US-Reaktionen „Merkels Probleme beginnen gerade erst“

Das Votum des Bundestages für die Euro-Rettung wurde in Amerika mit Erleichterung aufgenommen. Ohne Deutschland gehe nichts, so der Tenor. Doch sei noch längst nicht genug getan worden. 
Update: 30.09.2011 - 02:15 Uhr 11 Kommentare
Die Zentrale der New York Times. Quelle: Reuters

Die Zentrale der New York Times.

(Foto: Reuters)

WashingtonMohamed El-Erian ist nicht gerade dafür bekannt, allzu oft Politiker zu loben. Doch Donnerstagnachmittag war einer dieser seltenen Momente. „Sie machen wirklich Fortschritte in Europa“, sagte der Chef des weltgrößten Anleihehändlers Pimco im TV-Sender CNBC. Dass der Bundestag im fernen Berlin heute die Ausweitung des europäischen Rettungsfonds EFSF beschlossen hat, „sei eine gute Nachricht für Europa“.

Auch die Amerikaner hatten mit Spannung verfolgt, wie das Parlament von Europas größter Volkswirtschaft entscheiden würde – und waren entsprechend erleichtert. „Merkel bereitet den Weg für weitere Schritte, um Europas Schuldenkrise zu stemmen“, schrieb die Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Bis nach Indien („Deutschlands Entscheidung ist eine Erleichterung für Europa“) und Taiwan („Deutschland hält Europas Zukunftshoffnungen am Leben“) ging die Welle der Begeisterung durch die Medien.

Wie immer reagierten als erstes die Märkte. Der Dow Jones gewann, nicht zuletzt auch wegen guter Nachrichten vom US-Arbeitsmarkt nach der Abstimmung ebenso wie der S&P 500. Auch der Euro legte kräftig zu.

Mit der politisch wichtigen Kanzlermehrheit hatte der Bundestag am Mittag die umstrittene Ausweitung des EFSF gebilligt. Von 611 Abgeordneten stimmten 523 dafür, 85 dagegen, 3 enthielten sich. Der gestärkte Fonds erhält nun, wenn alle Euro-Länder zugestimmt haben, mehr Geld und neue Instrumente, um schneller reagieren zu können. So kann er künftig auch Anleihen kriselnder Staaten kaufen - sowohl von Regierungen als auch von Investoren. Angeschlagene Länder können zudem vorsorglich Kredite erhalten. Auch können Euro-Länder Geld bekommen, um ihre Finanzinstitute in einer Schieflage stützen zu können.

Deutschlands Entscheidung und die Reaktionen der Märkte waren am Nachmittag das bestimmende Thema auf den Webseiten der großen US-Zeitungen. Tenor: Der Euro darf weiterleben, dank Berlins Zustimmung. Denn ohne Deutschland ist alles nichts.

„Der Schritt in Deutschland – Europas größte Volkswirtschaft und das einzige Land, dass finanziell stark genug ist, andere Länder der Eurozone aus den Schwierigkeiten zu holen – hat die quälende Rettungsaktion vorangebracht“, schrieb die „New York Times“. Doch sei das ganze eher eine kurzfristige Erleichterung statt einer langfristigen Lösung. Und Kanzlerin Angela Merkel habe nicht viel mehr gewonnen als ein bisschen Raum zum Atmen.

Kein Kommentar kam am Donnerstag ohne den Hinweis aus, dass jetzt noch viel Arbeit vor den Europäern liege. Der Rettungsfonds gehöre noch weiter bewaffnet. So forderte das Wirtschaftsmagazin „Forbes“: „Während die Abstimmung vom Donnerstag ein wichtiger Schritt ist, gibt es gleichzeitig noch viel zu tun“. So gelte es, endlich einen Plan zu entwickeln, wie der Privatsektor eingebunden werden kann und eine Strategie zu haben, wie Europa wieder wachsen soll.

„Europa hat wieder einmal ein Destaster verhindert“, sekundierte die Nachrichtenagentur Reuters. „Doch jetzt erwarten Europa noch größere Herausforderungen. Die Finanzmärkte erwarten bereits die wahrscheinliche Pleite Griechenlands und fordern weitergehende Maßnahmen“.

Noch deutlicher wurde das „Wall Street Journal“: „Merkels Probleme beginnen gerade erst. Der EFSF ist ein großer Schritt ist, wird er jedoch überall als nicht stark genug angesehen, Europa gegen eine Ansteckung zu immunisieren“.

Damit gibt das Blatt der US-Regierung Recht, die seit Wochen aus Sorge um ihre eigene Wirtschaft bei jeder Gelegenheit weitere Anstrengungen von Europa fordert. So hatte am Vorabend der Bundestagsdebatte US-Präsident Barack Obama noch einmal deutliche Worte gefunden: „Wir konnten nicht erkennen, dass sich Europa so effektiv um sein Finanz- und Bankensystem gekümmert hat wie es eigentlich nötig wäre.“

Und so war auch Pimco-Chef El-Erian am Donnerstag auch nur halb zufrieden. Er verglich die Politiker mit Autofahrern: „Sie fahren, aber sie wissen nicht wohin. Und anstatt nach auf die Straße zu gucken, streiten sie lieber miteinander“.

 

 

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11 Kommentare zu "US-Reaktionen: „Merkels Probleme beginnen gerade erst“"

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  • Kurzsichtig
    -------------
    Eigentlich sollte die U.S.A. erkannt haben, daß mit Eu-
    ropa und dem Euro ein ''chasing the rainbow'' betrie-
    ben wird, dessen Ende mit dem Wegräumen des Scherben-
    haufens Griechenland bald eingeleitet wird, da vor al-
    lem das Administrationsmonster Brüssel, mit seinen
    44.OOO überbezahlten Bediensteten, nicht mehr finanzier-
    bar ist.

  • „Merkels Probleme beginnen gerade erst“
    Und die werden Recht behalten . Weil mit einem Rettungsschirm und noch ein und noch ein .... , können wir Europa nicht helfen . Wir müssen der Welt klar machen das wir ein Europa ein Land und ein gemeinsames Volk sind .
    Gewinner und Verlierer wird es immer geben .
    Doch die Möglichkeiten die sich in diesen Europaland für uns alle ergeben sind Riesig . Die USA können uns dabei helfen , zB. in der Bildung einer gemeinsamen Wirtschaftsregierung in Europa . Eben der Gründung der Verinigten Staaten von Europa . Weil die USA haben diesen Schritt schon lange vor uns getan . Den Schritt , vor den Europa jetzt stehen müsste .

  • Der Vergleich mit den autofahrenden Politikern ist schon richtig, bloss whaerend sich die Politiker 'nur' streiten brettern die kopflosen an der Wallstreet in ihren affengeilen Protzboliden mit fast Ueberschallgeschwindigkkeit bei dichtem Nebeltreiben und Eisglaette auf der Ueberholspur dahin - bis zum naechsten Hinderniss, und dann wundern sie sich dass sie tot sind.

  • Im Link steht "Greece Default" ! Ich denke, dass es zumindest einen Haircut geben wird; ob es einen Default gibt, bleibt abzuwarten. Aber genau das wollen die EU-Hühner auf jeden Fall verhindern, komme was wolle ! Das perverse an der ganzen Geschichte ist vielmehr, dass es mittlerweile schon wieder Spekulanten gibt, die zum Kauf von griechischen Staatsanleihen raten, denn Ihrer meinung nach lässt die EU Griechenland nicht pleitegehen.
    Ich -personally- denke, dass die Griechen irgendwann mal selber aussteigen werden, da der gesellschaftliche Druck zu gross werden wird. Frage ist nur: Was machen dann die EU-Hühner ?

  • Obama will nun die Schuld fuer seine absolute Unfaehigkeit jetzt neben auf China auch noch auf Europa schieben. Wenn ich den Menschen und seinen Gelddruckfreund Bernanke sehe, wird mir nur mehr schlecht. Einer druckt endlos Geld und der andere schmeisst es ohne Konzept raus. Und so was will andere belehren - schlimmer geht es nicht mehr.

  • @JFK..vollkommen richtig. Nun waere es auch mal an den Mediensich neutral zu verhalten und nicht nur mit dem Oelkaennchen rumzurennen und Oel in Feuer zu giessen. Die USA und UK haben keinerlei Interesse dass Europa ueberlebt. Europa wird derzeit benutzt um von deren eigenen massiven Problemen abzulenken.

  • Erstens verstehe ich nicht das die USA bei ihren eigenen Problemen beginnen auf Europa rum zu hacken. Die USA haben Schulden bis unters Dach, und sind unter anderem mit die größte Volkswirtschaft auf dem Globus. Also USA macht Euch mal selbst an die Arbeit und fangt nicht an mit dem Finger auf die zu zeigen die längst am Arbeiten sind.

    Ob Merkels Konzept aufgeht oder nicht, ist doch jetzt noch gar nicht absehbar.
    Von daher erst mal Ruhe bewahren. Es kann sein das es klappt, es kann aber auch sein das es nicht klappt. Das ist ja die Zwickmühle daran. Wenn's ein 100% sicheres Konzept gäbe, würden wir nicht 100 verschiedene Meinungen von Fachleuten in den Zeitungen lesen.

    Merkel hat doch erklärt bei Jauch was sie vor hat.
    Obs klappt weiß auch sie nicht, aber die andere Variante ein Schuldenschnitt von 50%, da verrät ihr halt auch niemand ob das klappt, oder ob das noch mehr Kosten verursacht als bisher.

    Es handelt sich zunächst um Bürgschaften.
    Was ist wenn, wie bei der Bankenrettung, GRL und die anderen Länder, nur ein Bruchteil der Bürgschaften in Anspruch nehmen müssen, dafür aber wieder wirtschaftlich auf die Beine kommen.

    Derzeit gibt es Kredite auf Bürgschaft andere Länder so das GRL einen günstigen Zinssatz am Kapitalmarkt erhalten kann. Vlt funktioniert das ja und GRL kommt wieder auf die Beine. Das Geld muss ja auch investiert werden, also entstehen neue Dinge.

    Intressant finde ich das keiner die Abwägung von Frau Merkel beschreibt, aber alle auf ihr rumhacken. Vor allem die USA haben bisher keine Lösung für ihr Schuldenproblem, denn sie haben niemanden der für sie Bürgen würde, ausser China eventuell und die haben schon so viel auf der Jacke von den USA das ich mir schwer vorstellen kann das die noch mehr Kohle in die USA buttern.

    Schnelle Lösungen wird's nicht geben.
    Sicher sind auch weitere Schritte noch nötig.
    Vor allem der Umbau Europas wird lange dauern.
    Regulierung der Märkte etc.

    Geduld....

  • Merkels Probleme beginnen gerade erst ??? Verstehe ich nicht. Frau Merkel hat ebenso wenig Probleme wie Herr Ackermann, die Bosse der Großkonzerne, die Superreichen oder wie andere Politiker ? Sie haben alle ihre Schäfchen im Trockenen. Sie werden weder strafrechtlich verfolgt, noch zu Schadensersatzleistungen herangezogen werden !
    Sie gehen in den Ruhestansd mit einer 5-stelligen Pension.

    Die Probleme der deutschen Stdeuerzahler beginnen gerade erst, genau so wie die der Rentner, der Arbeitnehmer und der Bezieher von Sozialleistungen !!
    Das wäre die Richtige Überschrift gewesen !!
    Oder glaubt irgend wer hier, dass unsere Politiker Probleme bekommen werden. Die machen sich schon ihre Gesetze so, dass es für sie "passt". Noch Fragen euer Ehren !!!

  • "Europa hat wieder einmal ein Destaster verhindert“, sekundierte die Nachrichtenagentur Reuters. „Doch jetzt erwarten Europa noch größere Herausforderungen. Die Finanzmärkte erwarten bereits die wahrscheinliche Pleite Griechenlands und fordern weitergehende Maßnahmen“.

    Noch deutlicher wurde das „Wall Street Journal“: „Merkels Probleme beginnen gerade erst. Der EFSF ist ein großer Schritt ist, wird er jedoch überall als nicht stark genug angesehen, Europa gegen eine Ansteckung zu immunisieren“.

    Damit gibt das Blatt der US-Regierung Recht, die seit Wochen aus Sorge um ihre eigene Wirtschaft bei jeder Gelegenheit weitere Anstrengungen von Europa fordert. So hatte am Vorabend der Bundestagsdebatte US-Präsident Barack Obama noch einmal deutliche Worte gefunden: „Wir konnten nicht erkennen, dass sich Europa so effektiv um sein Finanz- und Bankensystem gekümmert hat wie es eigentlich nötig wäre.“

    Und so war auch Pimco-Chef El-Erian am Donnerstag auch nur halb zufrieden. Er verglich die Politiker mit Autofahrern: „Sie fahren, aber sie wissen nicht wohin. Und anstatt nach auf die Straße zu gucken, streiten sie lieber miteinander“.

    Wo bleibt die Kritik gegenüber der immensen Verschuldung der USA?

    Die Einführung des EU-Wirtschaftsraums unter einer gemeinsamen Währung war eine Bedingung zur Wiedervereinigung, damit Deutschland nie wieder zu mächtig werde!

    Merkel hat selbst schon geäußert, daß eine Insolvenz Griechenlands noch vor Weihnachten möglich sei und die Regierung darüber informiert.

    Merkt denn niemand, wie fremdgesteuert wir sind?
    Sie loben uns in höchsten Tönen und sehen uns gleichzeitig dahinschmelzen.

    Norbert Walter, ehemaliger Chefvolkswirt der Deutschen Bank, rechnet mit einer Rezession in 2012 in Deutschland.
    Diese ganzen Vertragswerke werden uns in die Kniee zwingen.

    So ist das in "modern times"

  • Für mich ist das die bedingungslose Kapitualtion eines Adolfs ohne Schnurbart in weiblicher Person, namens Angela die völlig Debile!

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