US-Präsidentschaftswahl
Zweiter Anlauf von McCain

Der republikanische Senator McCain will ins Weiße Haus. Bereits vor sieben Jahren hatte er einen Anlauf gestartet – und war kläglich gescheitert. Und auch dieses mal stehen die Vorzeichen ungünstig. Seine Popularität sinkt zum Kampagnenstart – dabei muss er sich gegen massive Konkurrenz durchsetzen.

WASHINGTON. Für John McCain ist New Hampshire ein bitterer Ort. Denn nach den Vorwahlen in dem Bundesstaat im Nordosten der USA musste der Senator aus Arizona im Jahr 2000 seine Hoffnungen auf das republikanische Präsidentschaftsticket begraben. Abgrundtiefe 18 Prozent betrug damals der Abstand auf George W. Bush – und schon war in einer kurzen Wahlnacht der Glanz des John McCain getrübt. Nun, sieben Jahre später, ist McCain wieder in New Hampshire – am Mittwoch war der offizielle Auftakt seines zweiten Anlaufs für das Weiße Haus.

Doch erneut stehen in North Hampshire die Vorzeichen für den inzwischen 70-Jährigen ungünstig. Bis vor wenigen Monaten noch als Top-Favorit für die republikanische Spitzenposition gehandelt, muss sich McCain nun massiver Konkurrenz erwehren. Rudy Giuliani, New Yorks Ex-Bürgermeister, hängt McCain deutlich bei den Popularitätswerten ab, Mitt Romney aus Massachusetts sammelt mehr Geld für die Kampagne ein – und inzwischen stiehlt sogar Fred Thompson, ein Ex-Schauspieler und Ex-Senator aus Tennessee, McCain die Schau.

Der Vietnam-Veteran McCain hat diesen Zustand zu einem Gutteil selbst zu verantworten. Er folgt weitgehend seinem eigenen Kompass – und nicht den Ratschlägen aus seiner Umgebung. Liberale Wahlbeobachter etwa sehen seinen größten Fehler darin, dass er sich inhaltlich zu sehr auf das Thema Irak eingrenzt – und dabei ungeschickt agiert. So musste er nach seiner jüngsten medienwirksamen Demonstration der verbesserten Sicherheitslage in Bagdad Hohn und Spott über sich ergehen lassen.

Denn als McCain Anfang April in aller Gemütsruhe über den Shorja-Markt in der irakischen Hauptstadt zu schlendern schien, war er tatsächlich von Dutzenden Personenschützern abgeschirmt. Diese Tatsache wurde jedoch erst bei genauerer Analyse der Fernsehbilder deutlich – und nachdem Reporter die Begleitumstände recherchiert hatten. Am Tag nach McCains Besuch starben auf demselben Marktplatz mehr als 20 Menschen bei einem Bombenanschlag.

McCain kontert Kritik an seiner Loyalität zu Bush in der Irak-Frage in der Regel mit einem Hinweis darauf, dass man im Irak langen Atem benötige – ein Argument, das McCain im Übrigen durchaus sympathisch erscheinen lässt. Weniger als andere lässt sich der 1936 in Panama geborene Politiker von Populismus leiten. Dabei sind McCains Reden und Auftritte durchaus von Stimmungen geprägt. Als vor einigen Tagen das Budgetgesetz der Demokraten, das mit einem Abzugstermin der Truppen aus dem Irak gekoppelt ist, den Senat knapp passierte, sagte McCain offen, was er davon hält: „Die Führer der Demokraten lachten und freuten sich, als die letzten Stimmen gezählt wurden. Was haben sie gefeiert? Die Niederlage, die Kapitulation?“

Nach solchen Auftritten erntet John McCain zumeist Lob aus den Reihen der Konservativen. So würdigte ihn das „Wall Street Journal“ für sein Stehvermögen in der Talkshow „60 Minutes“. Gefragt, ob er nicht politisch unterzugehen drohe, wenn die Offensive in Bagdad misslingt, sagte McCain: „Ich verliere lieber eine Kampagne als einen Krieg.“ Für das Journal war dies eine der Sternstunden John McCains. Und Kolumnist David Brooks von der „Washington Post“ glaubt gar, dass das, was McCain jetzt schade, ihm am Ende vielleicht sogar den Weg zur Spitzenkandidatur ebne.

Für den 3. Mai ist dem TV-Sender NBC zufolge die erste Debatte der republikanischen Bewerber um die Nominierung in ihrer Partei geplant. Senator McCain und der ehemalige New Yorker Bürgermeister Giuliani haben ihre Teilnahme schon angekündigt.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%