US-Reaktionen
„Merkels Probleme beginnen gerade erst“

Das Votum des Bundestages für die Euro-Rettung wurde in Amerika mit Erleichterung aufgenommen. Ohne Deutschland gehe nichts, so der Tenor. Doch sei noch längst nicht genug getan worden. 
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WashingtonMohamed El-Erian ist nicht gerade dafür bekannt, allzu oft Politiker zu loben. Doch Donnerstagnachmittag war einer dieser seltenen Momente. „Sie machen wirklich Fortschritte in Europa“, sagte der Chef des weltgrößten Anleihehändlers Pimco im TV-Sender CNBC. Dass der Bundestag im fernen Berlin heute die Ausweitung des europäischen Rettungsfonds EFSF beschlossen hat, „sei eine gute Nachricht für Europa“.

Auch die Amerikaner hatten mit Spannung verfolgt, wie das Parlament von Europas größter Volkswirtschaft entscheiden würde – und waren entsprechend erleichtert. „Merkel bereitet den Weg für weitere Schritte, um Europas Schuldenkrise zu stemmen“, schrieb die Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Bis nach Indien („Deutschlands Entscheidung ist eine Erleichterung für Europa“) und Taiwan („Deutschland hält Europas Zukunftshoffnungen am Leben“) ging die Welle der Begeisterung durch die Medien.

Wie immer reagierten als erstes die Märkte. Der Dow Jones gewann, nicht zuletzt auch wegen guter Nachrichten vom US-Arbeitsmarkt nach der Abstimmung ebenso wie der S&P 500. Auch der Euro legte kräftig zu.

Mit der politisch wichtigen Kanzlermehrheit hatte der Bundestag am Mittag die umstrittene Ausweitung des EFSF gebilligt. Von 611 Abgeordneten stimmten 523 dafür, 85 dagegen, 3 enthielten sich. Der gestärkte Fonds erhält nun, wenn alle Euro-Länder zugestimmt haben, mehr Geld und neue Instrumente, um schneller reagieren zu können. So kann er künftig auch Anleihen kriselnder Staaten kaufen - sowohl von Regierungen als auch von Investoren. Angeschlagene Länder können zudem vorsorglich Kredite erhalten. Auch können Euro-Länder Geld bekommen, um ihre Finanzinstitute in einer Schieflage stützen zu können.

Deutschlands Entscheidung und die Reaktionen der Märkte waren am Nachmittag das bestimmende Thema auf den Webseiten der großen US-Zeitungen. Tenor: Der Euro darf weiterleben, dank Berlins Zustimmung. Denn ohne Deutschland ist alles nichts.

„Der Schritt in Deutschland – Europas größte Volkswirtschaft und das einzige Land, dass finanziell stark genug ist, andere Länder der Eurozone aus den Schwierigkeiten zu holen – hat die quälende Rettungsaktion vorangebracht“, schrieb die „New York Times“. Doch sei das ganze eher eine kurzfristige Erleichterung statt einer langfristigen Lösung. Und Kanzlerin Angela Merkel habe nicht viel mehr gewonnen als ein bisschen Raum zum Atmen.

Kein Kommentar kam am Donnerstag ohne den Hinweis aus, dass jetzt noch viel Arbeit vor den Europäern liege. Der Rettungsfonds gehöre noch weiter bewaffnet. So forderte das Wirtschaftsmagazin „Forbes“: „Während die Abstimmung vom Donnerstag ein wichtiger Schritt ist, gibt es gleichzeitig noch viel zu tun“. So gelte es, endlich einen Plan zu entwickeln, wie der Privatsektor eingebunden werden kann und eine Strategie zu haben, wie Europa wieder wachsen soll.

„Europa hat wieder einmal ein Destaster verhindert“, sekundierte die Nachrichtenagentur Reuters. „Doch jetzt erwarten Europa noch größere Herausforderungen. Die Finanzmärkte erwarten bereits die wahrscheinliche Pleite Griechenlands und fordern weitergehende Maßnahmen“.

Noch deutlicher wurde das „Wall Street Journal“: „Merkels Probleme beginnen gerade erst. Der EFSF ist ein großer Schritt ist, wird er jedoch überall als nicht stark genug angesehen, Europa gegen eine Ansteckung zu immunisieren“.

Damit gibt das Blatt der US-Regierung Recht, die seit Wochen aus Sorge um ihre eigene Wirtschaft bei jeder Gelegenheit weitere Anstrengungen von Europa fordert. So hatte am Vorabend der Bundestagsdebatte US-Präsident Barack Obama noch einmal deutliche Worte gefunden: „Wir konnten nicht erkennen, dass sich Europa so effektiv um sein Finanz- und Bankensystem gekümmert hat wie es eigentlich nötig wäre.“

Und so war auch Pimco-Chef El-Erian am Donnerstag auch nur halb zufrieden. Er verglich die Politiker mit Autofahrern: „Sie fahren, aber sie wissen nicht wohin. Und anstatt nach auf die Straße zu gucken, streiten sie lieber miteinander“.

 

 

Nils Rüdel
Nils Rüdel
Handelsblatt / Deskchef Politik

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  • Kurzsichtig
    -------------
    Eigentlich sollte die U.S.A. erkannt haben, daß mit Eu-
    ropa und dem Euro ein ''chasing the rainbow'' betrie-
    ben wird, dessen Ende mit dem Wegräumen des Scherben-
    haufens Griechenland bald eingeleitet wird, da vor al-
    lem das Administrationsmonster Brüssel, mit seinen
    44.OOO überbezahlten Bediensteten, nicht mehr finanzier-
    bar ist.

  • „Merkels Probleme beginnen gerade erst“
    Und die werden Recht behalten . Weil mit einem Rettungsschirm und noch ein und noch ein .... , können wir Europa nicht helfen . Wir müssen der Welt klar machen das wir ein Europa ein Land und ein gemeinsames Volk sind .
    Gewinner und Verlierer wird es immer geben .
    Doch die Möglichkeiten die sich in diesen Europaland für uns alle ergeben sind Riesig . Die USA können uns dabei helfen , zB. in der Bildung einer gemeinsamen Wirtschaftsregierung in Europa . Eben der Gründung der Verinigten Staaten von Europa . Weil die USA haben diesen Schritt schon lange vor uns getan . Den Schritt , vor den Europa jetzt stehen müsste .

  • Der Vergleich mit den autofahrenden Politikern ist schon richtig, bloss whaerend sich die Politiker 'nur' streiten brettern die kopflosen an der Wallstreet in ihren affengeilen Protzboliden mit fast Ueberschallgeschwindigkkeit bei dichtem Nebeltreiben und Eisglaette auf der Ueberholspur dahin - bis zum naechsten Hinderniss, und dann wundern sie sich dass sie tot sind.

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