US-Reaktion auf Korea-Konflikt
Obama steht "unerschütterlich" zu Südkorea

US-Präsident Barack Obama hat Südkorea den vollen Rückhalt der USA im Konflikt mit Nordkorea zugesagt. Die Unterstützung der USA sei «unerschütterlich«, hieß es in einer Mitteilung des Weißen Hauses, die nach einem Spitzentreffen Obamas mit den US-Sicherheitsbehörden verbreitet wurde. Es sollten Wege für «Frieden und Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel« gefunden werden, hieß es weiter.
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HB WASHINGTON. An dem Treffen nahmen nach Angaben der US-Regierung auch Vertreter der Geheimdienste und des Militärs teil. Obama wollte noch am Dienstag mit dem südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak telefonieren. Bei einem Artillerie-Angriff Nordkoreas mit dutzenden Granaten auf die südkoreanische Insel Yeonpyeong waren am Dienstag zwei südkoreanische Soldaten getötet und 15 weitere verletzt worden. Yeonpyeong liegt westlich der koreanischen Halbinsel im Gelben Meer. Das US-Verteidigungsministerium schloss ein militärisches Vorgehen der USA gegen Nordkorea zunächst aus. Das US-Außenministerium kündigte eine «maßvolle und einheitliche« Antwort zusammen mit China, Russland und Japan an.

Das Militär Südkoreas rief den höchsten Alarmzustand seit dem Korea-Krieg aus. Das Feuergefecht ereignete sich nahe einer umstrittenen Seegrenze. Südkorea erklärte, in der Gegend Militär-Manöver abgehalten zu haben, dabei aber nicht auf den Norden gefeuert zu haben. Der Vorfall löste international starke Besorgnis aus. Auch Russland und Deutschland riefen zur Mäßigung auf. Der Konflikt belastete auch die Finanzmärkte.

Dem Fernsehsender YTN zufolge feuerte Nordkorea mindestens 200 Granaten auf die südkoreanische Insel Yeonpyeong ab, die nur rund 120 Kilometer westlich der Hauptstadt Seoul liegt. Zahlreiche Häuser gerieten in Brand. Dichte Rauchwolken verhüllten Teile der Insel. Die meisten Geschosse trafen einen Militärstützpunkt. „Häuser und Hügel stehen in Flammen, die Menschen bringen sich in Sicherheit“, sagte ein Augenzeuge YTN. „Die Menschen haben Todesangst.“ Viele Menschen flüchteten sich YTN zufolge während des rund eine Stunde dauernden Beschusses in Bunker. Einige Bewohner seien in Fischerbooten von der Insel geflohen.

Nordkorea erklärte, die Südkoreaner hätten zuerst geschossen. Trotz wiederholter Warnungen habe Südkorea mit Dutzenden Granaten das Feuer eröffnet, meldete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA. Daraufhin seien harte militärische Gegenmaßnahmen ergriffen worden. Die Regierung in Seoul erklärte, in der Gegend seien zuvor Manöver abgehalten worden. Allerdings sei dabei nicht in nördlicher, sondern in westlicher Richtung gefeuert worden. Präsident Lee Myung Bak nannte den Beschuss von Zivilisten unverzeihlich und drohte dem Norden eine harte Bestrafung bei weiteren Aggressionen an. Gleichzeitig ließ er aber auch erkennen, dass er den Zwischenfall nicht weiter eskalieren lassen will.

Nordkorea hat unzählige Artillerie-Geschütze auf Seoul gerichtet - eine Feuerkraft, die der Metropolenregion mit ihren rund 25 Millionen Einwohnern schweren Schaden zufügen könnte. Beide Länder befinden sich offiziell noch im Kriegszustand. Der Korea-Krieg endete lediglich mit einer Waffenruhe. Die Spannungen zwischen beiden Staaten hatten sich in diesem Jahr verschärft. Hintergrund ist der Untergang eines südkoreanischen Kriegsschiffs im März. Der Süden wirft dem Norden vor, das Schiff versenkt zu haben. Bei dem Untergang kamen 46 Seeleute ums Leben.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den nordkoreanischen Beschuss und rief zur Mäßigung auf. Der UN-Sicherheitsrat wollte sich einem Diplomaten zufolge noch am Abend mit dem Vorfall befassen. Die USA haben 28 000 Soldaten in Südkorea stationiert. Russland bezeichnete die Gewaltanwendung zwischen beiden koreanischen Staaten als absolut inakzeptabel und forderte zur Mäßigung auf. Es bestehe die immense Gefahr einer Ausweitung der Gefechte, die vermieden werden müsse, sagte Außenminister Sergej Lawrow. Bundesaußenminister Guido Westerwelle appellierte an beide Staaten, die Spannungen nicht zu verschärfen. „Ich bin sehr besorgt über das nordkoreanische Artilleriefeuer auf Südkorea. Diese erneute militärische Provokation gefährdet den Frieden in der Region.“

Auch Nordkoreas engster Verbündeter China äußerte sich besorgt. Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking forderte beide Seiten auf, den Frieden zu wahren und zu den Sechs-Parteien-Gesprächen zurückzukehren. In den Verhandlungen der beiden koreanischen Staaten, der USA, Russlands, Chinas und Japans soll die Führung in Pjöngjang zur Aufgabe ihres Atomprogramms bewegt werden. Die Runde ist seit rund zwei Jahren ausgesetzt.

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