten Sanktionen, etwa die Ausweisung von 35 russischen Diplomaten, geht republikanischen Hartlinern wie Lindsey Graham, Senator aus South Carolina, nicht weit genug. „Was Obama getan hat, ist einen Kiesel zu werfen“, sagte er. „Ich will einen Felsen werfen.“ Soll heißen: weitere, noch schärfere Strafen.

Damit geht der Kongress auf Konfrontationskurs zu Trump. Dieser hofft schließlich auf eine Verständigung mit Russland, auf ein Arrangement, das in eine gemeinsame Allianz gegen den islamistischen Terrorismus münden soll. „Es ist Zeit, nach vorne zu blicken“, meint Trump.

Der Konflikt über die Russland-Politik dürfte zu einem frühen Test der komplizierten Beziehung zwischen Trump und dem republikanischen Establishment werden.

Kommentare zu " US-Geheimdienste: Trumps Glaubenskampf"

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  • @Herr Helmut Metz, 06.01.2017, 14:34 Uhr

    Ich will überhaupt keinen "Staat" - jedenfalls keinem im Sinne der heutigen Nationalstaaten - und schon gar keine Geheimdienste (das habe ich in meinem ersten Kommentar hier ja wohl deutlich genug zum Ausdruck gebracht).

    Sie werden mir aber hoffentlich darin zustimmen, dass ein Gemeinwesen nur funktionieren kann, wenn es über eine funktionierende öffentliche Infrastruktur und ein ebensolches, diesmal von allen gemeinsam erarbeitetes verbindliches Regelwerk verfügt.

    Wie oder als was man dieses nun bezeichnet halte ich für zweitrangig.

  • Wäre es nicht etwas ergiebiger über sie Feldzüge der CIA zu berichten. Deren verbale Feldzüge erreichen nicht einmal Kindergartenniveau und werden allenfalls von professionellen Lesern bejubelt.

  • @Tomas Maidan:

    Sie sind scheinbar so schlau und gut informiert.

    Zeigen Sie uns die Beweise!

    Unterlassen Sie bitte sämtliche emotionalen Manöver und stellen Sie bitte Ihre Beweise sachlich bis ins letzte Detail vor.

    Vielen Dank im Voraus!

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