US-Präsident rechtfertigt im Interview den Irak-Krieg
Bush kämpft gegen fallende Umfragewerte

Die Haare sind etwas grauer geworden, die Falten tiefer. US-Präsident George W. Bush versucht zu lächeln, doch es wirkt gequält. „Saddam Hussein hätte eine Atombombe bauen können – nicht sofort, aber im Laufe der Zeit", antwortet Bush auf die Frage nach den bislang nicht gefundenen Massenvernichtungswaffen im Irak. „Wir wären erpressbar geworden, man kann doch einem Verrückten nicht vertrauen“, schiebt er nach. Der Präsident überlegt, malt sanfte Kreisbewegungen mit seiner rechten Hand.

WASHINGTON. Gelassen will er wirken, und dennoch: Bush befand sich gestern in der Defensive. Angesichts absackender Zustimmungsraten auf zuletzt 47 Prozent hatte sich der Präsident zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen: Er empfing den als hartnäckigen Interview-Partner bekannten Tim Russert vom Ferneseh-Sender NBC zum Gespräch ins „Oval Office“.

Die Frage, ob der Irak-Krieg auch ohne Massenvernichtungswaffen gerechtfertigt gewesen sei, versucht er weitschweifig zu beantworten. „Wir alle haben erwartet, die Waffen zu finden“, betont er. Er habe seine Entscheidung auf der Grundlage der „bestmöglichen Geheimdienst-Informationen“ getroffen. „In diktatorischen Regimes existieren keine wasserdichten Beweise.“ Auch als Tim Russert mehrmals nachhakt, gibt Bush die Standard-Antwort: „Saddam Hussein war eine Bedrohung, weil er die Fähigkeit hatte, Waffen zu produzieren.“ Und: „Ich bin ein Kriegs-Präsident – ich muss die Welt so sehen, wie sie ist.“ Er lässt durchblicken, dass er den Kampf gegen den weltweiten Terrorismus zum zentralen politischen Schlachtfeld der Präsidentschaftswahlen im November machen will.

Bush versucht den Eindruck zu verwischen, dass er die Tagesordnung schleichend geändert hat. Noch kurz vor Kriegsbeginn im März 2003 hatte er von einer „wachsenden Gefahr“ gesprochen, weil Saddam über „einige der tödlichsten Waffen“ verfügt habe. Heute verwendet der Präsident die Begriffe „Absicht“ und „Fähigkeit“.

Seite 1:

Bush kämpft gegen fallende Umfragewerte

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%