US-Notenbankchef: Bernanke unzufrieden mit dem Aufschwung

US-Notenbankchef
Bernanke unzufrieden mit dem Aufschwung

Die Fed wird, wenn nötig, weiter Geld in die amerikanische Wirtschaft pumpen. Denn: Mit der Konjunkturerholung ist Fed-Chef Ben Bernanke unzufrieden. Die größten Sorgen bereitet dem Notenbanker die hohe Arbeitslosigkeit.
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HB WASHINGTON. US-Notenbankchef Ben Bernanke ist angesichts der hartnäckig hohen Arbeitslosigkeit unzufrieden mit dem Verlauf der Konjunkturerholung. Zwar funktionierten die Finanzmärkte inzwischen wieder größtenteils normal, sagte er am Freitag laut Redemanuskript an der Universität Princeton, wo er von 1985 bis 2002 selber lehrte. Die gemeinsamen Stützungsmaßnahmen von Staat und Notenbank hätten allerdings „soweit noch keine Erholung hervorgebracht, die schlagkräftig genug wäre, das hohe Niveau der Arbeitslosigkeit bedeutend zu reduzieren“, beklagte der Fed-Chef.

Erst am Dienstag hatte die Notenbank wegen des schwächlichen Aufschwungs in der größten Volkswirtschaft die Tür zu neuen Hilfsmaßnahmen aufgestoßen. Die Federal Reserve stehe falls nötig für eine zusätzliche Stützung bereit, um die Erholung zu fördern, hieß es. Ökonomen rechnen damit, das die Fed möglicherweise Anfang November mit dem massiven Kauf von Staatsanleihen beginnt, um Langfrist-Zinsen zu drücken. Mit einer Erhöhung des Leitzinses, der seit Dezember 2008 knapp über null Prozent steht, rechnen Fachleute erst gegen Ende nächsten Jahres, eventuell erst 2012.

Die Fed hatte am Dienstag ihre Einschätzung wiederholt, wonach das Tempo der Konjunkturerholung „auf kurze Sicht wahrscheinlich moderat“ ausfällt. Die Arbeitslosenquote betrug im August 9,6 Prozent. Im zweiten Quartal war die größte Volkswirtschaft der Welt aufs Jahr gerechnet lediglich um 1,6 Prozent gewachsen. Experten erwarten, dass die USA noch Jahre von hoher Arbeitslosigkeit geplagt werden.

Bernanke äußerte sich in seiner Rede aber zuversichtlich, dass inzwischen verabschiedete Reformen das Risiko einer ähnlichen Finanz- und Wirtschaftskrise verringert hätten. „Zahlreiche Schritte - vom Gesetzgeber vorgeschriebene und solche, die die Aufsichtsbehörden davon unabhängig unternahmen - werden unser Finanzsystem widerstandfähiger gegen Schocks machen“, sagte der Zentralbankchef.

Im Juli war in den USA als Folge der Krise die umfassendste Finanzreform seit der Großen Depression vor 80 Jahren verabschiedet worden. Zudem sollen unlängst verschärfte Eigenkapitalregeln für Banken („Basel III“) erreichen, dass Geldhäuser in künftigen Turbulenzen ohne staatliche Milliardenspritzen überleben können.

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  • Es ist noch viel gefährlicher, wie obige Kommentatoren die Erfahrungen der Geschichte einfach in den Wind zu schlagen. Die Merkelsche Sparpolitik wiederholt nur die Fehler ihres Amtsvorgängers Reichskanzler brüning, der laut brockhaus im Jahr 1930 durch seine Sparpolitik eine "katastrophale Verschlimmerung der Wirtschaftskrise" verursachte.

  • Es geht nicht um Deflation. Es gibt keinen Goldstandard oder ähnliches, die Notenbanken können Geld drucken wie es ihnen passt und genau das machen Sie.

    Was hier deflationäre Effekte erzeugt ist einfach nur die massive, grenzenlose Konzentration des Geldes u.a. aus QE 1.) in der Finanzindustrie, die natürlich darauf sitzenbleibt weil in ihren polierten bilanzen noch der toxische Müll aus 2008 steckt und Sie genau wissen das es in den anderen banken genauso ist und 2.) in den Händen weniger Oligarchen.
    Solange dieser Mechanismus nicht bereinigt wird, kann gar nichts besser werden.

    im Übrigen, wer inflation als erstrebenswert darstellt, ist für mich einfach nur kriminell.

  • Gilt immer noch: there is no free lunch. bernanke`s Furcht vor Deflation ist berechtigt. FED und Gov. machen die gleichen Fehler wie die Japaner vor dem daraus folgenden "verlorenen Jahrzehnt". Die bislang vergeblichen bemühungen um inflation wird die FED auch durch QE2 oder besser bereits: QE2,5 nicht effektiver machen können, solange das Geld nicht in den Kreislauf gerät. Dazu bräuchte es Wachstum, Arbeit und dem folgend auch inländischen Konsum. Genau davon ist nichts in Sicht. Durch die ewigen Vermeidungsversuche eines mehrmonatigen aber "produktiven Tals der Tränen" verstetigt FED und Government eben dieses zu einem u.U. jahrzehntelangen verlorener Zeit.

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