US-Vorwahlkampf
Die lustigen Zeiten sind vorbei

Die Republikaner lieben Anti-Politiker mit radikalen Ideen. Doch nach dem Abgang Herman Cains versammeln sie sich ausgerechnet hinter zwei alten Polit-Haudegen. Aber einer von ihnen muss gegen Präsident Obama bestehen.
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WashingtonEs war ein Abgang ganz nach seinem Geschmack. „Nach vielen Gebeten“, rief Herman Cain seinen geschockten Fans zu, „werde ich heute meine Kandidatur ums Präsidentenamt aussetzen“. Es habe einfach zu viele „Ablenkungen“, zu viele „Verletzungen“ gegeben. Politik sei eben ein „schmutziges Spiel“. Reue? Eigene Fehler? Nicht für den schillerndsten aller Präsidentschaftskandidaten der Republikaner in diesem merkwürdigen Rennen. 

Cains Auftritt am Samstag in Atlanta ist das vorläufige Ende einer Kampagne, die so schräg war, dass viele glauben, es sei alles nur ein riesengroßer Spaß gewesen, für Fernsehruhm und um ein Buch zu verkaufen. Der zu Beginn des Jahres weitgehend unbekannte Ex-Chef der Pizzakette „Godfather’s“  schaffte es mit markigen Sprüchen, simplen Antworten und viel Entertainment zum Liebling der religiös-rechten Tea Party und zum Umfragekönig. Doch dann stolperte der 65-Jährige über den Vorwurf sexueller Belästigung und eine angebliche Affäre vor vielen Jahren.

Cain sagt, er sei unschuldig und das Opfer einer Schmutzkampagne. Was er nicht sagt: Die republikanischen Wähler hatten schon vor dem Auftauchen der ersten Beschuldigungen begonnen, das Interesse an ihm zu verlieren. Anfangs hatten sie seine Inszenierung als Antipolitiker, als Geschäftsmann, als lustiger Außenseiter geliebt – doch am Ende war das eben nicht genug.

Denn als Cain plötzlich im Rampenlicht stand, leistete er sich einige Aussetzer: Er konnte seine eigene Radikal-Steuerreform „9-9-9“ nicht richtig erklären, bei komplexen Themen wie Libyen oder Pakistan rang er oft hilflos nach Worten. Dass er niemals ein politisches Amt innehatte, wurde in den Augen der Wähler vom Vorteil zum Nachteil. Denn sie sahen ein: Cain wäre im direkten Duell mit Präsident Barack Obama untergegangen. Das Redetalent des Demokraten ist gefürchtet.

Und das, nichts anderes, scheint die Parteimitglieder fünf Wochen vor den ersten Vorwahlen zu interessieren: Wer hat das Zeug dazu, Obama aus dem Weißen Haus zu vertreiben? Zwar steht die einflussreiche Tea-Party-Bewegung auf krawallige Außenseiter und hasst das Washingtoner Establishment. Noch mehr hasst es die Partei aber, bei den Wahlen im Herbst zu verlieren.

Und so verengt sich das Feld nach Cains Entzauberung auf nunmehr zwei Kandidaten, denen niemand abstreitet, dass sie das Zeug zum Präsidenten hätten: der Ex-Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney. Und der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich.

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Die lustigen Zeiten sind vorbei

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Gingrich profitiert von Cain Rückzug

Kommentare zu " US-Vorwahlkampf: Die lustigen Zeiten sind vorbei"

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  • Wenn die Leitung einer Finanzheuschrecke als Zeichen wirtschaftlicher Kompetenz gepriesen wird, muss man sich über das Ignorieren von Ron Paul eh nicht mehr wundern.

  • wenn die redakteure des HB ganz einfach von den amerikanischen mainstream-medien abschreiben und eigene recherche als überflüssig empfinden, kann es schon sein, dass Dr Ron Paul mal übersehen.
    schliesslich ist er es, der eine auditierung der fed durchgesetzt hat, und auch er ist es, der keine banken retten wird. womit sich der kreis zu den medien wieder schliesst.
    aber es gibt auch noch das i-net. ;-)

  • Korrektur: ich meinte natürlich Hermann Cain

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