US-Truppen greifen Innenstadt von Falludscha an - Landesweit mehr als 80 Tote seit Sonntag
Elf Iraker sterben im Bombenhagel

Elf Menschen starben am Montag bei Angriffen der US-Luftwaffe auf die irakische Stadt Falludscha, darunter nach Angaben eines Arztes Frauen und Kinder. Seit Sonntag kamen im ganzen Land weit mehr als 80 Menschen um.

HB FALLUDSCHA/BAGDAD. Parallel zum Bombardement aus der Luft griffen Panzer in die Kämpfe ein. Eine Granate traf einen Krankenwagen; der Fahrer und sein Begleiter starben. Die Bomben schlugen in dem Viertel ein, in dem auch das Krankenhaus liegt. Die amerikanischen Soldaten bombardierten damit erstmals seit Monaten Ziele in der Innenstadt. Bislang richteten sich die US-Luftangriffe gegen mutmaßliche Terroristen-Verstecke vor allem an der südlichen und östlichen Peripherie von Falludscha.

Das örtliche Krankenhaus bezifferte die Zahl der Toten mit elf, nachdem in ersten Berichten von sieben die Rede war. Zehn Menschen seien verletzt worden. Unter den Opfern sind laut Ärzten auch Frauen und Kinder. Hunderte Familien fliehen aus der umkämpften Stadt, die von Aufständischen kontrolliert wird. Über Lautsprecher forderten US-Soldaten die Bewohner auf, mit ihnen zu kooperieren und „Terroristen aus dem Stadtzentrum zu vertreiben.“

Wie das US-Militär am Montag in Bagdad erklärte, richtete sich der „Präzisionsschlag“ gegen den „bestätigten Ort eines Treffens von Abu-Mussab-el-Sarkawi-Terroristen“. Zum Zeitpunkt des Luftangriffs hätten sich dort nur Angehörige des Netzwerks des jordanischen Terroristen El Sarkawi aufgehalten. Der Schlag sei „wirksam und genau“ gewesen und habe „das Leben unschuldiger Zivilisten verschont“.

Die jüngste Welle von Autobomben-Anschlägen und Gefechten hat im Irak seit Sonntag weit mehr als 80 Menschen das Leben gekostet. Das Gesundheitsministerium in Bagdad berichtete am Montagmorgen, alleine in den Krankenhäusern von Bagdad, Ramadi, Hilla und Mosul seien seit Sonntagmorgen 77 Tote und 202 Verletzte gezählt worden.

Auf einer Islamisten-Website tauchte unterdessen eine Erklärung auf, in der sich Extremisten mit ihren „siegreichen“ Anschlägen vom Sonntag brüsten. Unterzeichnet ist die Seite „El Tawhid wa El Dschihad“. So heißt die Gruppe des jordanischen Top-Terroristen Abu Mussab el Sarkawi. Die Website zeigt auch Fotos, auf denen ein am Sonntag im Zentrum von Bagdad zerstörter US-Panzer zu sehen ist. Darauf stehen Männer, die eine Fahne mit der dem Namen der Terrorgruppe schwenken.

US-Außenminister Colin Powell sagte, die Koalitionstruppen machten im Irak eine „schwierige Zeit“ durch. Doch werde der Aufstand bis zu den für Januar 2005 geplanten Wahlen „unter Kontrolle“ gebracht werden. Das sei keine „unmögliche Aufgabe“, betonte Powell im US-Fernsehsender NBC am Sonntag.

Nach der Entführung zweier Italienerinnen im Irak reist der römische Außenminister Franco Frattini zu Gesprächen an den Golf. Erste Station seiner Reise sei am Montag Kuwait, teilte das Außenministerium in Rom am Sonntag mit. Dort spreche er mit Regierungsstellen sowie mit religiösen Vertretern, hieß es. Ziel sei die Freilassung der beiden Frauen. Einzelheiten wurden nicht genannt.

Die beiden Mitarbeiterinnen einer Hilfsorganisation sind am Dienstag entführt worden. Die mutmaßlichen Kidnapper verlangen auf einre Islamisten-Seite im Web den sofortigen Abzug der italienischen Soldaten aus dem Irak. Zehntausende Menschen demonstrierten am Wochenende in Italien gegen Terrorismus und für die Freilassung der beiden Frauen.

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