US-Republikaner: Gingrichs Fehltritte sind vergeben und vergessen

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Gingrichs Fehltritte sind vergeben und vergessen

Newt Gingrich scheint derzeit alles zu gelingen. Den zahlreichen Attacken aus den Medien weicht er nicht aus, sondern schlägt mit aller Kraft zurück. Das funktioniert sogar beim heiklen Thema des Ehebruchs.

Walterboro / South CarolinaViele andere hätte diese Frage erschüttert, verunsichert, vielleicht sogar zu Fall gebracht. Die Frage, die CNN-Moderator John King in einer Fernsehdebatte zwei Tage vor der Wahl in South Carolina Newt Gingrich stellte: Ob er, Gingrich, etwas zu den Einlassungen seiner Ex-Frau Marianne sagen wolle, er habe ihr einst eine „offene Ehe“ vorgeschlagen. Eine Ehe, die Newt Gingrich eine parallele Beziehung zu seiner Geliebten Callista erlauben würde.

Doch Newt Gingrich, der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses, schluckte nur kurz und holte dann zum Gegenschlag aus – und attackierte mit unglaublicher Vehemenz John King, CNN und die Medien insgesamt, deren einziges Ziel es sei, Barack Obama zu schützen. Gingrich bediente sich dabei eines Tricks, den er erfolgreich schon häufiger angewandt hatte: Nicht den Verursacher der schlechten Nachrichten, sonderen deren Überbringer verantwortlich zu machen. Und je konservativer das Publikum, desto besser funktioniert diese Strategie. Sie baut auf das weitverbreitete Stereotyp, dass die USA von liberalen Medien beherrscht würden, die die Menschen manipulierten.

Nicht gestoppt hatten deshalb die Anschuldigungen der Ex-Frau den Aufwind für Newt Gingrich, sondern das Gegenteil war der Fall: Der 68-Jährige konnte nach dem Schlagabtausch seine Sympathiewerte bei den republikanischen Wählern noch erhöhen. So sehr, dass er am Ende Mitt Romney deutlich auf den zweiten Platz verwies. Jenen Mitt Romney, der seit Wochen in South Carolina geführt hatte und wie der sichere Sieger der Wahl aussah. Jenen Mitt Romney, der seit 42 Jahren mit seiner Frau Ann verheiratet ist, fünf Söhne hat, die stets adrett in Pulli und Hemd mit eingeschlagenem Kragen neben ihm auf der Bühne stehen, und der nie eine Affäre oder auch nur ein Affärchen gehabt hat. Jenen Mitt Romney, der das anständige, saubere, ordentliche und erfolgreiche Amerika verkörpert.

Geschlagen von Newt Gingrich, der oft launisch sein kann, oft undiszipliniert, mal selbstzerstörerisch ehrlich, mal gerissen taktisch und oft unerhört smart. Und der eine lange Vergangenheit als Frauenheld hat. Das ist es, was Mitt Romney am meisten ärgern, verstören, ja an sich zweifeln lassen muss. Nicht so sehr dass er verloren hat. Sondern dass er gegen einen Konkurrenten verloren hat, der soviel Fehler, so viele Schwächen, so viel Vergangenheit hat.

Warum das so ist? Der Durst des konservativen Amerikas nach einem echten Vertreter ihrer Gesellschaftslehre ist so groß, dass es in diesem Jahr 2012 bereit ist, über mehr als sonst hinwegzusehen – oder es leicht zu nehmen. Als die Nachricht über die Enthüllungen von Marianne Gingrich durchzusickern beginnen, ist Gingrich gerade auf einer Wahlveranstaltung in Walterboro, tief in den Wäldern von South Carolina, um vor den Jägern und Anglern, den Low Country Sportsmen, zu sprechen. Die Stimmung ist glänzend, das Barbecue schmeckt, auch das Bier, man ist ausnehmend höflich zueinander und zu den Fremden, die es nur selten in diese Ecke des Bundesstaates verschlägt. Und man freut sich darauf, dass Newt Gingrich bald da sein wird, einer von ihnen.

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Zwei gescheiterte Ehen

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