US-Studie
Unter der Arktis lagern 90 Milliarden Barrel Öl

Weil der Ölpreis explodiert, suchen viele Industriestaaten Alternativen zum unsicheren Öl aus der Golfregion. Statt in der Wüste, soll nun im ewigen Eis gefördert werden. Laut einer Studie der US-Fachbehörde Geological Survey lagern allein im arktischen Eismeer rund 90 Milliarden Barrel Öl - 13 Prozent der unentdeckten globalen Ölreserven.

OTTAWA. In der Arktis lagern vermutlich 90 Milliarden Barrel Erdöl und fast 50 Billionen Kubikmeter Erdgas, die noch nicht entdeckt sind, nach dem heutigen Stand der Technik aber gefördert werden könnten. Eine entsprechende Studie über Energievorräte im arktischen Polarkreis hat die US-amerikanische Fachbehörde Geological Survey (USGS) vorgelegt. Die Vorräte liegen überwiegend im Eismeer in Küstennähe, ein geringerer Teil auf Land.

Die Daten dürften das Interesse der Arktisstaaten stärken, ihre Grenzen über die 200-Meilen-Zone hinaus auszuweiten. Um die Aufteilung der Arktis hat es in der Vergangenheit heftige diplomatische Auseinandersetzungen gegeben: Russland, Norwegen, Kanada und Grönland beanspruchen die wirtschaftlichen Nutzungsrechte für die Meeresböden im nördlichen Polarkreis.

Die Daten sind aber auch ein Dämpfer für diejenigen, die das gesamte Nordpolarmeer als großes, lukratives Ölförderfeld sehen: Im tiefen Ozeanbecken scheint wenig Potenzial für Öl- und Gasförderung zu liegen. Für Ölunternehmen ist der Arktische Ozean dennoch interessant, weil hier das Kontinentalschelf weiter ins Meer reicht als im Atlantik und im Pazifik. Über dem Schelf ist der Ozean meist weniger als 500 Meter tief. „Der extensive arktische Festlandsockel könnte das geografisch größte unerforschte künftige Gebiet für Petroleum sein, das auf der Erde verblieben ist“, schreibt die USGS.

Donald Gautier, Wissenschaftler an der USGS, betont allerdings, dass die Vorkommen vermutlich weitgehend in Bereichen des Ozeans zu finden seien, in denen die Hoheitsrechte durch die 200-Meilen-Zone bereits geregelt sind. Das tiefe arktische Becken dürfte dagegen weniger reich an Öl und Gas sein. Daher hält Gautier Erwartungen, der arktische Ozean sei ein Eldorado, für eine Übertreibung.

Die Berechnungen der USGS basieren auf der geologischen Struktur von 25 der 33 geologischen „Provinzen“ des Arktisraums nördlich des 66. Breitengrades. Die Wissenschaftler verglichen dabei die Bodenformationen dieser Region mit bekannten Formationen, aus denen Öl und Gas gefördert werden. Die USGS hatte bereits im Jahr 2000 eine vorläufige Schätzung aufgrund lückenhaften Datenmaterials vorgenommen. Damals war sie zu dem Ergebnis gekommen, dass 23,9 Prozent der geschätzten unentdeckten Ölreserven und 27,6 Prozent der Gasressourcen in den geologischen Provinzen der Arktis existieren.

Diese Zahlen wurden nun nach unten korrigiert – imposant sind sie jedoch weiterhin: Die vermuteten 90 Milliarden Barrel stellen 13 Prozent der unentdeckten globalen Ölreserven dar, die rund 48 Billionen Kubikmeter Erdgas etwa 30 Prozent der unentdeckten Gasreserven. Umgerechnet in Öl-Äquivalent, addieren sich die Vorräte auf 412 Milliarden Barrel Öl oder 22 Prozent der unentdeckten, technisch abbaubaren Reserven der Welt. Gegenwärtig gibt es USGS-Experte Gautier zufolge weltweit 1,14 Billionen Barrel nachgewiesene Reserven an konventionellem Öl. Darin nicht enthalten sind rund 175 Milliarden Barrel, die als „unkonventionelles Öl“ im Teersand Kanadas lagern.

84 Prozent der geschätzten Ressourcen in der Arktis liegen im Meer. Für die Ölgewinnung sind die Zonen Alaska, das amerasische Becken entlang des kanadischen Archipels bis nach Russland sowie das ostgrönländische Bassin interessant. Bei Gas liegt das Schwergewicht im westsibirischen Becken, im östlichen Barents-Becken und erneut in Arctic Alaska.

Die USGS-Experten machten deutlich, dass diese Zahlen auf Wahrscheinlichkeitsberechnungen beruhten und mit Risiken behaftet sind. Die Berechnung basiert zudem allein auf geologischen Daten und der heutigen Fördertechnik. Ob eine Förderung angesichts des vorhandenen Eises und bei größeren Tiefen wirtschaftlich rentabel ist, sagt diese Studie nicht. Die USGS will nun die Ressourcen in Relation zu möglichen Kosten setzen. Auch Umweltkosten wurden in dieser Studie nicht berücksichtigt.

Trotz der im Vergleich zu früheren Schätzungen zurückhaltenderen Bewertung sehen Analysten ein hohes Potenzial für Ölförderung im Arktischen Ozean, der durch Klimawandel immer mehr Eis verliert und zugänglicher wird. Die Vorräte seien „massiv“, sagte William Lacey von FirstEnergy Capital in Calgary der kanadischen Zeitung „Globe and Mail“. Die Daten unterstrichen, warum es „einige potenzielle Grenzdispute im Norden“ geben könnte.

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