US-Regierung setzt in der Umweltpolitik auf Freiwilligkeit
Beim Klima bleibt es frostig

Eigentlich ist Jürgen Trittin in diesen Tag gut gelaunt. Ein „wahrhaft historisches Ereignis“ sei das Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls, lobt der deutsche Umweltminister. Kommt beim Klimaschutz jedoch die Rede auf die USA, schlägt die Gemütslage des Grünen in bittere Ironie um.

WASHINGTON/BERLIN. „Die tun ja viel um zu forschen“, sagt er scheinbar anerkennend: „Aber man braucht keine Forschung, um zu wissen, dass es klüger ist, ein Gebäude mit Isoliermaterial einzudämmen, als es über stromfressende Klimaanlagen zu temperieren.“ Das seien alles Ausreden, erregt sich Trittin. Tatsächlich betreibe Washington ein „unilaterales Powerplay.“

Seit dem Rückzug der Bush-Regierung aus dem Kyoto-Protokoll 2001 hat sich das transatlantische Klima in Sachen Ökologie deutlich abgekühlt. Für die amerikanische Regierung hat Wirtschaftswachstum absolute Priorität vor umweltpolitischen Vorgaben. Die Administration setzt auf freiwillige Abgas-Obergrenzen durch die Industrie sowie auf die Entwicklung umweltfreundlicher Technik wie Hybrid-Motoren. Im laufenden Jahr will Washington 5,8 Mrd. Dollar für die Erforschung des Klimawandels ausgeben. Erneuerbare Energien und Energie-Sparprogramme sollen mit Steueranreizen in Höhe von rund 700 Mill. Dollar gefördert werden.

Anders als die Teilnehmerstaaten des Kyoto-Protokolls, die sich bis 2012 weltweit auf eine Verringerung der Treibhausgase um rund fünf Prozent gegenüber dem Wert von 1990 festgelegt haben, will die US-Regierung die Emissionen nur im Verhältnis zu ihrer wachsenden Wirtschaftsleistung mindern. Bis 2012 soll die Abgas-Intensität um 18 Prozent sinken.

Bei seinem Nein zum Kyoto-Protokoll 2001 hatte Präsident George W. Bush die große Mehrheit des Kongresses hinter sich. Mittlerweile gibt es einige Senats-Initiativen, die sich für die Begrenzung der Treibhausgase stark machen. So brachten die Senatoren Joe Lieberman und John McCain einen Gesetzentwurf ein, nach dem die Obergrenzen für den Kohlendioxid-Ausstoß bis 2010 auf dem Niveau von 2000 festgeschrieben werden sollen. Das Papier sieht auch die Möglichkeit von Emissionshandel vor. Senator Chuck Hagel will in den nächsten Tagen eine Vorlage präsentieren, die allerdings keine verpflichtenden Grenzwerte enthält. Die Entwicklung von umweltfreundlichen Technologien soll demnach durch Steuergutschriften und günstige Kredite gefördert werden.

Mangels einer nationalen Regelung haben inzwischen einige US-Bundesstaaten die Initiative ergriffen. So hat unter anderem Kalifornien Obergrenzen für Treibhausgase eingeführt. Bis April wollen neun Staaten der Nordostküste von Vermont bis Delaware Vorschläge für eine Begrenzung der Kohlendioxid-Emissionen unterbreiten. Das Programm soll ab 2008 greifen.

Seite 1:

Beim Klima bleibt es frostig

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%