US-Truppen nehmen El Kut ein
Im Irak eskaliert die Gewalt.

Die Gewalt zwischen den Besatzungstruppen und Aufständischen im Irak eskaliert ein Jahr nach der Einnahme Bagdads durch US-Soldaten. Am Karfreitag gab in mehreren Städten des Landes erbitterte Kämpf mit vielen Toten und Verletzten. Auch wurden weitere Ausländer verschleppt. Es handelt sich offenbar um vier Italiener und zwei Amerikaner. Angesichts der dramatisch zugespitzten Lage im Irak prüfen deutsche Hilfsorganisationen ihren Rückzug.

HB BAGDAD. Eine für die heftig umkämpfte westirakische Stadt Falludscha vereinbarte Waffenruhe wurde am Freitagmittag nach nicht einmal zwei Stunden vom US-Militär wieder beendet. Dies verlautete aus Kreisen der bei Falludscha stationierten US-Marineinfanterie. US- Chefverwalter Paul Bremer hatte zuvor in Bagdad eine „einseitige Aussetzung offensiver Operationen in Falludscha“ angekündigt, um Verhandlungen zu ermöglichen. Der arabische Nachrichtensender El Dschasira berichtete wenig später, die Kämpfe seien erneut aufgeflammt. In der sunnitischen Aufständischen-Hochburg waren seit Wochenbeginn mindestens 280 Iraker ums Leben gekommen.

In der südwestlich von Bagdad gelegenen Pilgerstadt Kerbela kamen bei Kämpfen zwischen schiitischen Aufständischen und Truppen der multinationalen Division drei Iraker und eine iranische Pilgerin ums Leben. Ärzte berichteten, bei dem Gefecht in der Nacht zum Freitag, an dem polnische und bulgarische Soldaten beteiligt gewesen seien, hätten 22 weitere Menschen zum Teil schwere Verletzungen erlitten.

US-Truppen gelang es nach Angaben einer Militärsprecherin in der Nacht zum Freitag, die Stadt El Kut wieder einzunehmen. Die 170 Kilometer südöstlich von Bagdad gelegene Stadt war am Mittwoch von Milizen des radikalen schiitischen Predigers Muktada el Sadr besetzt worden, nachdem sie die dort stationierten ukrainischen Truppen zum Abzug gezwungen hatten. Im Zentralirak befanden sich am Freitag noch immer die heiligen Städte Nadschaf, Kufa und Kerbela unter Kontrolle der so genannten „Mahdi-Armee“, der Miliz El Sadrs.

Weiter Ungewissheit herrschte über das Schicksal der im Irak verschleppten Ausländer. Die Regierung in Tokio will nach der Entführung von drei japanischen Zivilisten der Forderung der Kidnapper nach Abzug der japanischen Soldaten nicht nachgeben. „Wir werden uns keinerlei verachtenswerter Drohung von Terroristen beugen“, sagte Ministerpräsident Junichiro Koizumi. El Dschasira hatte am Donnerstag ein Video ausgestrahlt, auf dem bewaffnete Geiselnehmer mit den Japanern zu sehen sind.

Bei den Geiseln handelt es sich um einen 32-jährigen Fotoreporter sowie einen 18-jährigen Mann und 34-jährige Frau, die sich als freiwillige Helfer im Irak aufhielten. Die Entführer, die sich „Irakische Mudschahedin-Brigaden“ nennen, drohen, ihre Geiseln zu verbrennen, sollten Japans Soldaten das Land nicht innerhalb von drei Tagen nach Ausstrahlung des Videos verlassen. Vize-Außenminister Ichiro Aisawa reiste am Freitag als Sondergesandter Tokios nach Jordanien ab, um im Geiselfall zu vermitteln.

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