US-Präsident drängt zur Eile
Obama lobt die Euro-Retter

Immer wieder hatte die US-Regierung die Europäer dazu gedrängt, mehr gegen die Schuldenkrise zu tun. Nun sieht sich das Weiße Haus bestätigt - und drängt zur Eile. Auch Pimco-Chef El-Erian fordert weitere Schritte.
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WashingtonDie Einigung der Euroländer auf einen Plan zur Lösung der Schuldenkrise hat auch in den USA Erleichterung ausgelöst. US-Präsident Barack Obama bezeichnete die Ergebnisse des Euro-Gipfels als wichtige Grundlage zur Überwindung der Schuldenkrise in der Eurozone. Sie seien ein „entscheidendes Fundament“ für eine umfassende Lösung, erklärte Obama am Donnerstag in einer Stellungnahme. Die beschlossenen Schritte legten eine „wichtige Grundlage“ für eine umfassende Lösung der europäischen Finanzkrise, sagte er weiter. „Wir freuen uns auf die rasche Ausgestaltung und die baldige Umsetzung der Pläne.“

Zugleich sicherte Obama den europäischen Staaten weitere Unterstützung bei der Bekämpfung der Finanzkrise zu. „Wenn Europa schwach ist, wenn Europa als unser größter Handelspartner nicht wächst, hat das einen Einfluss auf unsere Geschäfte und unsere Fähigkeit, hier in den Vereinigten Staaten Arbeitsplätze zu schaffen“, sagte Obama.

Obama mahnte aber auch eine vollständige Umsetzung des beschlossenen Pakets an. „Wir begrüßen die Entscheidung“, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney am Donnerstagmittag Ortszeit auf Nachfrage bei der täglichen Pressekonferenz. Die Ankündigungen der Europäer entsprächen in etwa den Vorstellungen der US-Regierung. „Es ist eine Lösung, zu der wir immer wieder gedrängt hatten“, sagte Carney.

Obama hatte in den vergangenen Monaten die Regierungen der Euroländer wiederholt zum Handeln aufgefordert. Finanzminister Timothy Geithner war sogar zum Treffen der EU-Finanzminister in Polen gereist, um die Europäer zu einem weit größeren Rettungspaket zu drängen. In Europa waren die USA, die selbst mit einer Schuldenkrise kämpfen, damit auf wenig Verständnis gestoßen.

Nun werde die US-Regierung „weiter eng mit unseren Partnern in Europa zusammenarbeiten“, sagte Obamas Sprecher weiter. Europa sei ein „wirtschaftlich sehr bedeutender Teil der Welt“. Deshalb habe der in der Nacht zum Donnerstag beschlossene Plan auch große Auswirkungen auf die US-Wirtschaft. „Es ist eine sehr wichtige Entscheidung“, sagte Carney.

Die Staats- und Regierungschefs der Eurozone hatten nach einer zehnstündigen Sitzung in der Nacht zum Donnerstag unter anderem auf einen Schuldenschnitt für Griechenland und eine weitaus stärkere Einbeziehung der Banken daran geeinigt, als zuvor geplant. Außerdem war beschlossen worden, die Wirksamkeit des Rettungsschirms EFSF über sogenannte Hebel deutlich zu verstärken.

Erleichtert zeigte sich auch Larry Meyer, ehemaliger Gouverneur der US-Notenbank Fed. Die Entscheidung der Europäer sei „vielversprechend“, sagte Meyer im TV-Sender CNBC. Sie sei „auf jeden Fall besser als ich erwartet hatte und besser als der Markt erwartet hatte“. Allerdings bezweifelt  Meyer, dass die Banken die geforderten Milliarden an Kapital aufbringen können.

Auch der Chef des weltgrößten Anleihehändlers Pimco, Mohamed El-Erian, äußerte sich am Donnerstag vorsichtig optimistisch. Das Risiko, dass der Euro kollabiert, sei nun kleiner geworden, aber noch nicht verschwunden, sagte El-Erian bei einem Vortrag in Paris. „Es ist ein sehr wichtiger Schritt, aber muss weitere geben“.

Es stünden noch immer „zwei Elefanten im Raum“: Das Wachstum müsse beschleunigt werden und die Haushalte der Eurostaaten gehörten weiter konsolidiert. „Wenn die Eurozone nicht robust wächst, wird es schwierig, die Schuldenkrise wirklich zu überwinden und das Problem der instabilen Banken zu lösen“, sagte El-Erian. Europa müsse dafür sorgen, attraktiver für Kapitalgeber zu werden.

In diese Richtung zielt auch die Kritik des als „Dr. Doom” bekannten Ökonomen Nouriel Roubini. Der Plan der Eurozone sage „wenig darüber, wie Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit wiederhergestellt werden soll“, schrieb der Nobelpreisträger über Twitter. Die Entscheidungen von Donnerstagnacht gingen noch nicht weit genug.

Mit Material von Reuters

Nils Rüdel
Nils Rüdel
Handelsblatt / Deskchef Politik

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  • Roubini Nobelpreisträger? Da weiss das Handelsblatt mehr als das Nobelkomitee!!

  • Lieber Anonymer Benutzer: Freddy
    .
    Studiert sein, oder Akademiker zu sein,
    geht nicht automatisch mit Intelligenz einher!
    Bildung und Intelligenz
    gehen bei Menschen nicht sehr oft einher!
    Kann man im Leben,
    und ganz besonders in der Politik täglich erleben!
    .
    Intelligenz & Politik,
    da prallen Welten aufeinander!

  • Obama - Geld drucken wie er kann ja wohl jeder. Aber zu mehr reicht es dann nicht mehr. Alleine die Entwicklung des USD ist Abstimmung genug, ueber seine Unfaehigkeit.

    Aber jetzt hat er natuerlich vorerst mal ein Problem, weil er nicht mehr mit Europa von seinen eigenen Problemen ablenken kann. Auch kann er sich nichts an die Fahne schreiben, weil die Amis bei der Diskussion ja ausgeschlossen wurden. Bloed gelaufen fuer ihn...

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