US-Kopfgeldjäger vor Gericht in Kabul
Pentagon wusste von Folterungen in Afghanistan

Nach dem Folterskandal im Irak kommen jetzt auch neue Einzelheiten über das Fehlverhalten mutmaßlicher US-Kopfgeldjäger in Afghanistan ans Licht. Der Gruppe wird vorgeworfen, die "Anti-Terror-Operation" in Selbstjustiz durchgeführt zu haben, ihr Anführer spricht von Billigung durch die US-Regierung.

HB KABUL. Drei mutmaßliche amerikanische Kopfgeldjäger, die afghanische Zivilisten gefangen genommen und gefoltert haben sollen, handelten nach eigenen Angaben mit Unterstützung der US-Regierung. „Wir haben fünf Mal am Tag Anrufe vom Pentagon erhalten, sie wussten, was wir hier tun“, sagte Jonathan K. Idema, der Anführer der Gruppe, am Mittwoch am Rande einer ersten Anhörung vor einem Gericht in Kabul. Die „Anti-Terror-Operation“ sei in Zusammenarbeit mit der US- Regierung geschehen.

Afghanische Sicherheitskräfte hatten am 5. Juli elf Zivilisten aus einem Privat-Gefängnis der Gruppe befreit und die drei Amerikaner sowie vier Afghanen festgenommen. Die US-Streitkräfte hatten am Tag zuvor mitgeteilt, Idema sei weder Vertreter der US-Regierung noch der Streitkräfte, ohne allerdings Details zu nennen. Die Internationale Schutztruppe ISAF hatte Idemas Gruppe mindestens einmal unterstützt. Ein ISAF-Sprecher betonte, man habe die Männer wegen ihres professionellen Auftretens für US-Soldaten gehalten.

Mindestens drei von der Gruppe gefangen genommene Zivilisten werfen den Amerikanern Folter vor und fordern Entschädigung. Sie seien unter anderem geschlagen und am Schlafen gehindert worden, hieß es. Richter Abdul Baset Bakhtyari sagte der dpa, die drei Amerikaner hätten in Selbstjustiz eine Anti-Terror-Operation in Kabul begonnen. Sie seien zudem illegal nach Afghanistan eingereist. Sollten sie schuldig gesprochen werden, drohe ihnen nach afghanischem Strafrecht bis zu 25 Jahre Haft, sagte der Richter.

Bakhtyari sagte, einer der von der Gruppe gefangen genommenen Zivilisten sei Richter am Verfassungsgericht. Unter den anderen seien ein Taxifahrer und ein Ladenbesitzer. Der Prozess gegen Idema und die Mitangeklagten wurde um mindestens zwei Wochen vertagt. Die von den USA auf die Ergreifung von Terroristen ausgesetzten Belohnungen - allein für Osama bin Laden 50 Millionen US-Dollar - sollen zahlreiche Kopfgeldjäger nach Afghanistan gelockt haben.

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