US-Militär prüft möglichen Fall von Kriegsverbrechen
Unbewaffneter Iraker von US-Soldat erschossen

Ein amerikanischer Soldat soll Berichten der Sender NBC und CNN zufolge einen wehrlosen, verletzten irakischen Aufständischen in einer Moschee in Falludscha erschossen haben. Die Vereinten Nationen (UN) haben daher Untersuchungen gefordert.

HB GENF/WASHINGTON. „Während der aktuellen Auseinandersetzungen hat es eine Reihe von Berichten über Verstöße gegen das Kriegsrecht gegeben“, sagte UN-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour am Dienstag. Die Diskussion über Kriegsverbrechen in Falludscha war am Vortag durch einen Bericht des Fernsehsenders NBC angefacht worden, wonach ein US-Marineinfanterist einen verwundeten und wehrlosen Iraker mit einem Kopfschuss getötet haben soll.

Arbour forderte die Untersuchung aller Verstöße gegen international gültige Menschenrechte, darunter „absichtliche Angriffe auf Zivilisten, wahllose und unverhältnismäßige Angriffe, die Tötung Verletzter und der Gebrauch menschlicher Schutzschilde“. Das US-Militär hat nach dem Fernsehbericht bereits eine erste Untersuchung wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen eingeleitet. „Als die Führung des Marinekorps von dem Video erfahren hat, hat sie die Einheit des Soldaten sofort vom Fronteinsatz abgezogen und eine Untersuchung eingeleitet“, sagte ein Armeesprecher. Die Untersuchung dauere an, Anklage sei noch nicht erhoben worden, sagte er weiter.

Dem NBC-Bericht zufolge war der erschossene Iraker einer von fünf Verletzten, die US-Soldaten in einer in der Nacht zu Samstag erstürmten Moschee zurückgelassen hatten. NBC-Korrespondent Kevin Sites berichtete, Rebellen hätten die Moschee als Hinterhalt für Angriffe auf US-Soldaten genutzt. Nach der Erstürmung der Moschee seien die verletzten Iraker in einen Hinterraum gebracht worden, wo sie medizinisch versorgt und von anderen Soldaten abgeholt werden sollten. Warum dies nicht geschehen sei, sei unklar. Später habe es Berichte gegeben, die Rebellen hätten die Moschee zurückerobert. Daraufhin sei eine weitere Gruppe Marineinfanteristen am Samstag in die Moschee eingerückt.

Fernsehaufnahmen zeigen die fünf Personen, von denen einige schon dem Tode nahe schienen. Ein US-Soldat habe bemerkt, dass ein gefangener Iraker noch atme, sagte Sites. Auf dem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Videoband ist ein US-Soldat mit den Worten zu hören: „Verdammt noch mal, er stellt sich tot. Er versucht verdammt noch mal so zu tun, als ob er tot ist.“ Der Soldat hat daraufhin sein Gewehr auf den Mann gerichtet und auf ihn geschossen. Der Iraker war anscheinend nicht bewaffnet.

NBC strahlte den Beitrag in den USA am Montagabend aus. Dabei machte des Sender das Gesicht des Soldaten unkenntlich, der Schuss war lediglich zu hören, aber nicht zu sehen. NBC stellte jedoch den Medien das ganze Band zur Verfügung. Die US-Armee im Irak war bereits im Frühjahr in die Kritik geraten. Damals hatten Misshandlungen irakischer Gefangener durch Soldaten im Bagdader Abu-Ghraib-Gefängnis weltweit Empörung ausgelöst.

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