US-Kongress sichtet neue Dokumente über Misshandlung von Irakis
Zweifel an Einzeltäter-Theorie wachsen

In den USA wachsen Zweifel an der offiziellen Darstellung, dass einfache Soldaten und Reservisten für die Misshandlung von irakischen Gefangenen im Irak allein verantwortlich waren.

HB WASHINGTON. Die US-Soldatin Lynndie England, die auf einem der veröffentlichten Fotos aus dem Gefängnis Abu Ghraib einen nackten Häftling an einer Leine hält, sagte, sie habe auf Anweisung ihrer Vorgesetzten gehandelt. Mittlerweile untersuchen die USA auch Foltervorwürfe gegen ihre Streitkräfte in Afghanistan. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wies erneut Anschuldigungen zurück, sein Ministerium habe die Vorfälle im Irak vertuscht.

Dem Kongress in Washington sollten gestern neue Dokumente über Misshandlungen vorgelegt werden. Eine Veröffentlichung will die US-Regierung aus Furcht vor weiter wachsender internationaler Empörung aber verhindern. Die mittlerweile inhaftierte US-Soldatin England sagte einem US-Fernsehsender, sie habe auf Anweisung ranghöherer Personen auf den Misshandlungsfotos posiert: „Von unserer Warte aus haben wir unsere Arbeit getan, was bedeutet, dass wir getan haben, was von uns verlangt wurde.“ Mehrere der bislang angeklagten Aufseher in Abu Ghraib haben angegeben, dass sie im Glauben handelten, die Anweisung von Mitarbeitern des Militärgeheimdienstes auszuführen, die Gefangenen vor Verhören gefügig zu machen.

US-Generalmajor Antonio Taguba, der wegen der Foltervorwürfe ermittelt, hatte jedoch am Dienstag vor einem Senatsausschuss bezweifelt, dass es eine entsprechende Anweisung gibt. Er machte für die Vorfälle vielmehr Führungsschwäche auf allen Ebenen der US-Armee und fehlende Kontrolle verantwortlich.

Etliche Senatoren äußerten Zweifel an Tagubas Darstellung. Einfache Soldaten hätten kaum wissen können, dass die auf den veröffentlichten Fotos gezeigten Szenen für muslimische Gefangene besonders erniedrigend seien, sagte Senatorin Susan Collins. Sie vermute daher, dass Mitarbeiter der Geheimdienste oder Vorgesetzte in den Skandal verwickelt seien.

Verteidigungsminister Rumsfeld, der sich mit Rücktrittsforderungen der Demokraten konfrontiert sieht, wies Vorwürfe zurück, den Skandal vertuschen zu wollen. Nicht die Medien, sondern das Militär hätten die Missbrauchsfälle aufgedeckt, sagte er. Die neuen Bilder, die dem Kongress vorgelegt werden sollten, will Rumsfeld dennoch nicht veröffentlicht sehen: Sie seien dazu geeignet, den Skandal noch niederschmetternder werden zu lassen, sagte er.

Seite 1:

Zweifel an Einzeltäter-Theorie wachsen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%