US-Steuerflucht: Schweizer Banken drohen Konsequenzen

US-Steuerflucht
Schweizer Banken drohen Konsequenzen

An der US-Steuer vorbei aufs Schweizer Konto? In langwierigen Verhandlungen hat die Schweiz versucht, Ermittlungen gegen Banken zu beenden und die USA zu besänftigen. Nun soll es einen Entwurf zur Einigung geben.
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WashingtonDie Schweiz hofft auf die baldige Beilegung ihres langen Streits mit den USA über Hilfen Schweizer Banken für reiche US-Bürger bei der Steuerflucht. Die Schweizer Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf sagte am Freitag in Washington am Rande der IWF-Frühjahrstagung: "Wir möchten so schnell wie möglich ... einen Weg finden und die Lösung haben."

Derzeit werde ein konkreter Lösungsvorschlag diskutiert. Sie könne jedoch nicht vorhersagen, wie lange ein Ergebnis noch auf sich warten lassen werde.

Widmer-Schlumpf erläuterte, sie sei in Washington auch mit dem neuen US-Finanzminister Jack Lew zusammengetroffen. Der habe aber darauf verwiesen, das für die Entscheidung über die diskutierte Lösung am Ende das Justizministerium maßgebend sei.

Eine Person, die mit dem Thema vertraut ist, sagte Reuters, beide Seiten hätten sich auf ein Grundkonzept für eine Lösung des Problems verständigt. Nach diesem Vorschlag müssten mehr als 300 Schweizer Banken mit unterschiedlichen Konsequenzen rechnen, und zwar entsprechend dem Umfang, in dem sie reichen US-Kunden geholfen haben, Geld vor dem heimischen Fiskus zu verstecken.

Nach Ansicht der Industrieländerorganisation OECD hinkt die Schweiz im internationalen Kampf gegen Steueroasen weiter hinterher. Die Eidgenossen erfüllen noch nicht die Standards zur internationalen Amtshilfe in Steuerfragen, wie aus einem aktuellen Fortschrittsbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervorgeht.

Beim Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) am Freitag in Washington legte die OECD eine Liste von 14 Ländern vor, die die weltweiten Vorgaben zum Informationsaustausch noch nicht einhalten. Neben der Schweiz gehören dazu auch die Vereinigten Arabischen Emirate sowie Panama.

Ein striktes Bankgeheimnis hat die Schweiz zu einem Zielort für rund zwei Billionen Dollar an Vermögen aus dem Ausland gemacht. Nach der Finanzkrise mit ihren Folgen für die staatlichen Haushalte war das Land jedoch immer stärker unter internationalen Druck gekommen, mehr Transparenz zu schaffen.

Die Schweizer Regierung hat in langwierigen Verhandlungen versucht, auf ein Ende der Ermittlungen gegen Schweizer Banken wie Credit Suisse und Julius Bär hinzuwirken. Im Gegenzug akzeptierte sie empfindliche Strafen und stimmte der Weitergabe von Kunden-Daten zu.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " US-Steuerflucht: Schweizer Banken drohen Konsequenzen"

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  • wenn es nur alle so leicht hätten wie die Abgeordneten: die beschließen einfach für sich selbst Diätenerhöhung...und keiner kann dagegen was tun... Die Schweiz ist neben Norwegen bald das einzige Land, wo noch Wohlstand für die Bürger herrscht und nicht nur für paar Bemate...

  • @mannomann
    Danke. Schön zusehen das man nicht alleine mit seiner Meinung ist. Ich habe schon vor Jahren die Konsequenzen gezogen und schaue mir die deutsche "Götterdämmerung" aus den steuergünstigen Ausland an. Ohne deutsche Schadenfreude. Ich wollte meinen Söhnen und mir die Steuer in D ersparen.

  • Hallo Fruehaufsteher, es beruhigt ungemein, dass es offensichtlich noch (ausser mir selber) Leute gibt, die das durchschaut haben. Danke für den Text !

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