US-Senatswahl
Alle Augen ruhen auf Virginia

Bei der US-Senatswahl droht eine ähnliche Hängepartie wie bei der Präsidentschaftswahl im Jahr 2000: In Virginia liefern sich der republikanische Amtsinhaber George Allen und sein demokratischer Herausforderer Jim Webb ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Schon wird über eine Neuauszählung spekuliert. Das Ergebnis in diesem Staat ist entscheidend.

HB RICHMOND. Der Demokrat Jim Webb erklärte sich trotz eines nur hauchdünnen Vorsprungs zum Sieger: „Die Stimmen sind ausgezählt, und wir haben gewonnen“, erklärte er, Webb, obwohl die Zählung noch andauerte. Nach Auszählung von 99 Prozent der Wahlbezirke kam Webb auf 49,57 Prozent und sein Konkurrent George Allen auf 49,32 Prozent. Das Endergebnis wurde noch im Laufe des heutigen Mittwochs erwartet; wie viele Briefwahlstimmen noch nicht ausgewertet waren, war nicht bekannt.

Das Ergebnis des Staates könnte letztlich über die Mehrheitsverhältnisse im Senat entscheiden. Das Gesetz von Virginia sieht keine automatischen Nachzählungen vor. Falls der Abstand zwischen den Kandidaten jedoch bei einem halben Prozent oder weniger liegt, kann der Zweitplatzierte eine Nachzählung auf Staatskosten beantragen. Wenn der Abstand zwischen einem und einem halben Prozent liegt, kann er ebenfalls einen solchen Antrag stellen, muss dann aber selbst für die Kosten der Nachzählung aufkommen. Sollte es zu einer Neuauszählung kommen, könnte diese bis Dezember dauern.

 Infografiken: Die Wahlergebnisse im Überblick

Der frühere Gouverneur Allen galt noch vor wenigen Monaten als klarer Favorit und möglicher Anwärter für die republikanische Präsidentschaftskandidatur 2008. Im August sorgte er jedoch landesweit für Empörung, als er einen Mann indischer Abstammung als „Makaken“ bezeichnete. Allen entschuldigte sich später dafür, hatte jedoch zu dem Zeitpunkt schon viele Sympathien eingebüßt, wovon Webb profitierte. Dieser war ursprünglich ebenfalls Republikaner, wechselte jedoch wegen seines Widerstands gegen den Irak-Krieg zu den Demokraten.

Mit Hochspannung wurde auch die Auszählung in Montana verfolgt. Wie die Internetseite CBSNews.com am Abend berichtete, schlug der Demokrat Jon Tester den republikanischen Senator Conrad Burns in Montana. Damit blieb nur noch das Rennen um ein Senatorenposten in Virginia offen.

Erinnerung an den Präsidentschaftswahlkampf im Jahr 2000 wurden wach. Damals stand erst fünf Wochen nach dem Wahltag Bush als neuer Präsident fest.

Das Abgeordnetenhaus dagegen haben die Demokraten nach zwölf Jahren mit deutlichem Vorsprung zurückerobert. Hier werden die Demokraten nach Prognosen von US-Fernsehsendern ihre Zahl der Mandate von 201 auf 235 ausbauen können. Bereits der Zugewinn von 15 Sitzen hätte für die Rückeroberung der Kammer ausgereicht. Die Republikaner werden demnach künftig 200 Abgeordnete stellen.

In jedem Fall dürften die Mehrheitsverhältnisse in beiden Kammern künftig äußerst knapp ausfallen. Beobachter befürchten deshalb in den kommenden zwei Jahren bis zur Präsidentschaftswahl 2008 lähmende Debatten und erbitterte Positionskämpfe im Parlament.

Mit Spannung wird erwartet, welche Kandidaten die Demokraten ins Rennen um das höchste politische Amt der USA schicken werden. Gute Aussichten hat Hillary Clinton. Die Frau des ehemaligen Präsidenten Bill Clinton verteidigte wie erwartet ihren Senatssitz.

Außenpolitisch dürfte die Regierung dennoch versuchen, auf Kurs zu bleiben, auch im Irak. Der Präsident sei der Architekt der US-Außenpolitik und wisse, was im Irak auf dem Spiel stehe, betonte der US-Botschafter in Bagdad, Zalmay Khalilzad.

Viele europäische Politiker werteten den Wahlausgang als Denkzettel für die Bush-Regierung. Politiker von Union und SPD rechneten mit höherem Druck auf Deutschland, sich stärker an Militäreinsätzen zu beteiligen. Der Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-amerikanischen Beziehungen, Karsten Voigt, sagte, die Demokraten würden von den US-Verbündeten voraussichtlich mehr Engagement in den Krisenherden der Welt fordern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%