US-Japan-Gipfel
Händedruck mit Augenrollen

Bei einer Partie Golf will US-Präsident Donald Trump die Beziehung zu dem japanischen Regierungschef Shinzo Abe intensivieren. Doch selbst Wirtschaftsverhandlungen mit Verbündeten drohen an die Schmerzgrenze zu gehen.
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TokioDiese 19 Sekunden könnten zum Symbol für die US-Sicherheits- und Handelspolitik werden. So lange schüttelte US-Präsident Donald Trump am Freitag seinem Gast, dem japanischen Regierungschef Shinzo Abe, die Hand. Und hätten die beiden nicht auf Stühlen nebeneinandergesessen, hätte man den Eindruck gewinnen können, dass Trump sein Gegenüber über den Tisch ziehen wollte.

Beherzt griff Trump die rechte Hand Abes, drückte zu kräftig zu und zerrte den tapfer lächelnden Japaner mehrfach zu sich heran. Zum Schluss tätschelte Trump Abes Hand, ließ von seinem engsten asiatischen Alliierten ab und streckte beide Daumen in die Höhe. Abe brachte sich derweil wieder in Position – und rollte dabei mit den Augen.

Ob dies der Beginn einer wahren Männerfreundschaft war, wird sich erst am Samstagabend zeigen. Dann spielen Trump und Abe eine Partie Golf wie vor 60 Jahren Abes Großvater Nobusuke Kishi mit dem damaligen US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower. Die Vorgänger der jetzigen Amtsinhaber legten damit den Grundstein zu den engen Beziehungen beider Länder. Es ist eine Geschichte, die Abe wiederholen will, allerdings unter anderen Vorzeichen.

Damals folgte auf das Zusammenspiel auf dem Grün eine Sicherheitsallianz, die den USA eine riesige Militärbasis in Ostasien und Japan Unterschlupf unter dem nuklearen Schutzschirm der USA sicherte. Jetzt geht es allerdings nicht um die Gründung der Allianz, sondern ihren Erhalt. Denn Trump hat nicht nur an den Grundlagen der Nato gerüttelt, sondern auch am wichtigsten Militärbündnis der USA in Asien.

Nicht nur warf Trump Tokio vor, nicht genügend für die Verteidigung zu tun und dachte laut über eine atomare Aufrüstung Japans und Südkoreas nach. Außerdem gehört Japan neben China, Mexiko und Deutschland zu den Ländern, denen Trump vorgeworfen hat, durch hohe Handelsbilanzüberschüsse die USA auszunehmen.

Damit weckte er in Tokio Sorgen, dass die USA ihr Engagement in Asien oder ihre Verteidigungsbereitschaft Japans zurückschrauben könnten. Die Verunsicherung in Japan war so groß, dass Abe bereits eine Woche nach Trumps Wahlsieg im November zum Überraschungssieger eilte.

Treffen bringt etwas Beruhigung


Das erneute Treffen der beiden brachte dem Japaner immerhin etwas Beruhigung. Trump versicherte am Freitag, dass die Allianz ein Eckstein für Friede und Stabilität in der asiatisch-pazifischen Region sei. „Es ist wichtig, dass beide, Japan und die USA, weiterhin sehr kräftig in die Allianz investieren und unsere Verteidigung und unsere Verteidigungsfähigkeiten ausbauen“, sagte Trump in einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Abe betonte derweil, dass die USA ihre Sicherheitsgarantie erneuert hätten. „Wir haben eine unerschütterliche Verbindung“, sagte er. Beide Seiten würden das Versprechen teilen, die Beziehungen zu stärken.

Die Hauptstoßrichtungen bleiben dabei die Eindämmung Chinas und Nordkoreas, das nach jüngsten Angaben südkoreanischer Experten genug angereichertes Uran und Plutonium für 60 Atombomben hat. Besonders China steht derzeit bei Trump hoch im Kurs als künftiges Feindbild.

So versicherten beide Seiten, die Freiheit der Seeschifffahrt zu garantieren. Diese Sprachregelung ist klar gegen China gerichtet, das nicht nur von Japan kontrollierte Inseln, sondern auch die Riffs und Eilande im südchinesischen Meer beansprucht. Dabei hatte das internationale Schiedsgericht Chinas Ansprüche zurückgewiesen. Die USA erklärten zudem wiederholt, dass die unbewohnten, von Japan kontrollierten und von China reklamierten Eilande Teil der Sicherheitsallianz seien.

Noch ist allerdings nicht klar, welchen Preis Japan letztlich für diese Zusicherung wird zahlen müssen. Beide Seiten vereinbarten auch bilaterale Wirtschaftsverhandlungen zu starten. Und erst dort wird sich zeigen, wie hart Trump die Hände seiner Handelspartner schütteln wird.

Abe hat womöglich erst einen Vorgeschmack bekommen. Denn Japan hat vor Deutschland den zweitgrößten Handelsbilanzüberschuss im Warenaustausch mit den USA und darf sich damit Trumps besonderer Aufmerksamkeit sicher sein.

Diese Position ist nicht beneidenswert. Schon im Wahlkampf hatte Trump seinen wichtigsten ostasiatischen Verbündeten als Währungsmanipulator angegriffen. Doch auch sein Amtsantritt machten ihn nicht stiller. Wiederholt gerieten nicht nur Japan, sondern mit Toyota einer der größten japanischen Investoren in den USA in seine Tweets.

So griff er Toyota für die Entscheidung an, eine Autofabrik in Mexiko zu bauen, und drohte hohe Strafzölle an. Denn unter seinem Slogan „Amerika zuerst“ will Trump möglichst viele Fabriken zurück in die USA holen. BMW kennt das Gefühl, wegen eines Verstoßes gegen Trumps Anti-Mexiko-Politik an den trumpschen Twitterpranger gestellt zu werden.

Bilaterales Armdrücken


Klar ist dabei nur eines: Trump setzt nicht auf multilaterale Abkommen, sondern will sich jedes Land einzeln vorknüpfen. So hatte er als eine seiner ersten Amtshandlungen den Rückzug der USA aus dem multilateralen transpazifischen Partnerschaftsabkommen TPP erklärt, in dem die USA mit elf Staaten im asiatisch-pazifischen Raum eine Freihandelszone ohne China bilden wollten.

Für Japan war dies ein Eckstein der Handels- und Sicherheitspolitik. Als Ersatz soll nun bilateral verhandelt werden. „Wir werden eine Handelsbeziehung anstreben, die frei, fair und gegenseitig ist und unseren beiden Ländern nutzt“, gab Trump die Stoßrichtung vor.

Um die US-Seite gnädiger zu stimmen, hat Abe nicht nur eine Liste mit bisherigen, sondern auch künftigen Investitionen japanischer Firmen mitgebracht. Das Engagement ist durchaus beeindruckend.

Toyota hat bereits Investitionen von zehn Milliarden US-Dollar in den kommenden fünf Jahren angekündigt. Weitere sieben Milliarden US-Dollar könnte Medienberichten zufolge der japanische Elektronikkonzern Sharp, eine Tochter des taiwanesischen Auftragsfabrikanten Foxconn, in eine amerikanische Displayproduktion stecken.

Abe wiederum soll Trump Investitionen in amerikanische Infrastrukturprogramme und andere Bereiche der US-Wirtschaft in Aussicht gestellt haben. In der Pressekonferenz nannte er ausdrücklich Superschnellzugstrecken in den USA, an denen Trump offenbar Gefallen gefunden hat.

Vor dem Besuch des japanischen Regierungschefs erklärte Trump im Gespräch mit Vertretern der US-Luftfahrtbranche, dass es in China und Japan ja überall Superschnellzugstrecken gebe, nur nicht in den USA. Daraufhin schossen in Japan die Aktienkurse des japanischen Zugherstellers Nippon Sharyo um 18 Prozent in die Höhe. Selbst die Kurse des chinesischen Zugherstellers CRRC reagierten positiv.

Die Wahl der Unterhändler zeigt dabei, dass es keine leichten Kompromisse geben wird. Nicht die Außenminister werden die Verhandlungen führen, sondern US-Vizepräsident Mike Pence und Japans stellvertretender Regierungschef, Finanzminister Taro Aso. Das Weiße Haus zieht damit die Kontrolle der Verhandlungen an sich.

Zudem ließ Trump durchscheinen, dass gute persönliche Beziehungen kein Freibrief für die Verhandlungen sind. „Wir haben einen sehr, sehr guten Draht, eine sehr, sehr gute Chemie“, sagte er auf der Pressekonferenz über seinen Gast. „Ich werde Ihnen sagen, wenn sich das ändert, aber ich denke nicht, dass dies passieren wird.“

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent

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