US-Präsidentschaftswahlen
Republikaner suchen den richtigen Ton

Der Wahlkampf ist im vollen Gang. Doch noch hat keine Seite ihren Präsidentschaftskandidaten gefunden. Die Republikaner müssen zunächst mit den Altlasten der amtierenden Regierung aufräumen.

WASHINGTON. Als George W. Bushs Berater Karl Rove in der vergangenen Woche sein Ausscheiden aus dem Weißen Haus ankündigte, hielt sich die Trauer bei den Spitzen der republikanischen Partei in Grenzen. Keiner der republikanischen Bewerber auf das Präsidentenamt zeigt Betroffenheit, aus keinem Kandidatencamp wird Interesse an den Diensten von Rove signalisiert. Abgesehen von ein paar freundlicheren Kommentaren in der konservativen Presse blieb das republikanische Amerika stumm.

Der Grund: Das Tief, das die republikanische Partei derzeit erlebt, hat nach Auffassung zahlreicher Beobachter gerade mit Rove zu tun. Strategisch genial hatte dieser zwar neue Wählergruppen – wie die religiöse Rechte – erschlossen. Doch gleichzeitig entfremdete er die Republikaner von der politischen Mitte und machte sie abhängig von der Gunst jener, die 2004 Bush zur Wiederwahl verholfen hatten. Rove habe die unabhängigen Wähler verprellt, analysieren Andrew Kohut und Carroll Doherty von Pew Research. Doch gerade die seien es, die Wahlen entschieden, so die Meinungsforscher.

Rove bemüht sich zwar, dieser Einschätzung über sein politisches Erbe gegen zu steuern. Wieder und wieder hob er bei einer Runde durch die Talk-Shows hervor, überparteiliche Koalitionen angeboten zu haben. Er zeigt auf die Demokraten, die ihre Mitarbeit verweigert hätten. Eigene Schuld etwa am Scheitern der Neufassung des Einwanderungsgesetzes oder der Reform der Sozialversicherung will Rove nicht eingestehen. Er verweist dagegen auf seine Leistungen wie die Verabschiedung des Energiegesetzes und des „Patriotic Acts“, der die Befugnisse der Exekutive nach dem 11. September ausbaute.

Doch die republikanische Basis kann er damit nicht überzeugen. Rove sei ein Beispiel für die „Selbsttäuschung und Blindheit, die dem Weißen Haus und der republikanischen Partei geschadet“ hat, wettert Michelle Malkin, eine einflussreiche konservative Bloggerin. Bei ihren Auftritten etwa in der O'Reilly-Show des Senders Fox News lässt sie selten eine Gelegenheit aus, um das linksliberale Establishment zu geißeln. Doch in diesem Fall springt sie über die Parteigrenzen hinweg und zählt das große Scheitern der republikanischen Projekte auf, die alle eng mit dem Namen Rove verknüpft seien.

Dahinter steckt mehr als nur das falsche Management von Themen. In der republikanischen Partei geht vielmehr die Sorge um, dass Rove die Grand Old Party (GOP) dauerhaft an eine ideologische Mentalität koppelte, die immer weniger mit der Realität – zumindest mit der von jungen Wählern – zu tun hat. Eine Umfrage der New York Times und von CBS kam im Juni zum Ergebnis, dass die Jungendlichen in den USA in ihrer klaren Mehrheit bei den Themen Abtreibung, Homosexualität, Einwanderung und Gesundheitspolitik auf der Seite der Demokraten stehen.

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