_

US-Vorwahlen: Mormonen und Wall Street sollen Romney ins Weiße Haus tragen

Mitt Romney ist der wohl prominenteste Mormone in den USA. Das rückt die strenge Glaubensrichtung ins Rampenlicht – und offenbart die engen Verbindungen der Kirche zu Amerikas Geschäftswelt und zur Wall Street.

Präsidentschaftskandidat Mitt Romney während einer Wahlkampftour. Quelle: AFP
Präsidentschaftskandidat Mitt Romney während einer Wahlkampftour. Quelle: AFP

New York„Mitt Romney – Mormons rock!“ steht auf dem Schild, das ein kleiner blonder Junge auf einer der vielen Wahlkampfveranstaltungen hoch hält, die der republikanische Präsidentschaftskandidat in diesen Tagen absolviert. Noch nie hat es ein Mormone ins Weiße Haus geschafft. Auch für Romney ist der Weg noch weit – doch kurz vor den Vorwahlen in Colorado, Minnesota und Missouri am Dienstag ist er seinem Traum so nah wie noch nie zuvor.

Anzeige

Der Rummel um Romney rückt die Mormonen, die nur etwa zwei Prozent der US-Bevölkerung ausmachen, unverhofft ins Rampenlicht. Einst verfolgt und vertrieben bekommen sie nun die einmalige Gelegenheit, ihre zweifelhafte Ideologie zu propagieren. „Natürlich merken wir, dass das ganze Land derzeit über unsere Kirche redet“, sagt ein Sprecher. Längst hat die „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“, so die offizielle Bezeichnung, eine millionenschwere Image-Kampagne gestartet. Intern sprechen die Verantwortlichen bereits von dem „Moment der Mormonen“.

Wahlkampf-Finanzierung Mitt Romneys größte Spender

  • Wahlkampf-Finanzierung: Mitt Romneys größte Spender
  • Wahlkampf-Finanzierung: Mitt Romneys größte Spender
  • Wahlkampf-Finanzierung: Mitt Romneys größte Spender
  • Wahlkampf-Finanzierung: Mitt Romneys größte Spender

Der Moment offenbart auch die engen Verbindungen der Mormonen in Amerikas Geschäfts- und Finanzwelt. Eine ganze Reihe von Mormonen halten einflussreiche Positionen in der Welt des großen Geldes. Ihren Erfolg führen sie zurück auf die harten Anforderungen, die ihnen die Kirche abverlangt. Die Liste ist lang: Der Chef der Investmentbank der Credit Suisse, Eric Varvel, gehört dazu ebenso wie der Chef der Personalabteilung der Citigroup, Paul McKinnon, Bill Marriott, der Chef der gleichnamigen Hotelkette und David Neeleman, der die US-Fluglinie Jet Blue und die brasilianische Airline Azul gegründet hat.

Romney selbst ist als ehemaliger Chef der Private-Equity-Firma Bain Capital zum Multimillionär geworden hat beste Beziehungen an die Wall Street – die mit millionenschweren Wahlkampfspenden Stimmung für ihn macht.

Am 27. August küren die Republikaner ihren Herausforderer für US-Präsident Obama. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg für die Kandidaten. Klicken Sie auf die Fußstapfen, um sich die Schritte anzusehen.

Es gibt eine von Mormonen geführte Business School nahe Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah, in dem die Kirche ihren Hauptsitz hat. Sie rühmt sich damit, anders als andere Business Schools, in der Lehre großen Wert auf hohe ethische Standards zu legen. Der wichtigste Grundstein für die spätere Karriere werde jedoch gelegt, wenn Mormonen für zwei Jahre lang auf Mission gehen, sagt Dekan Gary Cornia. „Viele unserer Studenten haben zwei Jahre ihres Lebens damit verbracht, in einem fremden Land mit Leuten über ihren Glauben zu sprechen“, sagt der Dekan. „Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen und mit Rückschlägen umzugehen. Das härtet ab.“

  • 08.02.2012, 09:43 UhrAnonymer Benutzer: HolgerRudolph

    Zu den hohen, ethischen Standards: Bis 1978 durften schwarze Männer in der Gemeinschaft keine Priestertumsämter inne haben. Die Mormonen glauben nach wie vor, dass die schwarze Hautfarbe durch einen göttlichen Fluch entstanden ist. Das ist die Denkweise des 19. Jahrhunderts. Wie ethisch ist das?

  • 08.02.2012, 01:00 UhrAnonymer Benutzer: Bettina

    Zweifelhaft ist vieles, wie z.B. die Idee des gegenwärtigen US-Präsidenten, Verhütungsmittel und Sterilisationen und Abtreibung für alle Angestellten kostenlos zur Verfügung zu stellen. Da ergibt sich die Frage, ob es den arbeitenden Menschen schon fast verboten werden soll, Kinder zu bekommen, und ob Schwangere dann überhaupt noch irgendwelche Rechte haben, weil sie sowas ja hätten vermeiden können.

    Zweifelhaft sind auch Pläne für den Weltraum angesichts der desolaten Wirtschaftslagen.

    Berechtigt finde ich die Verweigerung zum Kriegsdienst, wenn die heimgekehrten Soldaten, die sich für ihr Land stark gemacht haben, keine Zukunft geboten wird.

    Die Zeifelhaftigkeit liegt hier in der Politik, diese Veteranen zu vernachlässigen.

    Wie steht es denn wirklich um die Zweifelhaftigkeit einer christlichen Religion, der es gelingt, die Probleme Amerikas in den Griff zu kriegen?

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Die Linke: Ulrich Maurer greift Parteispitze an

Ulrich Maurer greift Parteispitze an

In der Linken mehrt sich der Protest gegen die Parteispitze und den Zustand der Partei. Fraktionsvize Ulrich Mauer fordert eine radikale Verjüngungskur - und mehr Frauen. Denn in diesem Punkt hapert es gewaltig.

Gastkommentar: Die CDU muss weiter nach links rücken

Die CDU muss weiter nach links rücken

Nach der NRW-Wahl muss die Union neue Prioritäten setzen: Sie muss auf die Sorgen der Menschen reagieren. Sonst verliert sie noch mehr Vertrauen - und ihren Status als Volkspartei.

Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

Handelsblog Das Versagen von Bayern München, ökonomisch erklärt

Der Ausgang des Champions-League-Finales ist nicht nur peinlich für die Bayern, sondern auch für mich persönlich. Ausgehend vom Marktwert der Spieler hatte ich prognostiziert, dass Bayern gewinnen wird - weil die Mannschaft rund 30% mehr... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International