US-Konjunktur: „Die USA husten, Mexiko fiebert“

US-Konjunktur
„Die USA husten, Mexiko fiebert“

Den Vereinigten Staaten droht eine dicke Grippe in Form einer Rezession. Mexiko und Kanada fürchten sich davor, von dem kränkelnden Nachbarn angesteckt zu werden. Immerhin nahmen die USA von Januar bis August 2007 80 Prozent der kanadischen und 77 Prozent der mexikanischen Exporte ab.

OTTAWA/MEXIKO-STADT. Seinen Abgang hatte sich Kanadas Notenbankchef David Dodge sicher entspannter vorgestellt. Bevor er Ende des Monats aus dem Amt scheidet, verabschiedete er sich mit der Senkung des Leitzinses und gab für seinen Nachfolger Mark Carney gleich die Richtung vor: Weitere Zinsschritte seien wohl notwendig, um die durch den US-Abschwung bedrohte Konjunktur in Fahrt zu halten.

Auch in Mexiko schrillen die Alarmglocken: "Wenn die USA husten, bekommt Mexiko eine Grippe", warnen Analysten immer wieder. Nun droht den USA selbst eine dicke Grippe, was in Mexiko zu einer schweren Lungenentzündung führen könnte.

Seit 1994 sind die USA, Kanada und Mexiko in der Freihandelszone Nafta vereint. Von Januar bis August 2007 nahmen die USA rund 77 Prozent der mexikanischen und 80 Prozent der kanadischen Exporte ab. Im Gegenzug importierten Mexiko und Kanada mehr als die Hälfte ihrer Waren aus den Vereinigten Staaten. Entsprechend groß ist die Furcht, sich beim kränkelnden großen Nachbarn anzustecken. "Bis zu 21 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hängen an den Exporten in die USA", erklärt Rodolfo Navarrete vom mexikanischen Investmenthaus Véctor.

Einen Tag nach dem Crash an den internationalen Börsen sah deshalb auch Mexikos Präsident Felipe Calderón den Moment zum Eingreifen gekommen. "Trotz der schwierigen Lage der US-Wirtschaft werden wir auf Wachstumskurs bleiben", versprach er am Dienstag - und kündigte gleichzeitig ein umfangreiches Investitionsprogramm an, das die Volkswirtschaft des Schwellenlandes auf Touren bringen soll. 50 Mrd. Dollar pro Jahr will der konservative Staatschef in die Infrastruktur, den Wohnungsbau und den Tourismus investieren. Außerdem soll das Paket Mexikos Exporteuren helfen, sich neue Absatzmärkte zu erschließen - vor allem in Asien und Europa.

Zuvor hatte Calderón harsche Kritik einstecken müssen: "Absolut nichts" habe die Regierung getan, um die Auswirkungen der drohenden US-Rezession, die sich schon länger abzeichne, zu mildern, sagt etwa Ökonom Navarrete. Es fehle eine langfristige Politik, zumal Mexiko - anders als Kanada - keinen funktionierenden Inlandsmarkt habe, der die Verluste im Exportgeschäft auffangen könnte.

"Uns retten bisher vor allem die hohen Öleinnahmen", betont Navarrete. Mit einer Fördermenge von 3,2 Mill. Fass pro Tag ist Mexiko der fünftgrößte Erdölproduzent und der sechstgrößte Ölexporteur der Welt. Knapp 40 Prozent des Staatshaushalts finanzieren sich aus dem Ölverkauf.

Der US-Chefökonom bei der spanischen Bank BBVA, Nathaniel Karp, sieht Mexiko aber besser gewappnet für eine Rezession als noch 2001: "Die Inflation ist niedriger, die Handelsbilanz verbessert und die Wirtschaft ist stärker diversifiziert."

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