US-Soldaten auf der Suche nach Saddam
Spannungen zwischen Volksgruppen im Irak eskalieren

Im besetzten Irak nehmen die Spannungen zwischen den einst von Präsident Saddam Hussein und seiner Führung gewaltsam unterdrückten Volksgruppen zu.In der südirakischen Stadt Nadschaf forderten am Montag mehrere tausend Schiiten Rache für einen Anschlag auf einen prominenten Geistlichen, bei dem am Vortag drei seiner Leibwächter getötet wurden.

Reuters NADSCHAF. Das Attentat zielte offenbar auf Ajatollah Mohammed Saeed el Hakim, der leichte Verletzungen erlitt. Seine Anhänger machen eine rivalisierende Schiitengruppe um den Geistlichen Moktada el Sadr für die Tat verantwortlich und kündigten Vergeltung an. Im Norden des Landes war es zuvor zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Kurden und Turkmenen gekommen, bei denen mindestens zwölf Menschen starben. Den Besatzungstruppen aus den USA, Großbritannien und verbündeten Staaten ist es bislang nicht gelungen, Ruhe und Sicherheit im Irak zu gewährleisten. Auch Saddam ist trotz intensiver Fahndung noch immer nicht gefunden worden. Der von den Attentätern in Nadschaf ins Visier genommene Hakim ist der Onkel des Vorsitzenden des Obersten Rats der Islamischen Revolution im Irak (SCIRI), Ajatollah Mohammed Baker el Hakim. Einige Schiiten, vor allem die Anhänger Sadres, kritisieren den Rat für seine Kooperation mit der US-geführten Verwaltung im Irak. Die Moslemgruppe der Schiiten stellt die Mehrheit im Irak. Die Mitglieder von Saddams Führung stammten meist aus sunnitischen Familien. Die Schiiten wurden ebenso wie die Kurden und Turkmenen im Norden des Landes gewaltsam unterdrückt. Nun scheinen aber Rivalitäten innerhalb und zwischen diesen Gruppen in den Vordergrund zu rücken. Polizistenausbildung in Ungarn Die Auseinandersetzungen bei den Schiiten brachen gleich nach dem Sturz Saddams aus. Nur einen Tag nach dem Fall Bagdads, wurde der schiitische Geistliche Abdul Madschid el Choei von einer aufgebrachten Menge in der Moschee von Nadschaf getötet. Die Stadt beherbergt mit dem Grab Alis das größte Heiligtum der Schiiten. Er wird von ihnen als Kalif und Cousin des Propheten Mohammed verehrt. Bei den Auseinandersetzung geht es auch um Führung und Einfluss in der großen Volksgruppe der Schiiten. Im Norden konzentrieren sich die Auseinandersetzung auf das Gebiet um die Ölstadt Kirkuk. „Sie ist eine Stadt Kurdistans, in der auch Nicht-Kurden leben“, sagte der Chef der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) in Kirkuk, Rusgar Ali. Differenzen zwischen ihnen würden von Extremisten hereingetragen. Viele Turkmenen machen indes die PUK für die Eskalation verantwortlich. Ahmet Muratli, ein Vertreter der Irakischen Front der Turkmenen, warf den US-Truppen vor, sie schützten seine Landsleute im Irak nicht. In der türkischen Hauptstadt Ankara forderte er am Montag, dass die Türkei Truppen in den Irak entsenden solle, um die Turkmenen zu schützen. Das Volk siedelt seit der Zeit des Osmanischen Reiches in dem Gebiet. US-Truppen auf der Suche nach Saddam Die US-Truppen stehen seit Wochen in der Kritik, weil es ihnen nach dem Sturz Saddams nicht gelungen ist, Sicherheit und Ruhe im Land zu gewährleisten und die Versorgung der Bevölkerung zu sichern. Auch der Aufenthaltsort Saddams ist nach wie vor unbekannt. Es werde für ihn aber immer enger, sagte ein US-Offizier am Montag. Er wechsle vermutlich alle zwei Stunden seinen Unterschlupf. Seine Tage seien gezählt, sagte Oberst James Hickey in Tikrit. Ähnlich hatten sich sich andere Offiziere in den vergangenen Wochen geäußert. Zur Verbesserung der Sicherheitslage sollen nach Informationen der „New York Times“ bis zu 28 000 Iraker in Ungarn zu Polizisten ausgebildet werden. Die US-Behörden hätten von Ungarn die Erlaubnis erhalten, auf einem früher von der sowjetischen Armee genutzten Militärstützpunkt eine große Polizeischule zu errichten, berichtete das Blatt am Montag unter Berufung auf Bernard Kerik, einem früheren New Yorker Polizeibeamten, der gegenwärtig für das irakische Innenministerium verantwortlich ist. Mit der Ausbildung sollen die Iraker nach Keriks Worten ermutigt werden, selbst wieder eine größere Rolle bei der Führung des Landes zu übernehmen. Die ersten 1500 Polizeischüler sollen in etwa vier Monaten zu einem achtwöchigen Intensivlehrgang in Ungarn eintreffen. Die Ausbildung solle dann im Irak fortgesetzt werden, sagte Kerik.

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