US-Kabinett
Obamas Suche nach dem „Dream-Team“

Mit dem Angebot an Rahm Emanuel, Stabschef im Weißen Haus zu werden, hat Barack Obama einen ersten Hinweis auf den Zuschnitt seines zukünftigen Teams gegeben. Denn Emanuel bringt Eigenschaften mit, die so ganz nach dem Geschmack des neu gewählten Präsidenten sind: Effizienz, Erfolgsdenken, Netzwerken. Danach wird sich auch die Auswahl der anderen Schlüsselpositionen richten. Im Zentrum steht dabei die Besetzung der wirtschaftspolitischen Spitzenjobs.

WASHINGTON. Bereits während der Wahlkampagne wurde deutlich, dass Obama seine Mannschaft nicht aufgrund klingender Namen zusammensetzt, sondern dass Teamgeist und Gesamtprofil stimmen müssen. Der Senator aus Illinois forderte in den zurückliegenden Monaten seine Mitstreiter regelmäßig zum Widerspruch und offenen Diskurs auf. Allerdings griff Obama ein, wenn Endlosdebatten ohne Resultat drohten. Der 48-jährige Emanuel passt auch aus diesem Grund zum neu gewählten Präsidenten. Wenn dem jüdischen Kongressabgeordneten aus Chicago etwas nicht gefällt, dann macht er seinem Ärger Luft - und das durchaus auch lautstark.

Für Emanuel ist die Position des Stabschefs eine Rückkehr ins Weiße Haus. Zwischen 1993 und 1998 hatte er in Fragen der politischen Strategie bereits Bill Clinton beraten. Erfolgreich, als es um die Oslo-Vereinbarungen zwischen Israel und der PLO ging; weniger erfolgreich, als Bill und Hillary Clinton die Gesundheitsreform durchsetzen wollten. Als Fraktionschef der Demokraten im Repräsentantenhaus in den letzten zwei Jahren verfügt er über exzellente Kontakte in den Kongress - ein Faktor, der bei der Auswahl von Emanuel eine wichtige Rolle gespielt haben dürfte.

Noch relativ wenig in die Karten schauen lässt sich Obama indes bei der Besetzung der ökonomischen Top-Positionen. Klar ist, dass Finanzminister Henry Paulson mit dem Ende von George W. Bush am 20. Januar seinen Hut nimmt. Zwei Namen sorgen seither für Gesprächsstoff: Larry Summers und Timothy Geithner. Summers war bereits einmal Finanzminister in der Endphase der Clinton-Regierung, hatte später als Chef der Harvard-Universität allerdings wenig Glück. Dort agierte der 53-Jährige so streitbar, dass er nach einem Misstrauensvotum im Sommer 2006 de facto zum Rücktritt gezwungen wurde.

Vom Profil würde sich deshalb der Präsident der New Yorker Zentralbank, Tim Geithner, besser in das Obama-Team fügen. Fast auf den Tag genau gleich alt wie Obama und auch vom Typus her ähnlich, war er gemeinsam mit Paulson und Fed-Chef Ben Bernanke eine Schlüsselfigur bei der Bewältigung der Finanzkrise. Die Berufung von Geithner hätte den Vorteil, dass sie Kontinuität bei der Organisation des Rettungsplans signalisieren würde. Zudem verfügt auch der New Yorker über Erfahrung in der Exekutive: Er arbeitete viele Jahre im Finanzministerium und war dort kurzzeitig auch Unterstaatssekretär - unter Larry Summers.

Doch damit erschöpft sich die Liste der Kandidaten noch lange nicht: Der frühere Finanzminister Robert Rubin wird regelmäßig genannt; er hat aber wohl schon abgewinkt. Immer wieder taucht auch der Name von Ex-Fed-Chef Paul Volcker auf. Volckers Rat sucht Obama seit dem Beginn der Finanzkrise regelmäßig. Was Volcker, der 1979 zuerst von Jimmy Carter ernannt und später von Ronald Reagan als Notenbankchef bestätigt wurde, für den Job des Finanzministers jedoch nahezu ausschließt, ist dessen hohes Alter: Volcker ist 81. Im Spiel sind daneben auch der Banker Jamie Dimon von J.P. Morgan Chase und der Gouverneur von New Jersey, Jon Corzine.

Die personellen Weichenstellungen werden indes nicht von Obama alleine getroffen. Die Spitze seines Übergangsteams gibt dem gewählten Präsidenten die entscheidenden Hinweise. Das sind John Podesta, einst Stabschef unter Clinton, seine enge Vertraute aus Chicago, Valerie Jarrett, und Obamas früherer Stabschef im Senat, Pete Rouse. Dieses Trio trifft die personelle Vorauswahl - und stimmt die Vorschläge mit den inhaltlichen Anforderungen ab. Dafür existiert bereits ein 50 Kapitel starkes "Briefing Book".

Darin könnten sich vielleicht auch Indizien dafür finden, wer künftig das Pentagon führen soll. Obama, der am Donnerstag sein erstes umfassendes Geheimdienstbriefing erhielt, will mindestens einen Republikaner in eine der Top-Positionen bringen. Es ist bekannt, dass er größten Respekt empfindet für den amtierenden Verteidigungsminister Robert Gates. Der hat nach dem Abgang von Donald Rumsfeld Ende 2006 das Ministerium weitgehend lautlos aufgeräumt und fokussiert. Sollte Gates jedoch nicht zum Zug kommen, stünde Richard Danzig bereit. Der ehrgeizige Jurist berät Obama seit längerem in allen sicherheitspolitischen Fragen. Allerdings: Da in vielen früheren US-Regierungen ungute Konkurrenz zwischen Außenministerium, Pentagon und Sicherheitsberater für Missstimmung gesorgt hat, fällt auf diesem Feld keine Entscheidung isoliert.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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