US-Raketenabwehrschild
Washington will Putin besänftigen

Schlichtungsversuch aus Washington: Im Streit um das geplante US-Raketenabwehrsystem in Polen und Tschechien wollen die USA einen Schritt auf Russland zugehen. Die Aktivierung der Anlagen könnte zunächst auf Eis gelegt werden, hieß es plötzlich. Doch die Antwort aus dem Kreml fiel kühl aus.

HB PRAG/MOSKAU. Russland hat zurückhaltend auf die Andeutung der USA reagiert, die „vollständige Inbetriebnahme“ des umstrittenen US-Raketenabwehrschilds in Mitteleuropa möglicherweise zu verschieben. „Wir sind bereit, uns mit den amerikanischen Vorschlägen auseinanderzusetzen, sobald diese über offizielle Wege bekanntwerden“, sagte ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter des russischen Außenministeriums der Agentur Itar-Tass in Moskau lediglich.

Nach Angaben von US-Verteidigungsminister Robert Gates zieht Washington in Betracht, die Inbetriebnahme hinauszuzögern, bis ein „ein konkreter Beweis“ für eine iranische Bedrohung vorliege. „Die Idee lautet: Wir machen mit den Verhandlungen weiter, wir beenden die Verhandlungen, wir entwickeln die Anlagen und bauen sie, aber wir verzögern möglicherweise die Aktivierung, bis es einen konkreten Beweis für die Drohung aus dem Iran gibt“, sagte Gates.

Zudem bot Gates Moskau am Dienstag in der tschechischen Hauptstadt an, russischen Militärs die ständige Anwesenheit am geplanten Radarstützpunkt im westböhmischen Brdy zu ermöglichen. Man wolle so die Transparenz erhöhen.

Nach Monaten des Dauerkonflikts hatte Russland in den vergangenen Tagen erstmals die USA für „interessante Vorschläge“ zur Beilegung des Konflikts gelobt, ohne diese jedoch zu benennen. Die US-Pläne sollen an diesem Mittwoch und Donnerstag auch Thema sein beim informellen Treffen der Nato-Verteidigungsminister im niederländischen Noordwijk.

Russland sieht in der Anlage, die aus einer Raketenstellung in Polen und einer Radaranlage in Tschechien bestehen soll, eine Gefahr für die eigene Sicherheit. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte den USA daher die Nutzung der eigenen Radarbasis Gabala in Aserbaidschan für eine gemeinsame Raketenabwehr vorgeschlagen, wenn Washington auf den Raketenschutzschild in Tschechien und Polen verzichtet. Dies lehnte die US-Regierung jedoch ab.

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