US-Rettungspaket
Trichet: Kein Ende der Finanzkrise in Sicht

Während die OECD das 700-Milliarden-Dollar-Rettungspaket der US-Regierung als den richtigen Weg zur Stabilisierung der Finanzmärkte lobt, schlägt EZB-Präsident Jean-Claude Trichet pessimistische Töne an: Nach dem jüngsten Höhepunkt der Turbulenzen auf den Finanzmärkten sei noch lange kein Ende der Krise in Sicht.

HB FRANKFURT/PARIS. „Es ist ein fortdauerndes Phänomen, das von allen Regierungen und ganz gewiss von den Zentralbanken ständige Wachsamkeit erfordert“, sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, am Montagabend in einem Interview mit dem Sender „Euronews“. Er erwarte weiter turbulente Episoden auf den Märkten und hektisches Verhalten der Marktteilnehmer.

Trichet forderte mehr Transparenz im Weltfinanzsystem. Insbesondere müssten die undurchsichtigen Finanzinstrumente, „die geradezu giftig gewirkt haben“, durchschaubarer werden. Ein wesentlicher Auslöser für die weltweite Krise war der Handel mit faulen US-Immobilienkredit-Paketen, deren Zusammensetzung vielen Akteuren unbekannt war. „Es bringt nichts, jemanden zum Sündenbock zu machen. Das gesamte System muss auf den Prüfstand, und dabei müssen wir vorsichtig sein“, sagte Trichet.

Eine Kreditklemme in Europa als Folge der Krise sieht der EZB-Präsident nicht: „In der Euro-Zone sind Kredite für Firmen, Unternehmen und Konzerne nach wie vor dynamisch.“

Am Dienstag stellte die EZB zum vierten Mal einen Dollar-Schnelltender mit einem Volumen von bis zu 40 Milliarden Dollar bereit. Auch an deren Notenbanken beteiligten sich an derartigen Interventionen.

Die US-Regierung hatte angekündigt, 700 Milliarden Dollar für die Stützung der Finanzmärkte ausgeben zu wollen. Mit einem Rettungsfonds sollen Problem-Hypotheken für Wohn- und Geschäftsimmobilien sowie mit Hypotheken besicherte Wertpapiere gekauft werden, die auf den Bilanzen der Finanzinstitute und der Wirtschaft lasten.

Die OECD sieht im Rettungsplan der US-Regierung den richtigen Weg zur Stabilisierung der Finanzmärkte. Die Ankündigung des 700-Milliarden-Dollar-Programms habe schon zur teilweisen Normalisierung der Turbulenzen geführt, sagte der Generalsekretär der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Angel Gurría, am Dienstag in Paris. „Die Erholung wird sich fortsetzen, sobald die Einzelheiten geklärt sind und der Plan in Gesetze gegossen wird.“

Indem die weitere Verschuldung von Finanzinstitutionen gestoppt werde, diene der Rettungsplan der Stabilisierung der Wirtschaft in den USA und darüber hinaus, sagte Garria. In der Krise habe sich ein schwerwiegendes Regulierungsversagen gezeigt. Reformen zur besseren Kontrolle und Überwachung der Finanz- und Kapitalmärkte müssten deswegen dringend umgesetzt werden.

Unterdessen nimmt das US-Rettungspaket für den US-Finanzmarkt konkrete Konturen an. Die demokratische Parlamentspräsidentin Nancy Pelosi erklärte, das Gesetzespaket könne schon „bald“ verabschiedet werden. Die US-Regierung will die 700 Milliarden Dollar durch Steuern aufbringen und braucht deswegen das Einverständnis des Kongresses. Aus Kreisen des Kongresses verlautete, eine Abstimmung im Repräsentantenhaus sei schon am Mittwoch oder Donnerstag möglich.

Zuvor müssen sich am Dienstag aber noch Finanzminister Henry Paulson und Notenbankchef Ben Bernanke, die Architekten des Rettungsplans, am Dienstag in einer Anhörung den kritischen Fragen der Abgeordneten und Senatoren stellen. Die Bundesregierung hat klargestellt, dass Deutschland sich nicht an dem Rettungsplan beteiligen wird.

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