US-Präsidentschaftswahl
Tea Party bringt US-Politik zum Kochen

Die erzkonservative Tea Party-Bewegung ist aus der US-Politik nicht mehr wegzudenken. Von ihr unterstützte Kandidaten verdrängen moderate Republikaner, Obama ist ihr größtes Feindbild. Ihr Erfolgsrezept ist einfach.
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Washington„Der November naht“, warnen mit Blick auf den Wahltermin die Aufdrucke auf ihren T-Shirts. Immer wieder versammeln sich konservative Tea Party-Demonstranten in Washington, um gegen Präsident Barack Obama zu protestieren. Sie lehnen alles ab, wofür er steht - seine Gesundheitsreform ebenso wie Steuern für Reiche. Die Tea Party-Anhänger setzen auf Mitt Romney, den Kandidaten der Republikaner – obwohl sie auch ihm nicht so recht über den Weg trauen. „Er ist ihr Werkzeug, um Obama loszuwerden“, erklärt die US-Politologin Theda Scopcol. Gewählt wird am 6. November.

Die Tea Party ist eine Fraktion innerhalb der Republikanischen Partei, die sich für konservative und marktwirtschaftliche Positionen stark macht. Ihr Name leitet sich von der „Boston Tea Party“ ab. Im Jahr 1773 stürmten Bostoner Bürger aus Protest gegen die Steuerpolitik der britischen Kolonialherren im Hafen liegende Schiffe und warfen den geladenen Tee über Bord. Als neue Bewegung platzte die Tea Party 2009 in die US-Politikszene - inmitten hitziger Debatten über Gesundheitsreform und hohe Staatsausgaben.

Seit dem vergangenen Jahr ist es ruhiger geworden um die erzkonservative Bewegung. Der Erfolg des gemäßigten Präsidentschaftskandidaten Romney sei ein Zeichen dafür, dass die Tea Party am Ende sei, lautet eine Einschätzung – der ihre Anhänger vehement widersprechen. „Sie ist heute zweimal so stark wie damals“, sagt die Tea Party-Aktivistin Judy Parran aus Michigan. „Die Menschen werden sich nicht zurücklehnen und zusehen, wie Obama wiedergewählt wird.“

Zwar besitzt die Tea Party keine landesweite Organisation. Großen Einfluss aber könnten die vielen kleinen Gruppen nach Ansicht des Politikwissenschaftlers David Woodard auf die Lokalpolitik nehmen. Dafür spricht ihr jüngster Strategiewechsel: Massenveranstaltungen mit tausenden Aktivisten gehören der Vergangenheit an. Man konzentriert sich auf die Basis. „Der Fokus liegt viel stärker auf der Republikanischen Partei, wie man sie ändern, wie man sie auf Linie bringen kann“, meint die Politologin Skocpol.

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  • Schade, dass es bei uns keine Tea Party gibt, nämlich die Diskussion, wieviel Staat nötig ist bzw. von den Bürgern gewünscht wird, was die Zentralisierung/Bürokratisierung kostet, inwieweit eine Bürgergesellschaft gewünscht wird oder doch lieber an die Macht von Gesetzen und Verord-nungen (und eine immer totalitärer werdende veröffent-lichte Meinung) geglaubt wird. Die Diskussion über einen nicht mehr finanzierbaren (siehe Eurokrise), immer allmächtiger werdenden Umverteilungsstaat, der nur die Politiker und Bürokraten reicher und vor allem mächtiger macht, wäre dringend notwendig! Diese Diskussion wird seit Jahren verhindert!

  • Die Konservattiven in unserem Land müssen endlich frech werden wie die ( konservativen ) Linken , sonst wird das Feld kampflos aufgegeben .-
    Übrigens haben auch US Amerikaner Vorurteile wie wir auch !
    Alles nur Menschen .-

  • Es ist absurd, Tea Party und Taliban gleichzusetzen. Die haben nichts mit einander gemeinsam. In Deutschland ist man es wohl nicht gewohnt, daß Konservative zu Wort kommen. Man hat Verständnis für die Occupy-Chaoten und die Wutbürger, aber wenn Konservative ihr Meinung äußern, werden sie gleich dämonisiert und mit der Fundamentalismuskeule niedergeschlagen. Das sind ziemlich unverschämte Taktiken. Mir hat Frau Palins Hörbuch sehr gut gefallen. Das hat nichts mit Taliban zu tun. Ich finde auch gut, daß Frau Palin Chick-fil-A unterstützt.

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