US-Politik
Die Republikaner suchen ihre Glaubwürdigkeit

Amerikas Republikaner haben alles verloren, und sie leisten sich einen Skandal nach dem anderen. Wollen sie irgendwann Barack Obama schlagen, müssen sie ihre Glaubwürdigkeit an der Basis wieder aufbauen. Das ist mühsam – ein Besuch in Minnesota.

ST. PAUL. Schnurgerade Straßen zerschneiden das Land. Links und rechts, in gebührendem Abstand voneinander, kauern Farmen mit roten Scheunen und grauen Getreidesilos. An den Briefkästen zappelt das Sternenbanner im Wind. Hier und dort warnt ein Plakat im Vorgarten vor Abtreibungen. Immer wieder führt die 45-Meilen-Fahrt von St. Paul nach New Prague an einem der 10000 Seen vorbei, die es in Minnesota geben soll. Das Wappentier des Bundesstaates ist der Dreizehnstreifen-Ziesel, eine Art Erdmännchen. Sie nennen ihn hier „Gopher“.

Putzig, ländlich, der Scholle verbunden: Hier könnte, hier müsste eigentlich das konservative Herz Amerikas schlagen.

Doch dieses Herz hatte einen Infarkt. Er ging von Washington aus und erfasste vor einem halben Jahr das ganze Land. Nun versucht Laura Brod in New Prague, das konservative Herz wiederzubeleben.

Zierlich ist die Kongressabgeordnete aus der Hauptstadt St. Paul, schmale Schultern, kaum größer als 1,60 Meter. Aber die 37-Jährige hat einen festen Händedruck, und ihre kugelrunden Augen sprühen vor Energie. Brod betritt den kleinen Sitzungssaal in der Handelskammer in New Prague, 101 East Main Street. An der Wand hängen ein paar historische Stiche aus der Stadtgeschichte, in der Ecke steht eine Mikrowelle auf einem Kühlschrank. Zweckmäßigkeit regiert.

Sofort steht Brod im Mittelpunkt. Der Polizeichef, die Direktorin der Handelskammer begrüßen sie, alle nehmen Platz. Das Thema heute: Das Ordnungsamt will 2010 beim Stadtfest aus Sicherheitsgründen die Hauptstraße sperren. Das aber würde New Prague, 4500 Einwohner, einst gegründet von tschechischen Einwanderern, viel Geld kosten, fürchten die Ladenbesitzer.

Ein klarer Fall für Laura Brod. Die Abgeordnete von der Republikanischen Partei gelobt, das Unheil zu verhindern. „Wenn alles nichts nützt, dann bringe ich den Gouverneur persönlich hierher, damit er sich anschaut, welche Konsequenzen die Sperrung hätte“, sagt sie. Die Runde nickt.

Man traut Brod zu, Wort zu halten, weil man ihr vertraut. Dreimal ist sie schon wiedergewählt worden von den Bürgern ihres Wahlkreises mit der Nummer 25A.

Später, beim Kaffee in „Lau's Czech Bakery“, wird Brod sagen, was sie für das Geheimnis politischen Erfolges hält: „Worauf es am Ende ankommt, ist Persönlichkeit.“ Und nicht Ideologie. Ihre Republikaner hätten das lange vergessen: „Wir haben keinen guten Namen mehr“, räumt die Abgeordnete ein, „wir müssen überall aufholen.“

Kann man wohl sagen. Verloren haben Amerikas Konservative in den vergangenen zweieinhalb Jahren landauf, landab fast alles, was zu verlieren war: Kongressmandate, Senatssitze, Gouverneursposten, Bürgermeistersessel – und natürlich im November 2008 das Weiße Haus. Gegen Barack Obama, die Lichtgestalt von den Demokraten. Hier in Minnesota kassierten sie am Dienstag ihre jüngste Niederlage: Das Verfassungsgericht des Staates lehnte es ab, einige Stimmen der Kongresswahl vom November 2008 erneut auszuzählen. Das bedeutet, dass der Demokrat Al Franken die Wahl mit 312 Stimmen Vorsprung gewonnen hat und in den US-Senat in Washington einziehen darf und somit der Republikaner Norm Coleman leer ausgeht. Und nicht nur das: Mit Franken haben die Demokraten im Senat so etwas wie die absolute Mehrheit (siehe: Macht und Ohnmacht) – noch eine Demütigung für Amerikas Konservative.

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