US-Vorwahlen
Santorum gibt auf - Obama attackiert Romney

Der erzkonservative Kandidat Rick Santorum überlässt Favorit Mitt Romney den Vortritt. Doch der Kampf um das Weiße Haus geht ohne Verschnaufpause weiter. Dafür hat Obamas Team gesorgt.
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GettysburgEs war ein sauber vorbereiteter Abgang. Rick Santorum informierte seine Helfer, den Chef der US-Republikaner Reince Priebus, auch der schärfte Rivale Mitt Romney bekam einen Anruf. Dann trat Santorum am Dienstagnachmittag in Gettyburg, Pennsyvania, vor die Presse und ließ die Bombe platzen: „Wir werden heute unsere Kandidatur ruhen lassen“, sagte er, ohne konkrete Gründe zu nennen.

Nach Monaten erbitterten Kampfes scheint der Vorwahlkampf der Republikaner um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten nun entschieden. Mit dem Abritt des erzkonservativen und strenggläubigen Ex-Senators ist nun der Weg für den mit großem Abstand führenden Multimillionär Romney frei.

Bereits kurz nach der Abschiedsrede des Ex-Senators fuhr Amtsinhaber Barack Obama am Dienstag schweres Geschütz gegen seinen wahrscheinlichen Herausforderer auf. „Je mehr die Amerikaner von Mitt Romney sehen, desto weniger mögen sie ihn und desto weniger vertrauen sie ihm“, heißt es in einer von Obamas Wahlkampfteam an Unterstützer verschickten E-Mail.

Die übrigen Bewerber, Newt Gingrich und Ron Paul, liegen abgeschlagen zurück. Santorum lag im bisherigen Vorwahlkampf an zweiter Stelle und war mit erzkonservativen Thesen zum überraschenden Shooting-Star und aussichtsreichsten Herausforderer Romneys aufgestiegen.

Bei Gering- und Normalverdienern, Menschen ohne höheren Bildungsabschluss, der einflussreichen Tea-Party-Bewegung und den Anhängern der Republikaner, die sich als Evangelikale und wiedergeborene Christen bezeichnen, kam der Vater von sieben Kindern gut an. Obwohl Romney vier Mal mehr Geld etwa in den Wahlkampf in Ohio steckte, konnte Santorum überraschend lange mithalten. Er schaffte es aber nicht, sich die Unterstützung über seine Kernklientel hinaus zu sichern.

Möglicherweise hat Santorums Rückzug auch mit seiner Familie zu tun: Sein jüngstes Kind leidet unter einem seltenen genetischen Defekt und war am Wochenende in eine Klinik gebracht worden.

Nach der bitteren Dreifach-Niederlage im Vorwahlkampf in Wisconsin, Maryland und der Hauptstadt Washington vor einigen Tagen hatten sich die Hoffungen lange auf Santorums Heimatstaat Pennsylvania gerichtet. Dort sollte am 24. April der entscheidende Showdown in dem seit Anfang des Jahres laufenden Abstimmungsmarathon anstehen.

Doch in Umfragen hatte Santorum seinen einst komfortablen Vorsprung bereits abgeben müssen. Am 24. April wird in fünf Staaten im Nordosten der USA abgestimmt, darunter New York und Conneticut.

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  • "der schärfte Rivale" und "in Gettyburg, Pennsyvania"??? Wirkt da in der Redaktion noch der Eierlikör???

  • Kann mir jemand sagen, was mit den Delegiertenstimmen passiert, die Santorum bisher gewonnen hat? Danke für eine Antwort!

  • Ach, wie schön, dass Santorum und Romney vorher miteinander gesprochen haben!
    Und wie gut, dass niemand genau weiss, was das Resultat des Gesprächs gewesen
    sein könnte. Und wie gut, dass keiner die Summe kennt, die eventuell auf dem
    Scheck stand, der von Romney übergeben wurde... There's no business like
    Show Business.

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