US-Regierung verärgert über Annan-Schreiben
Annan warnt vor Angriff auf Falludscha

Laut UN-Generalsekretär Annan könnte eine Großoffensive in Falludscha den politischen Wiederaufbau im Irak gefährden. Die Übergangsregierung reagierte ungehalten.

HB BERLIN.

UN-Generalsekretär Kofi Annan hat vor der Stürmung der irakischen Stadt Falludscha gewarnt. Der Großangriff, der laut US-Armee unmittelbar bevorsteht, könne die für Januar 2005 angesetzten Wahlen in dem Land gefährden, schrieb Annan in einem am Freitag veröffentlichten Brief an die Regierungen der USA, Großbritanniens und des Irak. Er forderte, die Verhandlungen mit den Aufständischen fortzusetzen.

«Die Androhung oder tatsächliche Anwendung von Gewalt könnte nicht nur das Gefühl der Entfremdung in bestimmten Gruppen verstärken, sondern würde auch die Wahrnehmung einer anhaltenden militärischen Besatzung wieder verstärken», warnte Annan. Dadurch könnten die Iraker davon abgehalten werden, sich an den Wahlen zu beteiligen. Zudem könnte eine Offensive auf Falludscha und weitere von Aufständischen kontrollierte Städte zu einer weiteren Eskalation der Gewalt führen.

Der UN-Generalsekretär bot die Hilfe der Weltorganisation bei der Vorbereitung und Durchführung der Wahlen an. «Wir brauchen aber ein förderliches Umfeld, wenn Wahlen ein positiven Effekt haben sollen», mahnte Annan.

Wie die BBC berichtete, reagierte die US-Regierung verärgert auf das Schreiben Annans, das Ende Oktober verfasst wurde. «Das ist Sache der irakischen Regierung und derjenigen, die dem irakischen Volk helfen wollen», sagte ein Sprecher der amerikanischen UN-Botschafters John Danforth.

Der irakische Ministerpräsident Ijad Allawi sagte, es sei «sehr unklar», was Annan mit dem Brief bezwecke. Wenn der Generalsekretär denke, er könne die Aufständischen von weiteren Gewalttaten abbringen, sei er willkommen, sagte er der BBC. Allerdings werde der Angriff nicht mehr lange auf sich warten lassen. Das Fenster für eine friedliche Lösung schließt sich«, so Allawi weiter.

Wie aus Uno-Kreisen verlautete, ist Annan bereit, die UN-Mission im Irak von derzeit 35 ausländischen Mitarbeitern aufzustocken. Bisher hatte er dies unter Verweis auf Sicherheitsbedenken abgelehnt. Zudem werde die Organisation in dem Land eine großangelegte Kampagne starten, um den Wahltermin ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

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