US-Präsidentschaftswahlkampf 2008
Hillary verdrängt andere Kandidaten

Die Chancen von Hillary Clinton, im Jahr 2008 für die Demokratische Partei in das Rennen um die US-Präsidentschaft geschickt zu werden, sind deutlich gestiegen. Ein aussichtsreicher parteiinterner Gegenkandidat, der eine ähnliche politische Ausrichtung wie die Senatorin des Bundesstaates New York hat, hat sich aus dem Rennen zurückgezogen.

WASHINGTON. Die Entscheidung von Mark Warner, dem einstigen Gouverneur Virginias, kam für die Demokraten überraschend. Der Hoffnungsträger der Partei begründete seinen Rückzug aus dem Kandidatenkreis damit, mehr Zeit für seine Familie haben zu wollen.

Kommentatoren erklärten Warners Entscheidung mit einem „Hillary-Effekt“: Andere aussichtsreiche Kandidaten zögen sich zurück, weil sie meinen, gegen die starke Persönlichkeit der Frau von Ex-Präsident Bill Clinton nicht ankommen zu können. „Ich glaube, dass Warner gemerkt hat, dass das nicht zu schaffen ist“, sagt Marshall Wittmann vom Democratic Leadership Council.

Clinton, die am 7. November im Bundesstaat New York einer ungefährdeten Wiederwahl als Senatorin entgegensieht, hat sich allerdings noch nicht dazu geäußert, ob sie ins Rennen um die Präsidentschaftskandidatur 2008 einsteigt. In Umfragen liegt sie vor allen anderen demokratischen Politikern. Für ihre Kampagne im Senatswahlkampf 2006 hat sie fast 49 Mill. US-Dollar an Spenden eingeworben.

Warner zielt mit seiner politischen Positionierung auf eine ähnliche Wählergruppe wie die ehemalige First Lady. Hillary Clinton gilt einerseits als liberal, besetzt aber zunehmend auch das Zentrum. Beispiele dafür sind ihre Unterstützung des Irak-Krieges 2002 und die Ablehnung eines schnellen Truppenabzugs. Warner suchte seine Unterstützung ebenfalls bei jenen, die den erfolgreichen Unternehmer als moderate, unideologische und eher konservative Stimme schätzen. Damit hatte Warner Erfolg als Gouverneur. Dabei schreckte er auch nicht davor zurück, die Todesstrafe gutzuheißen und die Rechte der Waffenlobby zu verteidigen. Warners Wiederwahl verhinderte nur das Wahlgesetz von Virginia, das nur eine Amtszeit als Gouverneur vorsieht.

Neben der Senatorin aus New York scheint in der Mitte des demokratischen Tickets kein Platz mehr zu sein. Von Ausnahmen abgesehen ist das Gros der potenziellen Bewerber um den Spitzenplatz bei den Demokraten dem linken Spektrum zuzurechnen. Zwei Namen fallen immer wieder, die vom Rückzug Warners profitieren könnten: Evan Bayh, Senator von Indiana, und John Edwards aus North Carolina, der sich 2004 für das Amt des Vizepräsidenten unter John Kerry beworben hatte. Bayh, seit 1998 Senator, gilt als moderat und wirtschaftsnah. Edwards, der wie Clinton die Irak-Invasion unterstützte, spricht sich inzwischen für einen raschen Truppenabzug aus. Zudem gilt er als Freund der Gewerkschaften. Daneben sind auch der einstige Vizepräsident Al Gore, der 2000 gegen Bush verlor, und John Kerry, der 2004 unterlag, im Gespräch.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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