US-Militär meldet Nervengas-Explosion
Neue Debatte über ABC-Waffen im Irak

Die Explosion einer mit Giftgas gefüllten Granate in Bagdad hat die Debatte über die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak neu entfacht. Ein Sprecher des US-Außenministeriums erklärte am Montagabend, das Urteil darüber, ob es in Irak große Vorräte an ABC-Waffen gebe, stehe noch aus. Zuvor hatte ein US-Militärsprecher in Irak mitgeteilt, dass vor einigen Tagen bei der Explosion eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes eine kleine Menge des Nervengifts Sarin freigesetzt worden sei.

cr/mth/law SCHUNEH/LONDON. Nach Ansicht des ehemaligen US-Waffeninspekteurs David Kay und des früheren Uno-Chefinspekteurs Hans Blix ist der Zwischenfall noch kein Beweis für die Existenz großer Vorräte an chemischen Waffen in Irak. Bei der Granate könne es sich um ein Überbleibsel alter Bestände handeln, die jedoch weitgehend vernichtet worden seien.

Zwei Sprengstoffexperten seien nach der Explosion wegen des Kontakts mit dem Gas behandelt worden, sagte US-Militärsprecher Mark Kimmitt. Die freigesetzte Menge bezeichnete er allerdings als „sehr klein“. Wahrscheinlich hätten die Aufständischen, die den Sprengsatz gelegt hätten, nichts von den enthaltenen Chemikalien gewusst, erklärte Kimmitt weiter.

Doch nicht nur die Diskussion über den Einsatz des Nervengases Sarin destabilisiert die Lage im Irak. Sechs Wochen vor der geplanten Machtübergabe töteten gestern Selbstmordattentäter den amtierenden Chef des irakischen Regierungsrates, Issedin Salim. Das Attentat verstärkt Befürchtungen, dass die Instabilität des Iraks eine funktionierende Selbstverwaltung nach der für den 30. Juni geplanten Machtübergabe unmöglich macht. Die USA und Großbritannien sind kurzfristig bereit, ihre Truppen im Irak weiter aufzustocken, korrigieren ihre mittelfristige Strategie für das Land aber offenbar erneut.

Das Attentat ereignete sich an der Zufahrt zum Gelände der US-geführten Besatzungstruppen, der so genannten Grünen Zone. Regierungschef Salim saß im letzten Wagen eines Konvois, der darauf wartete, auf das Gelände vorgelassen zu werden. Der Wagen des Täters explodierte am Kontrollpunkt der Amerikaner. Neben Salim starben fünf weitere Menschen. Das schwer gesicherte Gelände gehörte früher zum Palast des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein und dient nun der Besatzung als Hauptquartier.

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