US-Präsidentschaftskandidat
Romney veröffentlicht Steuererklärung

Der Vorwurf lässt US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney im Wahlkampf nicht los: Der Multimillionär zahle zu niedrige Steuern. Jetzt veröffentlicht er seine Steuererklärung für 2011. Doch es bleiben Lücken.
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WashingtonDer schwerreiche US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney gibt einen frischen Einblick in seine Finanzen. Er habe im vergangenen Jahr rund 13,7 Millionen Dollar (10,5 Mio Euro) verdient und darauf rund 14 Prozent Steuern gezahlt, teilte sein Wahlkampfteam am Freitag mit. Zum Vergleich: 2011 verdiente Präsident Barack Obama 790.000 Dollar und zahlte darauf fast 21 Prozent Steuern.

Zudem gab Romney bekannt, er wolle noch einen Brief von Rechnungsprüfern vorlegen. Dieses Dokument solle beweisen, dass der Geschäftsmann in den 20 Jahren bis 2009 auf eine Steuerquote von durchschnittlich 20,2 Prozent kam. Über diese Zahl war in den USA heftig spekuliert worden. Der Gründer und ehemalige Chef einer Private-Equity-Firma steht wegen seiner Steuern seit längerem unter schwerem öffentlichem Druck.

Die Einnahmen stammen den Angaben zufolge vor allem aus Investments, Dividenden und Zinseinkünften, die in den USA deutlich geringer besteuert werden als Lohn oder Gehalt. Rund 4 Millionen Dollar habe Romney im vergangenen Jahr gespendet. Als Mormone ist Romney angehalten, zehn Prozent seines Einkommens an die Kirche zu spenden. Eine Kirchensteuer gibt es in den USA nicht. Romneys Vermögen wird auf 190 bis 250 Millionen Dollar geschätzt.

Detaillierte Steuererklärungen für den gesamten Zeitraum legte er aber - anders als von den Demokraten gefordert - weiterhin nicht vor. Kritiker nannten die Offenlegung kurz vor dem Wochenende ein Ablenkungsmanöver. Der Freitagnachmittag sei in Washington ein guter Zeitpunkt, um unangenehme Mitteilungen ohne großes Medienecho zu veröffentlichen.

US-Präsident Barack Obama hatte seinen Herausforderer mehrfach zu mehr Transparenz aufgefordert. Bisher hatte der Republikaner lediglich die Steuererklärungen für 2009 und 2010 veröffentlicht - viel weniger als für Präsidentschaftskandidaten üblich. Die Steuerbescheide aus früheren Jahren hielt Romney dagegen unter Verschluss. Dies nährte Spekulationen, dass der Republikaner womöglich Geld am US-Fiskus vorbei in Steueroasen geparkt haben könnte.

2010 hatte Romney noch rund 21 Millionen Dollar verdient, bei gleichem Steuersatz von rund 14 Prozent. Der US-Spitzensteuersatz liegt sonst bei 35 Prozent.

Im Kampf um die Wähler der Mittelschicht haben sich Obamas Demokraten auf Romneys persönliche Finanzen eingeschossen und stellen den designierten republikanischen Kandidaten als abgehoben dar. Der frühere Manager bei der Investmentfirma Bain Capital bezieht den Großteil seiner Einnahmen aus Kapitaleinkünften, die in den USA deutlich niedriger besteuert werden als Lohneinkommen.

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Wie Obama und Romney über Steuerpolitik streiten

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