US-Hypotheken-Klage
Anshu Jain fällt seine Strategie auf die Füße

Die Klage der US-Regierung entlarvt das Geschäftsmodell der Deutschen Bank: Risiken auf andere abzuwälzen. Dem Meister dieser Strategie fällt sie nun auf die Füße - Anshu Jain, Chef des Investment-Bankings.
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Anshu Jain ist der Chef des Investment-Bankings der Deutschen Bank und aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge ihres Vorstandschefs Josef Ackermann. Oder muss man jetzt sagen: Er war aussichtsreicher Kandidat? Denn Jain hat ein Geschäftsmodell perfektioniert, das der Bank jetzt auf die Füße fällt. Es besteht darin, Risiken bewusst auf andere abzuwälzen. In den USA geht deshalb jetzt die Regierung gegen die Deutsche vor – eine Klage, die mehr als nur finanziellen Schaden verursachen könnte.

Jain ist der unumstrittene Meister, wenn es darum geht, Risiken weiterzureichen. Er hat damit seinen Geschäftsbereich zur Gewinnmaschine des ganzen Geldhauses gemacht und sich damit selbst ein Denkmal gesetzt. Doch spätestens seit gestern muss Ackermann seinem wichtigsten Mitarbeiter erklären, dass er bestimmte Geschäfte besser nicht gemacht hätte.

Dazu gehört der Kauf der amerikanischen MortgageIT im Jahr 2007, also unmittelbar bevor die Finanzkrise mit dem Zusammenbruch des Hypothekenmarkts in den USA offen ausbrach. Der Laden dürfte so recht nach Jains Geschmack gewesen sein: nicht nur, weil er eine Nummer im damals brummenden US-Hypothekenmarkt darstellte, sondern auch, weil er Zugang zu einem Regierungsprogramm versprach, mit dem die Hypotheken abgesichert werden konnten. Das Risiko, das die frisch erworbene Deutsche-Bank-Tochter durch den Verkauf von Hypotheken auf sich nahm, ließ sich so wundervoll auf die öffentlichen Schultern packen.

Die Methode funktionierte übrigens nicht nur in den USA. Auch in Deutschland hat die Deutsche Bank an Kommunen und Unternehmen Finanzprodukte verkauft, deren Risiko sie schon bei der Verkaufsunterschrift voll auf den Geschäftspartner abwälzte.

Dieses Vorgehen steht im Zentrum der Klage. Der hochverschuldete Staat will sich drei Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise sein Geld zurückholen. In Deutschland hat in einem ähnlich gelagerten Fall der Bundesgerichtshof bereits einem Privatunternehmen recht gegeben. In den USA könnte sich jetzt eine ähnliche Niederlage für die Deutsche Bank ereignen. Doch weil der Kläger nicht ein Kleinunternehmer oder eine einzelne Kommune ist, sondern die US-Regierung, hat dieses Verfahren einen völlig anderen Stellenwert.

Schaut man sich den Streitwert und die mögliche Geldstrafe an, zeichnet sich ab: Die Bank wird finanziell keinen Schiffbruch erleiden. Allerdings leidet ihr Ruf. Sie galt als das clevere Institut, das überraschende Risiken rechtzeitig gesehen hat und ihnen ausgewichen ist. Künftig könnte sie den Stempel der Bank tragen, die gezielt Risiken einging, um sie anderen unterzujubeln. Dass alle diese Geschäfte im Verantwortungsbereich von Anshu Jain liegen, lassen dessen Chancen auf das Ackermann-Erbe nicht steigen – was sich für die Bank zum Führungsproblem auswachsen könnte.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " US-Hypotheken-Klage: Anshu Jain fällt seine Strategie auf die Füße"

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  • Sündeböcke bringen niemandem was und lenken nur von eigenem Versäumnis ab, denn das System sind wir alle. Nichsdestotrotz kann es auch nicht sein, dass jeder die Schuld einfach auf ander abwälzt und nur alle irgendwie aber keiner konret verantwortlich ist.

    So muss sich jeder Bürger fragen, warum er Parteien wählte und sich von Ideologien verführen ließ, die den Banken die Freiräume zum legalen Betrug schufen. Allerdings sind die Einsichts- und Steuerungsmöglichkeiten des Bürgers sicher andere als die eines Herrn Jain und entsprechend auch die persönliche Verantwortung. In unserer Berliner Bankenkrise hat man es ja gesehen, wie sich die Verantwortlichen, die die Berliner Bankgesellschaft fast verzockt haben, aus der Verantwortung stehlen wollten. Juristisch mögen sie damit durchgekommen sein, moralisch bleiben sie für mich geächtete asoziale Loser

  • Das ist mal wieder so ein Kommentar nach dem Motto "Die Investmentbanker die Zocker sind an allem schuld"

    Bei allem Respekt, aber hier hätte ich mir seitens des verantwortlichen Redakteurs ein wenig mehr Objektivität gewünscht. Aber stattdessen wird schnell irgendein Sündenbock herausgesucht der gerade verantwortlich ist!

    In Anbetracht der Tatsache das 99% der Bevölkerung vermutlich nicht mal wissen was "Investmentbanking" überhaupt genau bedeutet, ist das reichlich weit aus dem Fenster gelehnt!

  • Ich bin dazu übergegangen, Unternehmen, die nachhaltig die Gemeinschaft der Bürger und Völker schädigen, zu boykotieren.
    Die deutsche Bank gehört meinerseits bereits seit 2002 dazu.

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