US-Präsident in Russland
Obama erwarten in Moskau schwierige Gespräche

An heiklen Themen wird es US-Präsident Barack Obama nicht mangeln, wenn er am Montag erstmals nach Moskau reist. Auf der Agenda stehen unter anderem Gespräche zu den Krisenherden in Nordkorea, Iran und Afghanistan. Von russischer Seite dürfte die Kritik an den US-Plänen für eine Raketenabwehr erneut auf den Tisch kommen.

HB MOSKAU/WASHINGTON. US-Präsident Barack Obama will an diesem Montag bei seinem Antrittsbesuch in Moskau ein neues Kapitel in den zuletzt belasteten Beziehungen seines Landes zu Russland aufschlagen. Mit Blick auf die Krisenherde Nordkorea, Iran und Afghanistan forderte Obama Russland zur Zusammenarbeit in beiderseitigem Interesse auf. „Kein Land kann die großen Herausforderungen, vor denen wir stehen, allein lösen“, appellierte er in einem am Samstag von der Agentur Itar-Tass veröffentlichten Gespräch. Der außenpolitische Kreml-Sprecher Sergej Prichodko kündigte an, dass Russland künftig seinen Luftraum für Waffen- und Nachschubtransporte der USA nach Afghanistan öffnet. Hingegen bekräftigte Präsident Dmitri Medwedew seinen Widerstand gegen US-Pläne für eine Raketenabwehr.

Nach Medwedew will Obama am Dienstag auch den früheren Kremlchef und jetzigen Ministerpräsidenten Wladimir Putin sowie Ex- Sowjetpräsident Michail Gorbatschow und Oppositionelle treffen. Am Mittwoch fliegt der US-Präsident weiter zum G8-Gipfel nach Italien. Bei den Gesprächen in Moskau wollen sich Obama und Medwedew unter anderem auf ein Nachfolgeabkommen für den am 5. Dezember 2009 auslaufenden START-Vertrag über den Abbau strategischer Waffen verständigen. Dazu sagte Medwedew, solange Washington an der in Polen und Tschechien vorgesehenen Raketenabwehr festhalte, würden die russischen Streitkräfte ihre atomare Schlagkraft aufrechterhalten.

„Für uns hängen beide Dinge zusammen“, sagte der russische Präsident in einem Interview für italienische Medien, dessen Inhalt der Kreml am Sonntag veröffentlichte. Laut Washington ist die geplante Raketenabwehr gegen Angriffe aus dem Iran gerichtet. Russland sieht das Projekt hingegen als Bedrohung seiner Sicherheit. Über das umstrittene Atomprogramm des Iran sagte Medwedew, zwar lehne Moskau den möglichen Besitz von Atomwaffen durch Teheran ab. Russland wolle aber gute Beziehungen zum Iran. Sowieso bereite Pjöngjang Moskau mehr Sorgen als Teheran. „Der Iran unterhält Beziehungen zur Völkergemeinschaft, während Nordkorea jeden Kontakt abgebrochen hat.“

Bei den Verhandlungen im Kreml soll nach russischen Angaben auch eine Vereinbarung über US-Transporte nach Afghanistan bekanntgegeben werden. „Es geht um den Land-, aber im großen Ausmaß auch um den Lufttransport aller Fracht“, sagte Prichodko. Ausgenommen seien aber weiter US-Truppentransporte über russisches Territorium. Die US- Armee darf seit März das Schienennetz für Versorgungslieferungen nutzen. Die Zeitung „New York Times“ berichtete dagegen, dass neben Waffen auch Soldaten transportiert werden dürften. Die Einigung sei nach Jahren eines gespannten Verhältnisses einer der konkretesten Erfolge in den Bemühungen der US-Regierung zur Verbesserung der Beziehungen zu Moskau, schrieb die Zeitung. Unter Obamas Vorgänger George W. Bush waren die Beziehungen nicht zuletzt wegen des Kaukasus-Krieges vor einem Jahr stark abgekühlt.

Laut einer aktuellen Umfrage ist die russische Bevölkerung in der Frage der Beziehungen ihres Landes zu den USA gespalten. Während 49 Prozent der Befragten das bilaterale Verhältnis als „freundlich“ bewertet, hätten 46 Prozent mit „angespannt“ geantwortet, teilte das Lewada-Institut in Moskau mit. Jedoch erwarte die Mehrheit der Befragten vom Besuch von Obama in Moskau „Fortschritte“.

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