US-Republikaner
Auf in die Schlammschlacht

Die Tea Party holzt gegen Parteigrößen, Staatsgegner mucken auf: Der Zustand der US-Republikaner ist beklagenswert. Auf ihrer wichtigsten Konferenz beraten die Konservativen, wie ihre Krise zu lösen sein könnte.
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WashingtonWer seinen politischen Gegner besonders gemein beleidigen will, vergleicht ihn am besten mit einem Nazi. Das gilt in Deutschland ebenso wie in den USA. Dort machte neulich im Internet ein Porträt von Heinrich Himmler die Runde – doch auf den uniformierten Schultern saß nicht das Gesicht des Reichsführers-SS, sondern das von Karl Rove. Der war zu Bush-Zeiten ein mächtiger Strippenzieher und ist noch heute als Spendensammler eine graue Eminenz in der Republikanischen Partei.

Die geschmacklose Fotomontage stammte nicht aus linken Kreisen. Die Urheber kamen aus der Partei selbst: von einem Aktivisten der radikalkonservativen Tea Party. Rove müsse gestoppt werden, so der Absender, weil er die Gruppierung „zerquetschen“ wolle.

Der Skandal um das Nazi-Foto zeigt, in welchem Zustand sich die stolze Partei im Jahr 2013 befindet: zerstritten, orientierungslos, unbeliebt und noch immer in Schockstarre nach der verlorenen Wahl.

Moderate Kräfte beschuldigen Radikalkonservative, weil sie die Wähler abschreckten. Die Rechte beschuldigt die Mitte, weil sie die konservativen Prinzipien verrate. Die Tea Party hält alle anderen für Geldverschwender, während die libertäre Bewegung, die so wenig Staat wie möglich will, ständig gegen die Etablierten aufmuckt. Die einzige Klammer, die alle noch zusammenhält, ist der Kampf gegen den verhassten Demokraten im Weißen Haus – Präsident Barack Obama.

Dieses Kuddelmuddel wird sich in den kommenden drei Tagen auf engstem Raum verdichten: Ab heute versammeln sich die Konservativen zu ihrer wichtigsten Konferenz des Jahres, der CPAC. Der Anti-Steuern-Aktivist Grover Norquist nannte das Treffen das „Woodstock für Konservative“ – und zumindest was die Schlammschlacht angeht, dürfte er Recht haben.

Kommentare zu "Auf in die Schlammschlacht"

Alle Kommentare
  • Sara Palin ist ein gutes Beispiel für die Tea-Party im speziellen.
    Fanatisch, vollkommen frei von jedem belastendem Wissen über die Welt und was besonders schlimm ist, grundsätzlich unbelehrbar, empfänglich für finanzielle Hilfen und bereit, jeden Einfluß den sie in Amt und Würden bekommt, jederzeit für sich zu missbrauchen.

  • Wenn heute Ronald Reagan für einige Republikaner als
    "Heiliger" verklärt wird zeigt es doch das Grundproblem
    dieser "konservativen" Partei : die Ehrlichkeit zählt
    nicht, wenn sie zu schmerzhaften Erkenntnissen führt.
    Einer der Gründer der "Graswurzelbewegung Tea party"
    soll Ron Paul gewesen sein. Aber weil man machtgeil
    war hat man dessen Grundhaltung über Bord geworfen und
    sich gerade im letzten Wahlkampf derart ideologisiert
    unglaubwürdig gemacht, dass die Niederlage nur der
    verdiente Lohn war. Ron Paul hatte überzeugend
    dargestellt, dass die übermässig hohen Militärausgaben
    der USA, gestützt von einer unrealistischen Grossmacht-
    phantasie (die dem Ansehen der USA sehr geschadet hat),
    jeden Haushalt strangulieren, die Käuflichkeit durch
    Lobbyisten zu Vertrauensverlust führen muss und die
    Entwicklung des Staatsverständnis in Richtung
    sozialister Fürsorge die aktive Selbstverantwortlichkeit
    (ein US-Grundprinzip) der Bürger untergräbt. Usw.
    Nun ist er aus Altersgründen abgetreten und den Reps
    bleibt nur das Chaos und die Erinnerung an die glorreiche
    Vergangenheit. Selber Schuld, wenn man einem Kriegstreiber
    bei der Vorwahl den Vorzug gibt.

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