International

_

US-Schuldenkrise: Amerika vor dem Vulkanausbruch

Amerika ist ein Land im Verschuldungswahn. 51-mal wurde die Schuldengrenze seit 1980 angehoben, um die Staatspleite zu verschleiern. Der Tag der Abrechnung rückt näher.

Die Schuldenuhr der USA  in der Nähe des Times Squares in New York tickt unaufhörlich. Quelle: dpa
Die Schuldenuhr der USA in der Nähe des Times Squares in New York tickt unaufhörlich. Quelle: dpa

DüsseldorfStellen wir uns 848 Milliarden Dollar vor: eine unglaubliche Summe Geld. So hoch lag die Staatsverschuldung der USA - aber im Jahr 1980. Es war das Jahr, in dem der Vulkan Mount St. Helens im Bundesstaat Washington ausbrach. 57 Menschen starben damals, und die Welt war überzeugt, die Naturgewalten seien Amerikas größtes Problem. Gut 30 Jahre später droht dem Land erneut ein verheerender Vulkanausbruch, allerdings an der Wall Street. So tapfer sich Amerika regelmäßig gegen Überflutungen und Hurrikane stemmt, zum überragenden Problem sind seine außer Kontrolle geratenen Finanzgewalten geworden. Während die Wall Street stur auf eine Nation wie Griechenland blickt, die über die Wirtschaftskraft eines Mini-Bundesstaats wie Connecticut verfügt, spielt sich das wahre Finanzdesaster in der größten Volkswirtschaft der Welt ab. Die Staatsschulden der USA liegen heute 17-mal so hoch wie 1980. Die vom Kongress festgelegte Schuldengrenze wurde seitdem 51-mal erhöht, zuletzt fast im Quartalstakt. Investoren hoffen und setzen darauf, dass auch der 52. Versuch klappen wird: "Mach's noch einmal, Uncle Sam" - an Übung fehlt es ja nicht.

Anzeige

Schuldenkrise Zehn unangenehme Wahrheiten über die USA

  • Schuldenkrise: Zehn unangenehme Wahrheiten über die USA
  • Schuldenkrise: Zehn unangenehme Wahrheiten über die USA
  • Schuldenkrise: Zehn unangenehme Wahrheiten über die USA
  • Schuldenkrise: Zehn unangenehme Wahrheiten über die USA

Von einem ungefährlichen Routine-Handgriff ist Washington im Sommer 2011 aber weit entfernt. US-Präsident Barack Obama samt seinen politischen Freunden und Widersachern bleiben keine 20 Tage mehr, um die Zahlungsunfähigkeit des Landes abzuwenden. Nie standen sich Demokraten und Republikaner in ihren Schützengräben unversöhnlicher gegenüber: 2 000 Milliarden Dollar Einsparungen fordert das republikanische Lager über zehn Jahre, um teure Sozialprogramme wie Medicare zu schleifen und Obamas Wirtschaft bis zu den Präsidentschaftswahlen zurück in die Rezession zu schicken. Die Demokraten indes wollen Unternehmen und Reiche höher besteuern - eine Idee, die bei Konservativen seit jeher auf der Verbotsliste steht. Dabei gilt unter Experten als unstrittig, dass Amerika beides benötigt. Die sagenhafte Summe von 14 294 Milliarden Dollar Staatsschulden lässt sich nicht über das Streichen der Potenzpille Viagra als Rentnermedizin abbauen. Der ganz große Deal muss her, längst sind Billionen statt Milliarden aufgerufen. Dass Washingtons führende Politiker zu einer solchen Sparaktion in der Lage sein könnten, muss nach monatelangen Vorgesprächen und vier Verhandlungsrunden ohne den Hauch einer Annäherung bezweifelt werden.

  • 17.07.2011, 11:06 Uhrsinsala1986

    es ist nunmal lachhaft, unverständlich, nicht objektiv, intransparent, Willkürlichkeit und Befangenheit vermutend, dass die USA immer noch ihr Tripple-A-Top-Rating besitzen (auch wenn die US-Ratingagenturen mit einer Abstufung drohen) und die europäischen Schuldenstaaten, welche für den Abbau ihrer Schulden gehandelt haben und die Gemeinschaft (die EU, IWF etc.) dort auch interagiert, einfach auch Ramschniveau abgestuft werden. Dies zeigt keine Verhältnismäßigkeit.

    Ein weiteres Beispiel: Der US-Bundesstaat Minnesota ist seit Anfangs diesen Monats zahlungsunfähig. Die Behörden haben ihre Arbeit eingestellt. Nationalparks bleiben mitten in der Hochsaison geschlossen, Bauarbeiten an Schnellstraßen wurden am Wochenende eingestellt, 22.000 staatliche Bedienstete bekommen auf unabsehbare Zeit kein Gehalt und bleiben vorerst zu Hause. Und die Ratingagentur Fitch stuft Minnesota nur von AAA auf AA+ herab.

    Meiner Meinung nach sollten die Ratingagenturen, die eine solche Willkürlichkeit an den Tag legen, in Europa verboten werden, denn ein representatives Rating für Anleger stellt dies ja keines Wegs dar.

  • 17.07.2011, 10:27 UhrHeinrichDorfmann

    Die Goldmänner herrschen. Mehr ist dazu nach wie vor nicht zu sagen. Das kommende Unheil ist geplant und erwünscht.

  • 16.07.2011, 23:40 UhrPedro

    Halten doch lieber Sie die Klappe!

    Im Vergleich zu den USA ist die Eurozone ein Paradies.

  • Die aktuellen Top-Themen
Verbandschef Grillo: BDI macht Regierung für Konjunkturflaute mitverantwortlich

BDI macht Regierung für Konjunkturflaute mitverantwortlich

Für die Verbesserung der Wettbewerbsbedingungen habe die Bundesregierung zu wenig getan, urteilt der BDI. Verbandspräsident Ulrich Grillo fordert jetzt mehr Investitionen in die Infrastruktur und des schnellen Internets.

Bei der Marine: Hubschrauberprobleme seit 2011 bekannt

Hubschrauberprobleme seit 2011 bekannt

Die Marine hat derzeit mit Technikproblemen zu kämpfen, von den insgesamt 43 Hubschraubern sind nur noch fünf einsatzfähig. Jetzt kommt heraus: Die Materialschwäche ist lange bekannt, doch gemacht wurde noch nichts.

Seit Sommer 2010: Niedrige Inflation stärkt Kaufkraft der Deutschen

Niedrige Inflation stärkt Kaufkraft der Deutschen

Das Leben in Deutschland verteuerte sich so gering wie seit dem Sommer 2010 nicht mehr. Das freut die Verbraucher, die dank steigender Löhne in bester Konsumlaune sind. Die höchsten Gehälter erhielten Banken-Mitarbeiter.

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International