US-Kritik an der Regierung
Serbien geht gegen gewaltsame Demonstranten vor

Nach den Angriffen auf zahlreiche Botschaften in Belgrad im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Unabhängigkeit des Kosovo hat die serbische Regierung mittlerweile mehr als 200 Verdächtige festgenommen. Die USA kritisieren das Vorgehen der Regierung dennoch massiv.

HB BELGRAD. Nach den gewaltsamen Angriffen auf die Botschaften der USA, Deutschlands und anderer Staaten in Belgrad hat die serbische Polizei inzwischen fast 200 Verdächtige festgenommen. „Wir sammeln die Beweise und identifizieren die Schuldigen“, sagte der oberste serbische Staatsanwalt, Slobodan Radovanovic, am Samstag. Die Ausschreitungen am Donnerstagabend im Zusammenhang mit Protesten gegen die Unabhängigkeitserklärung des Kosovos waren die schlimmsten in Belgrad seit der Vertreibung des früheren serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic vor acht Jahren.

Die Behörden haben am Samstag auch die verkohlte Leiche identifiziert, die in der US-Botschaft gefunden wurde. Demnach handelt es sich um einen 21-jährigen Serben aus Novi Sad. Serbische Medien berichteten, der Mann stamme ursprünglich aus dem Kosovo, sei dann aber nach dem Krieg von 1998/99 ins serbische Kerngebiet geflohen.

Rund 2 000 Serben demonstrierten am Samstag in der Stadt Kosovska Mitrovica gegen die Unabhängigkeitserklärung des Kosovos. UN-Polizisten riegelten die Brücke ab, die die serbische und die albanische Hälfte der ethnisch geteilten Stadt verbindet. Einige Demonstranten warfen Feuerwerkskörper. Es war der sechste Protesttag in Folge.

Die USA haben unterdessen den größten Teil ihrer Diplomaten aus Serbien zurückberufen. Der Botschafter bleibt jedoch zusammen mit einigen anderen hochrangigen Diplomaten weiter in Belgrad. Außenministerin Condoleezza Rice bekräftigte die Kritik am Verhalten der serbischen Behörden. „Sie hatten die Verpflichtung, die diplomatischen Missionen zu schützen“, sagte Rice. „Nach unseren Erkenntnissen war die Polizeipräsenz entweder unzureichend oder nicht entschlossen genug.“ Washington habe der serbischen Regierung sehr deutlich gemacht, dass man keine weiteren Vorfälle dieser Art erwarte.

EU-Chefdiplomat Javier Solana sieht Deutschland in einer Schlüsselposition bei der Stabilisierung der Lage auf dem Balkan. „Deutschland spielt eine Schlüsselrolle in der Gestaltung der Maßnahmen der EU für die Region“, sagte Solana der „Bild am Sonntag“. Deutschlands Beitrag zur Kosovo-Stabilisierung sei sehr wichtig, solange das Kosovo noch nicht alleine für seine Sicherheit sorgen könne. Darüber hinaus leiste Deutschland aber auch einen unverzichtbaren Beitrag zum zivilen Aufbau. „Auch hier zählen wir auf die fortgesetzte Hilfe deutscher Polizisten und Juristen.“ Ebenso wichtig sei das starke Engagement deutscher Firmen auf dem westlichen Balkan, sagte Solana. „Ohne wirtschaftliches Wachstum kann es keine dauerhafte Stabilität in der Region geben.“

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