US-Justizministerium sammelt Beweise vor Ort
Prozess gegen Saddam wird im Irak eröffnet

„Wir haben ihn!“ Der US-Zivilverwalter im Irak, Paul Bremer, hätte nach der Festnahme Saddam Husseins am 13. Dezember auch fragen müssen: Was machen wir mit ihm? Lange war unklar, wie und wo der Ex-Diktator zur Verantwortung gezogen werden sollte. US-Präsident Bush plädierte spontan für die Todesstrafe, ausgesprochen von US-Richtern.

DÜSSELDORF. Rasch erkannte man in Washington jedoch, dass eine Verurteilung in den USA allzu sehr den Eindruck von Siegerjustiz wecken würde. So versicherte das Pentagon, das Saddam in seiner Funktion als Oberbefehlshaber der irakischen Streitkräfte gemäß den Genfer Konventionen zum Kriegsgefangenen erklärte, Anfang Januar, dass der Prozess im Irak stattfinden würde – unter irakischer Beteiligung.

Zuvor, nur einen Tag nach Saddams Festnahme, hatte der irakische Übergangsrat aber bereits ein Sondertribunal installiert. Heute scheint klar, dass Saddam tatsächlich vor einem irakischen Gericht angeklagt wird – unter, wie es heißt, maßgeblicher Mitwirkung der Amerikaner. So befindet sich bereits ein Ermittlerteam des US-Justizministeriums vor Ort, um umfangreiches Beweismaterial auszuwerten und die Anklageschrift zu formulieren. Wieviel Zeit dies beanspruchen wird, ist ungewiss.

Bush käme ein medienträchtiger Prozess vor den Präsidentschaftswahlen sicher nicht ungelegen. Aus der irakischen Übergangsregierung verlautete indessen selbstbewusst, man lasse sich den Zeitplan keinesfalls von den USA diktieren. Recht schnell waren von Washington Spekulationen abgeblockt worden, Saddam könnte vor ein Uno-Sondergericht gestellt werden. Immerhin hatte Uno-Chef Annan darauf hingewiesen, dass ein solches Tribunal nie und nimmer ein Todesurteil fällen würde.

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