US-Präsident nimmt sich Auszeit
Bush-Urlaub wird in den USA zum Politikum

Während amerikanische Arbeitnehmer im Durchschnitt zehn Tage im Jahr Urlaub nehmen, gönnt sich ihr Präsident gleich eine fünfwöchige Auszeit auf seiner Farm in Texas. Es sei die längste Auszeit eines Präsidenten seit 36 Jahren, errechnete die "Washington Post". Auch wenn Bush dem politischen Alltag in Washington entronnen sein mag, ganz zur Ruhe kommt der Präsident in seinem Urlaub nicht.

HB CRAWFORD. Die Urlaubsfreuden von Bush werden derzeit massiv getrübt. Demonstranten, zornige Nachbarn, schlechte Umfragewerte und politisches Ungemach in Washington vermiesen die Freuden des Texaners am Angeln, Holzhacken, Fahrradfahren und Zäuneflicken - seinen erklärten Lieblingsbeschäftigungen in den Ferien.

Aufgeschreckt reagierten am Sonntag die Sicherheitsbeamten, als nahe der Bush-Farm in Crawford Schüsse zu hören waren. Nachbar Larry Mattlage hatte offenbar voller Zorn auf Demonstranten, die wenige hundert Meter entfernt unter freiem Himmel eine Friedens-Andacht hielten, zum Gewehr gegriffen und in die Luft geschossen. Zunächst erzählte der kräftige, schnauzbärtige Farmer noch, dass er die Nase voll habe von den Protesten - später meinte er nur noch brummig „Dies ist Texas“ und er habe bloß „auf ein paar Vögel geschossen“. Das Büro der Sheriffs versicherte, Mattlage habe kein Gesetz verletzt. „Ich wünschte, ich hätte seinen Mut“, meinte ein weiterer Bush-Nachbar, der Irakkrieg-Veteran Vernon Harrison, so die „Los Angeles Times“.

Die Mehrheit der Bürger des 640-Seelen-Orts Crawford mögen in ihrer Mehrheit Bush-Bewunderer sein. Dominiert aber werden in diesem Sommer die Bilder von erregten Demonstranten. Vor allem eine Frau ist zum Symbol des Protests gegen den Irakkrieg geworden: Cindy Sheehan, deren Sohn im Irak getötet wurde, campiert seit Wochen vor den Toren des Bush-Anwesens und fordert den Präsidenten auf, „mir zu erklären, warum mein Sohn sterben musste“. Inzwischen ist in der staubigen Landschaft von Texas ein kleines Friedenscamp mit Kriegsgegnern aus den ganzen USA entstanden. Entlang der Straße stehen nun hunderte Holzkreuze mit den Namen gefallener Soldaten.

Nicht nur die Demonstranten verhindern, dass Bush „der Urlaub von der Realität“ - so die linksgerichtete Zeitschrift „The Nation“ - gelingen könnte. Reporter konfrontieren ihn mit den jüngsten Umfrageergebnissen, die zeigen, dass seit Jahrzehnten kein Präsident in der zweiten Amtszeit so wenig Zustimmung hatte wie Bush derzeit. 61 Prozent der US-Bürger sind mit der Irakpolitik unzufrieden. Die Wirren im Irak, eine republikanische Wahlpleite in Ohio oder die Debatte um den Bush-Vertrauten Karl Rove können den Präsidenten kaum erfreuen. Lediglich die Wirtschaft boomt.

Die Mitarbeiter des Weißen Hauses versuchen unterdessen den Eindruck zu vermeiden, dass der Urlaub einzig eine Zeit des Müßiggangs sei. Der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan betont, dass der Präsident auch im Urlaub ein dichtes Arbeitsprogramm habe. Mehrfach unternehme er eintägige Reisen in andere Bundesstaaten. Er empfange auf der Farm Staatsgäste. Treffen mit Ministern, Pressekonferenzen sowie die Fortführung der Amtsgeschäfte auf der umgebauten und technisch perfekt ausgestatteten Farm zeigten den Fleiß des Präsidenten.

Keinen Zweifel kann es daran geben, dass in diesem besonders heißen Sommer die politische Wirklichkeit Bush auch in Crawford voll eingeholt hat. Als besonderes Urlaubs-Bonbon steht nun in den nächsten Tagen eine mehrstündige Mountainbike-Tour mit dem siebenfachen Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong bevor. „Das ist ein Traum für mich“, sagte Armstrong dem Sender ABC. Seitdem Bush aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr jogge, fahre er laut Armstrong „fantastisch Rad“. Vielleicht seien die tollen Radrouten rund um Crawford die Erklärung, warum der Präsident „so lange hier Urlaub macht“, formulierte Armstrong etwas naiv.

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