US-Truppenkontingent
Im Irak werden Gefangenen-Bewacher knapp

Weil es immer mehr Gefangene gibt, schicken die USA 700 zusätzliche Soldaten in den Irak. Wie die "Washington Post" berichtet, sollen die Soldaten dabei helfen, die annäherend 11 000 Insassen von Gefangenenlagern zu bewachen.

HB BAGDAD/WASHINGTON. Die Zahl der Gefangenen habe sich seit September vergangenen Jahres verdoppelt, schreibt das Blatt. Die Truppenverstärkung habe aber nichts mit der erwarteten Zunahme der Spannungen vor dem für Oktober geplanten Referendum über die neue irakische Verfassung und den für Dezember vorgesehenen Wahlen zu tun.

Mahnwachen erfahren enormen Zulauf

In der Heimat schlossen sich am Mittwoch Zehntausende von Menschen dem Protest der Mutter eines im Irak getöteten Soldaten an, die seit Anfang August vor der Ranch von Präsident George W. Bush in Texas ausharrt. Wie die Bewegung MoveOn.org erklärte, haben sich mehr als 60 000 US-Bürger in allen 50 Bundesstaaten an landesweit organisierten Mahnwachen beteiligt.

Die Mutter Cindy Sheehan fordert ein Gespräch mit dem Präsidenten und einen Rückzug der US-Soldaten aus dem Irak. Sheehan steht in den Augen vieler Sympathisanten für den Protest gegen Bushs Irak-Politik. Ihr Sohn Casey war 2004 im Irak getötet worden. Insgesamt sind dort seit Kriegsbeginn mehr als 1800 US-Soldaten ums Leben gekommen.

Heftige Kritik der "New York Times" an Bush und den "Privilegierten"

Die "New York Times" nahm den blutigen Bombenanschlag in Bagdad vom Mittwoch mit mindestens 44 Toten zum Anlass, den Präsidenten heftig zu attackieren. Das Blatt schrieb in einem Kommentar: "Bei allem Gerede über die Unterstützung unserer Truppen sind diese eine geringe Priorität für die meisten Amerikaner. Wenn die Nation sich wirklich dafür interessierte, dann würde der Präsident nicht den ganzen August in seiner Ranch herumtollen. Er wäre zurück in Washington und würde bis spät in die Nacht daran arbeiten, die Truppen aus dem schrecklichen Schlamassel zu ziehen, in den er sie geschickt hat. Stattdessen sterben die Soldaten, während Bush Fahrrad fährt."

Das Blatt kritisierte zudem, dass sich die US-Elite aus dem Krieg heraushalte: "Es sind größtenteils nur die Soldaten und ihre Familien, die sich in diesem Krieg opfern - und nur ganz wenige von ihnen kommen aus den privilegierten Gesellschaftsschichten. Deswegen ist es so einfach, die Truppen aus den Augen und aus dem Sinn zu halten. Wenn der Krieg im Irak es Wert ist, ausgefochten zu werden - wenn es ein nobles Unternehmen ist, wie die Falken behaupten - dann sollte er das wert sein, auch von den Kindern der Privilegierten ausgefochten zu werden. Wenn es deren Blut nicht wert ist, dann sollten wir die Truppen nach Hause holen.“

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