
GilbertDer US-Republikaner Mitt Romney rechnet sich eigentlich gute Chancen im Vorwahl-Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner aus. Allerdings geriet der Ex-Unternehmer und Multimillionär zuletzt massiv unter Druck, weil er eingeräumt hatte, deutlich weniger Steuern zu zahlen als die meisten Normalverdiener in den USA. Davon profitierte vor allem Romneys Rivale Newt Gingrich. Der ehemalige Vorsitzende des Repräsentantenhauses konnte den Abstand in den Umfragen zuletzt erheblich verkürzen.
Sollte Romney in South Carolina dennoch gewinnen, dürften die Weichen im Rennen um die Nominierung zum Herausforderer von Präsident Barack Obama gestellt sein. Der von hoher Arbeitslosigkeit gezeichnete Bundesstaat im Süden der USA ist eine Hochburg der religiösen Rechten, und der als vergleichsweise moderat geltende Mormone Romney war bislang nicht deren Wunschkandidat.
Mit Spannung wird deshalb auch das Abschneiden des ultrakonservativen Ex-Senators und erklärten Abtreibungsgegners Rick Santorum erwartet, der bereits beim Vorwahl-Auftakt in Iowa Anfang Januar überraschend die meisten Stimmen erhielt, wie die offizielle Auszählung vor wenigen Tagen nachträglich ergab. Ursprünglich war Romney zum Sieger erklärt worden. Ebenfalls noch im Rennen ist der Kongressabgeordnete Ron Paul. Der Gouverneur von Texas, Rick Perry, zog dagegen seine Bewerbung zurück und empfahl seinen Anhängern, Gingrich zu wählen.

Mitt Romney ist der Meister des Trippelschritts. Egal wie groß die Bühne ist, auf der er gerade reden soll: Der 64-Jährige bewegt sich meist nur in einem eng begrenzten, wenige Quadratmeter großen Karree.

Und wenn Romney nicht gerade trippelt, dann steht er mit durchgedrückten Knien da, steif und aufrecht. Das ist es, was ihn oft so gekünstelt, zaghaft und wenig authentisch wirken lässt. Dieser Endruck bessert sich auch nicht, wenn Romney statt im Anzug mit Jeans, kariertem Hemd und Cowboygürtel auftritt.

Denn auch das funktioniert nicht wirklich: Die aufgekrempelten Ärmel sind so hochgeschlagen, als seien sie mit dem Lineal abgemessen. Deshalb: Romney der Unechte.

Newt Gingrich geht nicht auf Bühnen, Podien und Plätze – er entert sie. Wenn der alte politische Fahrensmann für sich wirbt, dann ignoriert er sämtliche Ratschläge von Imageberatern. Gingrich stellt sich vors Mikro, bleibt nahezu unbeweglich, und redet.

Manchmal redet er viele Minuten lang und oft so, dass man als Zuhörer den Faden verliert. Aber man hat das Gefühl, dass dieser Mann weiß, wovon er spricht. Als Blickfang steht meist seine blonde und deutlich jüngere Frau Callista neben ihm, die mit ihrer wie zementierten Helmfrisur wie aus einer anderen Welt wirkt.

Aber: Bei Gingrich hört man zu. Denn der 68-Jährige sagt fast immer, was er denkt, ohne Skript und oft zum eigenen Schaden. Deshalb: Gingrich der Authentische.

Rick Santorum ist das „new kid on the block“. Eigentlich hatte man den schönen 53-Jährigen als ernst zu nehmenden Kandidaten bereits abgeschrieben. Doch jetzt marschiert der Ex-Senator aus Pennsylvania schulterklopfend durch Pizzalokale, Bürgerversammlungen und Supermärkte.

Santorum trägt als Markenzeichen stets einen Pollunder. Woher er dieses Accessoire aus den 70er Jahren in so großer Zahl noch hat ist ein Rätsel. Aber wie einst Hans-Dietrich Genscher mit seinem gelben Pullover hat er es zu seinem Symbol gemacht.

Auf Fragen gibt Santorum gern langatmige Antworten. Und wenn er nicht mehr weiter weiß, dann setzt er ein gewinnendes Lächeln auf. Auf Veranstaltungen im kleinen Rahmen kommt das gut an. Deshalb: Santorum der Joviale.

Ron Paul ist optisch der Merkwürdigste. Er trägt schlecht sitzende Anzüge, die an den Schultern stets einen Schlag bilden. Er läuft gekrümmt, als müsste er auf seinem Buckel ein Bündel Holz schleppen.
Mitt Romney ist der Meister des Trippelschritts. Egal wie groß die Bühne ist, auf der er gerade reden soll: Der 64-Jährige bewegt sich meist nur in einem eng begrenzten, wenige Quadratmeter großen Karree.
Die Republikaner nominieren ihren Präsidentschaftskandidaten offiziell Ende August auf ihrem nationalen Parteitag. Die eigentliche Präsidentenwahl findet Anfang November statt.