US-Vorwahlkampf
Wie Jeb Bush doch noch gewinnen kann

Er trat an als der unvermeidliche Präsidentschaftskandidat. Jetzt wird über das vorzeitige Ende seiner Kampagne spekuliert. Doch Jeb Bush hat noch eine Chance, wenn er einen großen Fehler vermeidet.

San FranciscoPaul Singer ist nicht irgendwer. Der New Yorker Milliardär ist einer der größten Spender der Republikanischen Partei überhaupt, und jetzt hat er seine schützende Hand über Jeb Bush weggezogen. In einem Brief an andere einflussreiche Spender empfiehlt er nun Marco Rubio, Senator aus Florida, als den richtigen Kandidaten für die Partei. Die New York Times zitiert aus dem Brief, in dem Rubio als verantwortungsbewusster Außenpolitiker beschreiben wird. Außerdem sei er als einziger Kandidat in der Lage, diesen „komplexen Prozess der Vorwahlen zu bewältigen“ und danach Hillary Clinton in der eigentlichen Wahl zu schlagen.

Der am Freitag bekanntgewordene Brief beendete eine ohnehin miese Woche für Jeb Bush, den Bruder des Ex-Präsidenten George W. Bush. Der Tiefpunkt war dabei eine TV-Debatte am Mittwoch, bei der er genau diesen Marco Rubio angegriffen hatte und damit kläglich gescheitert war. Rubio machte seinen früheren Freund Jeb Bush vor laufenden Kameras regelrecht lächerlich und etablierte das Bild eines verzweifelten Kandidaten, dem jedes Mittel recht ist, um sich auf Kosten anderer zu profilieren.

Tatsächlich ist Bush in den Umfragen weit zurückgefallen. Nach den laut einer CBS-NYT-Umfragen mit 26 beziehungsweise 22 Prozent weit führenden Ben Carson und Donald Trump liegt er mit nur sieben Prozent in der Popularität bei republikanischen Wählern abgeschlagen hinter Rubio mit acht Prozent. Die TV-Debatte sollte eigentlich allen Gerüchten über Probleme seiner Wahlkampagne ein Ende setzen und große Spender beruhigen. Doch sein farbloser Auftritt machte alles nur noch schlimmer.

„Jeb can fix it“ – „Jeb wird das schon reparieren“ stand auf dem großen Banner auf dem Parkplatz eines Sandwich-Restaurants in Portsmouth am Donnerstag nach dem Mediendesaster. Der neue Slogan ist auf Washington gerichtet, aber zunächst muss der Kandidat erst mal die eigene Kampagne retten, die „nicht am Beatmungsgerät hängt“, wie Bush kampfeslustig betont. „Wir haben das meiste Geld und die beste Organisation“, weist er negative Medienberichte zurück. Doch mit jedem Brief wie dem von Paul Singer wird es enger, vor allem mit dem Geld.

Bush hat bereits reagiert und seine Strategie geändert. War er zu Beginn der praktisch unvermeidliche Kandidat im Rennen um das Weiße Haus und ständig im Rampenlicht, ist daraus ein zähes Spiel auf Zeit geworden. Bush mit seiner eingespielten Wahlkampfmaschine gräbt sich ein und macht sich für einen langen Stellungskrieg bereit. Er muss Angriffe abwehren und in der Reserve abwarten, bis sich der Rest des Feldes gegenseitig demontiert hat. Sein Vorteil: Seine derzeit schärfsten Rivalen, Donald Trump, Ben Cars und auch Marco Rubio haben keine oder praktisch keine politische Erfahrung.

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Zeit, Geduld und vor allem Geld

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