US-Vize Biden

Goodbye Joe – und bis bald

Weißer Haarschopf, loses Mundwerk – US-Vizepräsident Joe Biden ist längst Kult. Nun naht nach acht Jahren der Abschied – zumindest für drei Jahre. Im Präsidentschaftswahlkampf 2020 will Joe Biden nochmal antreten.
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„Yeah, werde ich. Ich werde 2020 antreten“, antwortete Biden auf die Fragen, ob er im nächsten Wahlkampf antreten will. Quelle: AP
US-Vize Joe Biden

„Yeah, werde ich. Ich werde 2020 antreten“, antwortete Biden auf die Fragen, ob er im nächsten Wahlkampf antreten will.

(Foto: AP)

WashingtonMeist kann er sich das Grinsen nicht verkneifen. Wie vor ein paar Tagen, als er in einem Interview einmal mehr nach Donald Trump und dessen jüngsten Ausfällen gefragt wurde. „Werd' erwachsen, Donald“, sagte Joe Biden schlicht und hatte Mühe, die Mundwinkel nach unten zu ziehen. Es war wieder so ein typischer Biden-Satz.

Wenn der 74-jährige Vizepräsident in wenigen Tagen seinen Schreibtisch räumt, dann geht nach acht Jahren ein echter Charakterkopf. Einer, der gern selbst Präsident geworden wäre, es aber nicht schaffte.

Als Biden vor wenigen Tagen im Kongress die neuen Senatoren einschwor, war er noch einmal ganz in seinem Element. Er machte Selfies, kitzelte Babys, küsste eine ältere Dame auf den Mund, schüttelte dutzende Hände. Und strahlte bei alldem ganz selig über das ganze Gesicht.

Es heißt, Biden könne sich für so ziemlich alles begeistern. Seine Liebe für Eiscreme ist reichlich mit Fotos dokumentiert. Seine Leidenschaft fürs Bahnfahren ebenso.

Die Hemdsärmel hochgekrempelt, die Fliegerbrille im Gesicht - nicht selten stand er genau so auf einem Podium. Oft redete er dann, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Zum Beispiel, als er sich 2012 zu dem Satz hingerissen sah, er kenne acht Präsidenten - und drei von ihnen sehr innig. Dem irischen Premierminister kondolierte er 2010 zum Tod von dessen Mutter. Dann bemerkte Biden, dass nicht sie, sondern der Vater des Mannes verstorben war. In solchen Momenten heißt es oft, dass das eben „typisch Biden“ sei.

Wie auch im zurückliegenden Wahlkampf, als er Donald Trump eine Tracht Prügel empfahl. Da war gerade ein Video aufgetaucht, in dem der Unternehmer damit prahlte, dass er sich gegenüber Frauen alles erlauben könnte. „Ich wünschte, wir wären in der High School. Dann könnte ich ihn hinter die Turnhalle ziehen“, sagte Biden.

Der Vizepräsident quälte sich dem Vernehmen nach im Wahlkampf jeden Morgen mit der Frage, warum um alles in der Welt er seinen Hut nicht doch vor Monaten in den Ring geworfen hatte. Denn Biden wurde selbst lange als Bewerber bei den Demokraten gehandelt, bis er im Oktober aus familiären Gründen auf eine Kandidatur verzichtete. Sein Sohn war gerade gestorben.

Obama und Biden standen sich sehr nah

Es war nur einer von mehreren schweren Schicksalsschlägen. Bidens erste Frau und die einjährige Tochter kamen 1972 bei einem Autounfall ums Leben, seine zwei kleinen Söhne wurden schwer verletzt. Er zog sie zunächst alleine auf. 1977 heiratete er die Pädagogin Jill Jacobs. 1988 überstand Biden eine lebensgefährliche Gefäßerweiterung im Gehirn. 2010 erlitt sein Sohn Beau einen Schlaganfall, 2015 starb er an Krebs.

Klima-Skeptiker, Milliardäre und ein Wall-Street-Anwalt
Dan Coats
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Der künftige US-Präsident Donald Trump will den früheren US-Botschafter in Deutschland, Dan Coats, zum Geheimdienstdirektor ernennen. Coats war von 2001 bis 2005 US-Botschafter in Berlin unter Präsident George W. Bush. 2011 warf er Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, sich mit der deutschen Enthaltung beim Militäreinsatz in Libyen isoliert zu haben. Als ehemaliger Senator vertrat der Konservative zudem den US-Bundesstaat Indiana im Kongress.

Jay Clayton
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Neuer Chef der US-Börsenaufsicht wird unter US-Präsident Donald Trump Jay Clayton. Clayton ist ein Mann der Wall Street. Er arbeitet bisher als Wirtschaftsanwalt in der renommierten Kanzlei Sullivan & Cromwell. Unter anderem war er an den Vorbereitungen für den Börsengang des riesigen chinesischen Internethändlers Alibaba beteiligt.

Robert Lighthizer
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Anfang Januar wurde bekannt, dass Donald Trump den 69-jährigen Robert Lighthizer zum Handelsbeauftragten der US-Regierung machen will. Lighthizer gilt als scharfer Kritiker der Handelsstrategien Chinas und als Protektionist. Der Politikveteran hat als Handelsattaché in der Reagan-Ära zahlreiche bilaterale Abkommen ausgehandelt und den Umfang unfairer Einfuhren in die USA deutlich reduziert.

Carl Icahn
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Trump wird sich zukünftig beim Starinvestor Carl Icahn Tipps zu Regulierungsfragen holen. Icahn wird kein offizieller Regierungsmitarbeiter und für seine Dienste auch nicht bezahlt, sagte ein Trump-Sprecher. Nach Trumps Wahl setzen viele darauf, dass der 70-jährige Immobilien-Milliardär die Wirtschaft unter anderem mit einer Deregulierungswelle in Schwung bringen will. Icahn ist Großaktionär mehrerer Konzerne und vielen für ein aggressives Geschäftgebaren bekannt.

Peter Navarro
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Der durch seine Bücher wie „Tod durch China“ bekanntgewordene Ökonom Peter Navarro wird in den Nationalen Handelsrat des Weißen Hauses berufen. Der 67-jährige Wirtschaftsprofessor der University of California beriet Trump bereits im Wahlkampf. In seinem Buch „Tod durch China: Wie Amerika seine industrielle Basis verlor“, das die Grundlage für einen Dokumentarfilm lieferte, wirft er der Volksrepublik beispielsweise den Diebstahl geistigen Eigentums vor.

Innenminister: Ryan Zinke
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Der Kongressabgeordnete war Kommandeur der Marine-Infanterie-Elitetruppe Navy SEALs. Das Ministerium verwaltet rund ein Fünftel der öffentliche Flächen des Landes, darunter Nationalparks. Es ist in den USA nicht für die innere Sicherheit zuständig. Das übernehmen die Ministerien für Justiz und Heimatschutz. Zinke ist gegen die Privatisierung von öffentlichem Grundbesitz, hat aber auch für Gesetze gestimmt, die Umweltauflagen in solchen Gebieten aufweichen. Trump will auf Staatsgebiet verstärkt Ölbohrungen und Bergbau erlauben.

Rex Tillerson (l.) - Außenminister
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Der Chef des US-Ölkonzerns Exxon Mobil, Rex Tillerson, soll Außenminister werden. Das ist aus dem Umfeld von Donald Trump zu hören. Der 64-Jährige hat gute Beziehungen zu Russland, das Bild zeigt Tillerson im Jahr 2012 bei einem Aufeinandertreffen mit dem russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin.

In diesen Tagen zeigte sich, wie nahe sich Obama und sein Vize stehen. Der Präsident hielt eine sehr bewegende Trauerrede. Beide verbindet eine enge Freundschaft. Dabei trennt sie eigentlich eine Generation. „Sie haben sich in den acht Jahren auf alle wichtigen politischen Themen gemeinsam geeinigt, und wenn es Unstimmigkeiten gab, haben sie es geschafft, ihren Disput im Stillen auszutragen“, schrieb die „Washington Post“ unlängst.

Auch Obama musste schon seine Erfahrung mit Bidens losem Mundwerk machen. Der Vize preschte 2012 beim Thema Ehe für alle vor und sagte in einem Interview, er fühle sich absolut wohl dabei, wenn homosexuelle Paare heirateten. Obama zog wenige Tage später nach und erklärte als erster Präsident in den Vereinigten Staaten seine Unterstützung für die gleichgeschlechtliche Ehe. Biden entschuldigte sich später.

Der Jurist hat sich als Vize vor allem als außen- und sicherheitspolitischer Ratgeber Obamas verdient gemacht. In Wirtschaftsfragen war Biden ebenfalls nicht unbeleckt: Nach der Finanzkrise hatte er maßgeblichen Anteil am Schnüren eines umfassenden Konjunkturprogrammes.

Vor ein paar Tagen wurde er wieder einmal gefragt, ob er im Präsidentschaftswahlkampf 2020 noch einmal antreten werde. „Yeah, werde ich. Ich werde 2020 antreten“, sagte er. Es war wieder so ein typischer Biden-Satz.

Obama: „Das ist die letzte Chance, dass unsere Bromance Thema fürs Internet wird“

  • dpa
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