US-Kongressbericht
Saudische Spione sollen Flugzeugentführer unterstützt haben

Der bisher geheim gehaltene Teil des jüngsten US-Kongressberichts zu den Terroranschlägen des 11. September 2001 zeigt nach Informationen verschiedener US-Medien konkrete Verbindungen zwischen der saudischen Regierung und mindestens zwei der Flugzeugentführer auf. Zugleich berichtet der „Spiegel“, das Bundesamt für Verfassungsschutz überwache seit kurzem saudi-arabische Einrichtungen und diplomatische Dependancen in Deutschland.

HB/dpa WASHINGTON. Im Mittelpunkt stünden zwei Saudis, mit deren Hilfe Gelder an die Terroristen vom 11. September geflossen seien, berichteten unter anderem die „New York Times“ und die „Los Angeles Times“ am Samstag über den US-Kongressbericht. Sie beriefen sich dabei auf informierte Kreise mit Zugang zu dem geheimen Teil des Reports.

Danach waren die beiden Verbindungsmänner möglicherweise saudische Spione. Sie hätten im Rahmen eines „komplexen Netzes finanzieller Verbindungen“ mit Beamten der saudischen Regierung operiert. Die „Los Angeles Times“ zitierte einen US-Regierungsbeamten mit Kenntnis des Berichtsinhalts mit den Worten, die Vorwürfe im geheimen Teil seien „sehr spezifische“. Die aufgezeigten Verbindungen zwischen saudischen Beamten und den Terroristen könnten nicht als „isolierte“ Vorfälle oder Zufälle abgetan werden.

Die US-Regierung hatte 28 Seiten des Kongress-Untersuchungsberichts zum Thema Saudi-Arabien für die Öffentlichkeit gesperrt und saudische Forderungen nach einer Offenlegung zurückgewiesen. Zur Begründung hieß es, andernfalls könne die nationale Sicherheit gefährdet werden. Einige der Vorwürfe über angebliche Verbindungen Saudi-Arabiens zum Terrorismus waren dennoch durchgesickert, und Riad hatte sie empört zurückgewiesen.

Die in Mekka erscheinende regierungsnahe saudische Zeitung „An- Nadua“ forderte die US-Regierung am Sonntag auf, „eine deutlichere offizielle Position“ zu den Terrorismus-Vorwürfen zu vertreten. Nur dadurch könnten diejenigen, die das Königreich grundlos beschuldigten, zum Schweigen gebracht werden. „Der Versuch, Saudi-Arabien eine Rolle bei den Anschlägen zuzuschieben, scheiterte bereits ganz zu Beginn der Ermittlungen“, schrieb das Blatt weiter. Die derzeitige Anti-Saudi-Kampagne sei vor allem das Werk der jüdischen Lobby in den USA.

Auch in Deutschland ist Saudi-Arabien einem Bericht des „Spiegels“ zufolge im Fokus der Ermittler. Die Behörden gingen dem Verdacht nach, dass das Land „terroristische Strukturen des Netzwerks El Kaida unterstütze“, zitiert das Nachrichtenmagazin einen deutschen Sicherheitsbeamten. Saudi-Arabien zähle künftig wie Syrien zu den islamischen Ländern, die eine besondere Bedrohung darstellten. Das Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln wollte sich am Wochenende nicht zu dem Bericht äußern.

Bislang hatten die Saudis als Partner gegolten und wurde laut „Spiegel“ nicht beobachtet. Grund für die Kehrtwende sei der Fall eines inzwischen aus Deutschland zurückgezogenen Attachés der saudi- arabischen Botschaft in Berlin. Dieser habe enge Kontakte zu mehreren mutmaßlichen Terroristen unterhalten, hieß es.

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