US-Unis
Elitäres Streichkonzert

US-Topuniversitäten wie Columbia stellen gerade ihren neuen Etat auf. Weil sich viele an der Wall Street verspekuliert haben, müssen sie eine neue Tugend erlernen: Sparen.

NEW YORK. Dunkle Holzvertäfelung, dicker Orientteppich. Das Besucherzentrum der Columbia University an der Upper West Side in Manhattan strahlt die Würde aus, die einer Elitehochschule mit 250 Jahren Geschichte angemessen ist. 1754 gegründet von Englands König George II., ist sie älter als die USA, über 80 Nobelpreisträger hat sie hervorgebracht. Das ist Columbia - auf den ersten Blick.

Der zweite Blick erspäht Spuren des Verfalls im Besucherzentrum. An den beiden kaputten Stühlen in der Ecke zum Beispiel. "Broken Chair" hat jemand auf Zettel geschrieben und sie mit Tesa auf die Lehnen geklebt - auf dass Besucher nicht versehentlich erst Platz und dann Schaden nehmen. Und auch die Schautafel, auf der sich die Alma Mater hier ihrer prominenten schwarzen Absolventen rühmt, ist peinlich inaktuell. US-Präsident Barack Obama fehlt.

Die Columbia University muss sparen. Im November schickte Präsident Lee Bollinger den ersten Brandbrief an die Fakultäten: "Vor uns liegen schwierige Zeiten." Ende Januar schrieb Bollinger einen zweiten Brief und wurde konkreter: acht Prozent. Um diesen Satz müsse er die Zuwendungen der universitätseigenen Stiftung an die Fachbereiche senken. Im Durchschnitt. Vorerst. Man weiß ja nicht, was noch kommt. Eines allerdings sei gewiss, sagt der Präsident: "Wir werden in den nächsten Monaten harte Entscheidungen treffen müssen."

Die Finanzkrise hat Amerikas Hochschulen erreicht. Die beginnen in diesen Tagen mit der Aufstellung ihrer Budgets für das Haushaltsjahr 2010, das am 1. Juli beginnt. Sparen ist angesagt: Einfrieren der Professorengehälter, Entlassungen, höhere Studiengebühren.

Manche müssen gar ran ans Eingemachte: Die Brandeis University in Waltham, Massachusetts, verkauft ihre Kunstsammlung mit Werken von Jasper Johns, Roy Lichtenstein und Andy Warhol.

Kaum eine US-Universität kommt ums Sparen herum. Ob privat oder öffentlich, ihre Finanzierungsstrukturen sind ähnlich: Subventionen, Studiengebühren, Spenden, Forschungszuschüsse - und Einnahmen aus Stiftungen. Letztere verwalten Millionen, manche gar Milliarden an Dollar und steuern die Kapitalerträge zum Lehrbetrieb bei. Das Vermögen der Universität Columbia betrug Mitte 2008 7,08 Milliarden Dollar, Ende des Jahres war es eine Milliarde Dollar weniger. Das des Konkurrenten Yale schmolz im gleichen Zeitraum gar von 22,9 auf 18 Milliarden Dollar - minus 25 Prozent.

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