US-Regierung lässt für Plätze im Pressezentrum zahlen
Teurer G8-Gipfel – für Medien

Normalerweise ist der sparsame Umgang mit Steuereinnahmen eine Zierde für Regierungen. Manchmal kann er aber auch diplomatischen Ärger verursachen – wie im Falle des G8-Gipfels auf Sea Island an der amerikanischen Ostküste.

BERLIN. Nicht genug damit, dass die meisten Journalisten beim Weltwirtschaftsgipfel in einem Pressezentrum in der Stadt Savannah untergebracht sind – rund 80 Meilen vom abgeschirmten Tagungsort entfernt. Nein, die US-Regierung will alle Medienvertreter, die einen Arbeitsplatz im Pressezentrum nutzen, erstmals dazu verpflichten, 350 Dollar Gebühr zu zahlen – plus 21 Dollar Steuern. Die Begründung: So ließen sich die Kosten für die Betreuung des anrückenden Journalisten-Heeres zumindest halbieren.

Doch weil dies international unüblich ist, hagelte es nicht nur Proteste von Journalisten, sondern mittlerweile auch von europäischen G8-Regierungen. Denn die Gebühr verteuere die Berichterstattung vom Weltwirtschaftsgipfel nicht nur erheblich, argumentiert etwa Regierungssprecher Bela Anda in einem Schreiben an US-Botschafter Daniel Coats. „Es würde zudem einen Präzedenzfall für künftige G8-Gipfel schaffen, der für die Presse nur schwer akzeptabel erscheint.“ Auch die Botschafter Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens in Washington sowie die so genannten „Sherpas“, also die Gipfelbeauftragten der G8-Regierungen, beugten sich deshalb über das Thema. Doch Washington bleibt stur: Man rückte nur von den ursprünglich geforderten 700 Dollar ab.

In Europa werden Journalisten dagegen bei der Berichterstattung etwa über internationale Großereignisse höchstens die Kosten für Telefongebühren oder Verpflegung abverlangt. Erst vergangenes Jahr hatte sich hier zu Lande die FDP eine Abfuhr für den Versuch eingeholt, dies zu ändern. Sie wollte von Journalisten, die über den Bundesparteitag in Bremen berichteten, eine Pauschalgebühr zum Ausgleich der entstehenden Kosten für das nötige Pressezentrum verlangen. Doch nach heftigen Protesten machten die Liberalen einen Rückzieher – auch eingedenk der Tatsache, dass man selbst an einer breiten Berichterstattung über das Ereignis interessiert war.

Transatlantischen Streit gibt es beim G8-Treffen übrigens noch über einen zweiten Punkt. Die US-Regierung untersagt den auf Sea Island zugelassenen offiziellen Fotografen der G8-Delegationen, dass diese später ihre Bilder weiterverkaufen dürfen. Auch hier protestierte die Bundesregierung, weil sich dies mit der deutschen Praxis stößt, dass solche Bilder auch für die Regierungs-Homepage oder von unabhängigen Medien genutzt werden können. Doch die Verantwortlichen in Washington ließen nicht mit sich reden: Gerade im US-Präsidentschaftswahlkampf will man verhindern, dass unvorteilhafte Bilder der Staatschefs in den Medien erscheinen – etwa solche von George W. Bush.

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